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Kinder wünschen sich Probleme

Obernkirchen Kinder wünschen sich Probleme

Baumhäuser bauen, im Fluss schwimmen, Staudämme anlegen – es ist noch gar nicht lange her, dass sich Kinder draußen, in der Natur aufhielten. Heute sitzt der Nachwuchs am Computer oder schaut auf sein Handy. Was sich in den vergangenen Jahren verändert hat? „Wir lassen Kindern zu wenig Freiraum“, sagt Thorsten Heuer der im Kindergarten Kleistring auf Einladung des Obernkirchener Bündnisses für Familie einen Vortrag (Titel: „Das freie Spiel unserer Kinder – eine Lernsituation stirbt aus“) gehalten hat.

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Will Kinder stark machen: Thorsten Heuer.

Quelle: mig

Obernkirchen. Es gibt Sätze, die hört Heuer gar nicht gern. „Ist das nicht gefährlich?“ gehört zweifellos dazu. Spiel sei heutzutage nur noch in Ordnung, wenn es drinnen und am Tisch stattfinde, sagt Heuer kopfschüttelnd. „Aber sobald es nach draußen geht, ist es Wildwuchs.“ Kinder, die Baumhäuser bauen, Bäche stauen oder einfach nur „Blödsinn“ machen, werden seltener, lautet die These des Diplom-Sportlehrers. Sein Eindruck sei, dass Eltern sämtliche „Probleme“ wegputzten, „wie beim Curling laufen sie vorneweg und putzen und putzen“. Komme dann mal ein wirkliches Problem, wüssten die Kinder nicht, was sie tun sollen. Sie würden behandelt und nicht zu Handelnden erzogen. Für Heuer steht deshalb fest: „Die Kinder werden von Erfahrung ferngehalten, das ist nicht gut. Machen sie’s ihren Kinder nicht so bequem. Nur über Erfahrungen kann man lernen.“

 Kritisch sieht Heuer die sogenannten „Helikopter-Eltern“, die immer über ihren Kindern herumschwirren würden. Kinder müssten ihren eigenen Weg finden, sagt Heuer. Es gebe Eltern, die Kindern alles aus dem Weg räumen wollten, und im ungeordneten Spiel nur das Negative sähen. Er erzählt beispielhaft die Geschichte von der Mutter, die die nassen Klamotten ihres Sohnes kritisiert. „Die fragt nicht, ob wir am Bach Spaß hatten, sondern, ob er in Schweden krank werden will.“ Alles werde auf die Goldwaage gelegt und bierernst genommen. Oder anders gesagt: „Wir nehmen den Kindern den Freiraum, statt ihnen den Raum für eigene Erfahrungen zu geben“. Bildung, weiß Heuer, habe auch etwas damit zu tun, sich ein Bild zu machen. „Und je länger wir etwas machen, je mehr Erfahrungen wir sammeln, desto sicherer werden wir darin.“

 Laut Heuer ist es vor allem das freie Spiel, das Kindern die Möglichkeit bietet, sich die Welt anzueignen. „Gib einem Kind einen Karton und es kann sich stundenlang damit beschäftigen“, so Heuer. Dabei sei es wichtig, nicht alles vorzugeben, sondern der Fantasie des Kindes Raum zu geben. „Kinder müssen ihre eigenen Wege finden“, so das Credo des Referenten. Und: „Statt einfach mal zurückzutreten, wenn ein Kind etwas nicht weiß, müssen wir Erwachsenen klugschnacken.“

 Kinder wünschten sich überschaubare Probleme, die sie lösen könnten. Das freie Spielen sei gleich in mehrfacher Hinsicht wertvoll: „Es fördert die Kreativität, soziale Kompetenzen, das Wissen und eigene Fertigkeiten.“ Heuers Rat an die Eltern: „Trauen sie ihren Kindern wieder etwas zu. Wir haben heute so eine Angst, dass wir unseren Kindern gar nichts mehr zu trauen.“ mig

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