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Jeder fühlt einen Verlust anders

Sterbebegleitung Oberkirchen Jeder fühlt einen Verlust anders

Kerstin Hartmann ist seit einem halben Jahr ehrenamtliche Sterbebegleiterin, Claudia Tschorn ist schon ein Jahr länger dabei. Beide haben sich im März außerdem noch zu ehrenamtlichen Trauerbegleitern fortbilden lassen.

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Koordinatorin, Ehrenamtliche und Spenderin auf einem Bild: Barbara Weißbrich (von links), Claudia Tschorn, Kerstin Hartmann und Anja Bleidissel.

Quelle: rnk

OBERNKIRCHEN. Seit Jahren sei sie in der Altenpflege aktiv, erzählt Hartmann. Es sei ein Beruf, der dazu führe, dass sie viele Dinge mit anderen Augen sehe, sagt sie, und dazu gehöre auch der Tod: „Sterben ist nicht so einfach.“ Auch für die Hinterbliebenen nicht, die zuweilen aus ihrer Trauer nicht wieder herauskommen würden. „Jeder Mensch fühlt den Verlust anders“, und manche Menschen könnten damit erst nach Jahren umgehen. Tschorn formuliert es so: „Der Tod ist mit der Geburt bestimmt, man muss damit umgehen.“ Und für die Trauerarbeit sei es manchmal gut, wenn man sich an eine neutrale Person wenden könne.

Die Zeiten, in denen trauernde Menschen wie selbstverständlich im familiären Umfeld begleitet wurden, sind längst vorbei. Wer heute von einem Todesfall betroffen ist, bleibt häufig allein zurück. Dabei gehe es um Menschen, die ein berechtigtes Verlangen verspürten, ihrer Trauer und ihrem Schmerz Ausdruck zu verleihen, aber in vielen Fällen nicht das Verständnis oder die Wertschätzung fänden, die sie als Trauernde benötigten, erklärt Barbara Weißbrich, ebenfalls ausgebildete Trauerbegleiterin und Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes Sonnenhof Obernkirchen, Auetal und Umgebung. „Das Bedürfnis, immer wieder eines Verstorbenen zu gedenken, sich an ihn zu erinnern und davon zu erzählen, findet oft keine oder nur eine begrenzte Beachtung.“ Daher bietet der Ambulante Hospizdienst am zweiten Mittwoch im Monat einen offenen Trauerkreis an: von 18.30 bis 20.30 Uhr in der Tagespflege Sonnenhof, Bergamtstraße 8, in Obernkirchen. Das nächste Treffen ist am 14. Juni.

Frei entscheiden wie lange man bleibt

„Der offene Trauerkreis ist ein Ort, wo Trauernde einen Rahmen für ihre Trauer finden“, erklärt Weißbrich. „Ein Ort, an dem sie trauern dürfen und wo sie Mitmenschen treffen, die ihnen auf ihrem Weg durch die Trauer begleitend zur Seite stehen.“

Offener Trauerkreis, das bedeute auch, dass man selbst entscheiden könne, wie oft und wie lange man daran teilnehme: Man könne einmal kommen, aber auch viele Monate oder Jahre den Kontakt halten, sagt die Koordinatorin. Einprägsam und hilfreich für die Trauerarbeit in einer Gruppe findet sie auch ein Zitat von Astrid Lindgren: „Lange saßen sie dort und hatten es schwer, aber sie hatten es gemeinsam schwer.“

Die Begleitung von Trauernden nach dem Tod eines Angehörigen gehört mit in den Aufgabenbereich der Hospizbewegung. „So braucht es ehrenamtliche Zeitschenker“, sagt Weißbrich, „Menschen, die sich in diesem Bereich engagieren.“ Ebenso seien aber auch Geldspenden nötig, um diese besondere Qualifizierung zum Trauerbegleiter überhaupt finanzieren zu können.

Hospizdienst und Hospizverein ähneln sich

So hat unlängst die Kirchenband Joy4You ein Benefizkonzert für den Hospizdienst veranstaltet, um die Trauerarbeit zu unterstützen. Sängerin Anja Bleidissel übergab einen Spendescheck über 300 Euro.

„Ein ambulanter Hospizdienst ist nahezu das Gleiche wie ein Hospizverein“, erklärt Weißbrich. Alle Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig, außer die Koordinatorin, deren Stelle wird von den Krankenkassen refinanziert – und zwar nur für die erbrachten Sterbebegleitungen durch die Ehrenamtlichen. „Die Koordinatorin ist die ‚Dienerin’ der Ehrenamtlichen, damit diese gut ihrem Ehrenamt nachgehen können“, betont Weißbrich. Gibt es nicht ausreichend Begleitungen, muss es einen Sponsor geben, der das Gehalt der Koordinatorin aus eigener Tasche ausgleicht – oder es muss aus Spenden beglichen werden. Ebenso wird die Trauerarbeit ausschließlich durch Spenden gedeckt werden.

Der Sonnenhof verdiene definitiv kein Geld mit dem ambulanten Hospizdienst, stellt Weißbrich klar. „Im Gegenteil, ohne den Sonnenhof könnten wir als Hospizdienst gar nicht diese kostenfreien Angebote für die Bevölkerung machen und uns auch nicht so rasant entwickeln wie in den letzten anderthalb Jahren.“

Die Nachfrage ist so schnell gewachsen, dass Weißbrich durch Anja Meier Unterstützung in der Organisation und Leitung erhalten hat.

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