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Ja zu Flüchtlingsquartier im Gewerbegebiet

Obernkirchen Ja zu Flüchtlingsquartier im Gewerbegebiet

Das Gebäude der früheren Postverteilstelle im Gewerbegebiet an der Regede darf – befristet – zum Quartier für Flüchtlinge werden. Dafür hat sich der Bauausschuss bei seiner Zusammenkunft Montagabend im Rathaus ausgesprochen. Der Eigentümer hat jedoch mittlerweile seine Pläne für die Nachnutzung geändert.

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Die frühere Postverteilstelle an der Regede: Sie darf nach einem Grundsatz-Ja des Bauausschusses für Flüchtlinge hergerichtet werden. Doch der Eigentümer hat seinen Plan geändert: Er will jetzt an Heye International vermieten.

Quelle: tw

Obernkirchen. Die Bürgervertreter der Bergstadt um Manfred Eßmann (SPD) sagten damit im Grundsatz ja zu einem entsprechenden Begehren des Obernkirchener Eigentümers, wollten den Bebauungsplan (B-Plan) „Röserheide“ dafür ändern. Allerdings: Wie Eigentümer Rolf Hilker der Redaktion auf Nachfrage versicherte, ist die Nutzung als Flüchtlings-Immobilie bereits wieder vom Tisch: „Die Obernkirchener Firma Heye International will die frühere Postverteilstelle anmieten“, so Hilker.

Was bleibt, ist der Wunsch des Eigentümers, auf dem angrenzenden 3000 Quadratmeter großen Baugrundstück ein „kirchliches Versammlungszentrum“ möglich zu machen. Dem erteilten die Politiker aber eine Absage. Allen voran fürchtete der Christdemokrat Horst Sassenberg, dass sich hinter besagtem Zentrum eine „Groß-Moschee“ verbirgt.

Derweil wusste man vom Sinneswandel des Eigentümers mit Blick auf die Flüchtlinge Montagabend im Bauausschuss noch nichts. Wann diese auf die Regede ziehen würden, war völlig offen. „Das Projekt ist nach Aussage des Eigentümers derzeit ,nicht zwingend spruchreif‘“, schränkte Rathausmitarbeiter Michael Swoboda im Ausschuss ein; er sei „etwas zurück gerudert“. Auch über die Zahl der Flüchtlinge, die dort untergebracht werden könnten, war nichts bekannt. Nur soviel: Entwürfe sahen etwa sechs Wohnbereiche vor.

Laut Bürgermeister Oliver Schäfer handelt es sich bei „Flüchtlinge“ und „kirchliches Versammlungszentrum“ allerdings um zwei getrennte Anfragen, „die nichts miteinander zu tun haben“. Eine Groß-Moschee, wie von Sassenberg zunächst vermutet, sei an der Regede nicht geplant. Hilker wurde gestern dazu konkret: „Es handelt sich um ein Begehren der Zeugen Jehovas, die ein gemeinsames Zentrum für Bückeburg, Stadthagen und Obernkirchen wollen.“

Fakt ist: Die frühere Postverteilstelle an der Regede steht seit Monaten leer; daneben befindet sich eine größere Fläche, die bislang nicht bebaut ist. Für den Gesamtbereich gab es drei Anträge des Eigentümers: Zum einen sollte auf 1500 Quadratmetern Flüchtlingswohnraum geschaffen werden; zum anderen auf weiteren 3000 Quadratmetern besagtes „kirchliches Versammlungszentrum“; außerdem sollten auf 900 Quadratmetern Gebäudefläche und Grundstück Büros und Ausstellungsräume entstehen – was die Politiker für unproblematisch hielten.

Zur Ex-Postverteilstelle als Flüchtlingsquartier sagten sie deswegen ja, weil sie mit der Not der Bürgermeister bei der Unterbringung der Asylsuchenden ein Einsehen haben – zumal eine solche Nutzung der Regede ausdrücklich bis zum 31. Dezember 2019 befristet sein sollte. Auf keinen Fall nämlich dürfe sich dort „durch die Hintertür“ dauerhaftes Wohnen etablieren.

„Die Regede ist ein Gewerbegebiet und soll das auch bleiben“, meinte Thomas Mittmann. Der SPD-Ratsherr hat dort selbst seinen Firmensitz. Außerdem sei ein Umbau der früheren Postverteilstelle in ein Flüchtlingsquartier nicht einfach: „Das ist ein riesengroßer Raum, und es gibt nur eine einzige Damen- und eine einzige Herren-Toilette.“ Sein Fraktionskollege Wilhelm Mevert sah das ähnlich: „Wir haben in Obernkirchen kaum noch Gewerbeflächen; die Letzten, die es unterhalb der Ex-Postverteilstelle noch gibt, sind nicht von der gleichen Qualität.“

Die Wende in der Diskussion brachte eine Aussage von Matthias Reinold. Der Chef des gleichnamigen Rintelner Büros für Planung und Städtebau betonte, dass es bei dem, was der Eigentümer möchte, nur um eine „marginale Ausnahme“ im B-Plan geht; das Gewerbegebiet als solches bleibe erhalten. „Sie geben Ihre Möglichkeit, dort über Begrenzungen und Befristungen zu entscheiden, nicht aus der Hand“, so der Planer.

Am Ende folgten die Bürgervertreter bei drei Enthaltungen dem, was Mevert so formulierte: „Darüber, allein das Gebäude der früheren Postverteilstelle – befristet – für Flüchtlinge zu nutzen, können wir reden. Einen Freibrief für die 3000 Quadratmeter Baugrundstück dahinter bekommt der Eigentümer nicht.“ Auch Sassenberg wollte nicht die Katze im Sack kaufen: „Selbst wenn wir darüber in den Fraktionen noch mal beraten, bleibe ich dabei: Ein ,kirchliches Versammlungszentrum‘ kann es für mich auf der Regede nicht geben.“ tw

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