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Kampf um jeden Azubi

Edeka Obernkirchen Kampf um jeden Azubi

An Bewerbungen mangelt es im Obernkirchener E-Center generell erst einmal nicht, aber Masse ist nicht zugleich Klasse.

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Ein Beispiel: Wenn in einem Zeugnis eine Fünf in Mathematik steht, dann ist das schlecht, weil rechnerische Fähigkeiten im Einzelhandel unerlässlich sind. Und wenn dann noch 45 Fehltage aufgeführt sind, davon 44 unentschuldigt, kommt der Bewerber für eine Ausbildung eher nicht in Betracht.

Allerdings sind gute Noten allein nicht ausschlaggebend, auch der Charakter spielt eine Rolle. Und der zeigt sich zuweilen spät. Andrè Künneke berichtet von einer Praktikantin, die „einfach super“ gewesen sei. Folgerichtig habe diese auch eine Zusage für eine Ausbildung erhalten – und angenommen. Eine Woche vor Arbeitsbeginn habe sie dann jedoch ausrichten lassen, sie habe sich für eine andere Stelle entschieden. Überbringer der Nachricht sei ihr Freund gewesen. Dass sich jemand auf mehrere Stellen bewirbt, das stört Künneke nicht weiter, aber Absagen über Dritte? „Das zeugt von mangelndem Respekt. Da fehlt ein Stückchen Zuverlässigkeit.“

75 Mitarbeiter gibt es im E-Center, Daniela Künneke ist Inhaberin und Geschäftsführerin, André Künneke ist ihr Stellvertreter. 75 Mitarbeiter, das ist guter deutscher Mittelstand, und dieser Mittelstand hat seit Jahr und Tag ein großes Problem: Es gibt mehr Jobs, aber weniger Lehrlinge.

Die Zahl der Ausbildungsplätze schwindet, Ausbildung und Beschäftigung driften auseinander, und zwar über alle Betriebsgrößen hinweg, haben jüngst das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen und die Universität Göttingen berichtet. Untersucht wurde der Zeitraum von 1999 bis 2015. Während die Zahl der Beschäftigten in dieser Zeit um 12,1 Prozent stieg, sank die der Auszubildenden um 6,7 Prozent. Zwei Ursachen wurden benannt: Die Zahl der Schulabgänger geht drastisch zurück. Zugleich wollen immer mehr jungen Menschen studieren.

„Noch findet man in Obernkirchen für die Ausbildung geeignete Bewerber“, sagt Daniela Künneke. Einige Kollegen, gerade in den städtischen Bereichen, hätten trotz intensiver Suche keinen Azubi gefunden.

Aber ganz von allein finden die Auszubildenden von morgen nicht den Weg ins E-Center. „Wir tun eine ganze Menge“, sagt Daniela Künneke, auch wenn die ländliche Region ihnen in die Hände spielt, ganz so viel Auswahl gibt es ja nicht. Der Betrieb arbeitet mit Schulen in Bückeburg, Rinteln und Stadthagen zusammen. Es gibt Projekte mit Abschlussklassen, Künneke selbst ist Mitglied im Prüfungsausschuss der IHK für Verkauf und Einzelhandel, und ihre Filiale ein zertifizierter Ausbildungsbetrieb. „Wenn so ein Siegel an der Eingangstür prangt, muss es innen auch mit Leben gefüllt werden“, sagt sie. Tarifgehälter seien da eine reine Selbstverständlichkeit. „Eine gute Ausbildung kann ein Azubi auch erwarten. Bei uns sitzt keiner drei Jahre nur an der Kasse oder ist Dosendreher.“

Zuweilen helfe auch das Azubi-Projekt bei der Suche nach Nachwuchs, erklärt André Künneke: Eine Woche dürfen die Azubis den Markt übernehmen und Aktionen planen und durchführen. Dabei kämen sie durchaus mit anderen Jugendlichen ins Gespräch – und erzählen dabei auch von ihrer Ausbildung. Zudem gibt es duale Studiengänge, so Daniela Künneke.

Im Grunde seien drei Aspekte wichtig: „Man muss selbst als Arbeitgeber einen guten Ruf haben, man muss einen attraktiven Beruf anbieten – und Aufstiegsmöglichkeiten sollte es natürlich geben.“ Und das sind nicht nur nette Worte: Seit Oktober 2013 wurde jeder Azubi übernommen oder hat auf der Kariereleiter einen Schritt nach oben gemacht. Einer ist jüngst in einem Markt stellvertretender Leiter geworden.

 Dass die Schulnoten allein bei der Vergabe der Ausbildungsplätze nicht ausschlaggebend sind, zeigt ein Blick auf die drei neuen Azubis. Saskia Solbach (Meinefeld) ist Hauptschulabsolventin und wird ihre Ausbildung als Bäckereifachverkäuferin beenden. Dominik Kiesel (Bückeburg) ist Abiturient, Alan Cheikki (Rinteln) hat den Realschulabschluss. Ihre Ausbildung läuft erst einmal über zwei Jahre, danach wird geschaut: Wie sehen die Noten in Mathematik aus? Denn diese entscheiden darüber, ob die Ausbildung weitergehen wird.

 Ein weiteres Problem: Wer eine Ausbildung suche, wolle nicht unbedingt als Dienstleister arbeiten – „und Einzelhandel ist nun mal pure Dienstleistung“, betont Daniela Künneke. In unserer Gesellschaft fehle allerdings vielfach die Wertschätzung für Dienstleister.rnk

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