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Klänge wie gut gewürzter Glühwein

Broom Bezzums Klänge wie gut gewürzter Glühwein

 Einfache, handgemachte Musik, ein schwarzer, englischer Humor und wilde, eingängige Weihnachtslieder: Diese einzigartige Mischung macht die Broom Bezzums und Sängerin Keike Faltings zu den Hoffnungsträgern der deutschen Folk-Szene.

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Tief verwurzelt in der Musik der Britischen Inseln: Broom Bezzums und Keike Faltings.

Quelle: mig

Obernkirchen (mig). Jetzt waren die „Ginsterbesen“ im Rahmen ihrer „Winter Carol“-Tour im Stift. Veranstaltet hat das Konzert das Kulturfenster in Kooperation mit der Alten Polizei in der Reihe der Paroli Kleinkunsttage.

 Das Konzert ähnelt eher einem gemütlichen Zusammensein: Mark Bloomer und Andrew Cadie erzählen von ihrer englischen Heimat, von alten Traditionen und vom Sohn. Apropos: „Bei uns gab es neulich eine Demonstration gegen Nazis. Am lautesten hat dabei ein kleiner Punk geschrien und erst später habe ich bemerkt: das ist ja mein Sohn. Da war ich richtig stolz.“ Wie der Sohn, so Vater Bloomer, der übrigens selbst lange Punk-Rock gespielt hat. Diese Wildheit ist den teilweise durchaus politischen Stücken immer noch anzumerken. Bloomers rauchige, fast Cockerhafte Stimme vermischt sich perfekt mit dem reinen, treibenden Gesang von Cadie. Der Zuhörer hat kaum Zeit, wieder Atem zu holen, bevor die Bezzums einen Potpourri von Reels, also keltischen Tanzstücken, anstimmen: Cadie und sein beeindruckend schnelles Geigenspiel wird dabei untermalt von Bloomers Gitarre und einer kleinen Bass-Drum, deren Rhythmus dem ganzen noch mehr Feuer gibt.

 „Winter Carol“ ist eine Mischung aus selbst geschriebenen und alten, traditionellen Winter- und Weihnachtsliedern. Wilde „Wassailing Songs“ (Weihnachts- und Neujahrslieder), die früher von den Armen gesungen wurden, als sie Geld und Alkohol von den Wohlhabenden gesammelt haben, mischen sich mit wunderschönen Geigenmelodien, die zum Verweilen am dem Kamin einluden. Man kann sich vorstellen, wie die „Carol-Singers“ um die Häuser gezogen sind, um „Mince Pies“ und Mulled Wine“ zu bekommen. Das ist der Sound, der die Bezzums unverwechselbar macht und eine ganz eigene Stimmung entfacht. Es ist der Geist der vergangenen Weihnacht – manchmal leise und melancholisch, dann wieder wild und rebellisch.

 Mit uralten Klängen und Tänzen, die beim keltischen Fest des Feuers aufgeführt wurden. Irgendwo zwischen Amtskirche und dem alten Glauben.

 Man merkt sofort, dass die „Ginsterbesen“ tief verwurzelt sind in der Musik der Britischen Inseln und dort im Besonderen in Cadies Heimat Northumberland. Broom Bezzums gelingt der Balanceakt zwischen authentischer, traditioneller Folk-Musik und der kreativen Freiheit der heutigen Songwriter/Nu-Folk-Szene, aus der auch Bands wie Mumford and Sons kommen.

 Bloomer, Cadie und Faltings spielen Folk-Musik, die Altes in einem neuen (aber nicht zu neuem) Gewand wiederauferstehen lässt. Faltings glockenheller Sopran und die Musik aus ihrer Heimat Friesland bildet an diesem Abend einen interessanten Kontrapunkt zu den Männerstimmen. Sie singt Lieder, die vom fröhlichen Treiben unterm Reetdach erzählen, vom Weihnachten auf Föhr oder von geselligem Trinken und Genießen: „Daaling, Maat, do drank ik een.“ Die Drei sind wie ein gut gewürzter Glühwein – er wärmt die Glieder und macht den Kopf frei.

 Aktuell befinden sich Bloomer, Cadie und Faltings übrigens auf einer Tournee vom Norden in den Süden – eine Reise in 12 Konzerten sozusagen. Das eines dieser Konzerte in Obernkirchen stattfindet, liegt wohl auch daran, dass die Musiker schon einmal hier waren und sich gerne daran erinnern. „Wir hatten damals einen sehr schönen Abend“, sagen Bloomer und Cadie. Und loben Dörte Worm-Kressin und Maren Witte vom „Kulturfenster“ mit den Worten: „Menschen wie Sie machen solche Konzerte erst möglich.“

 Einziger Wermutstropen war – so paradox das klingt – die große Zahl der Zuhörer. Stapelweise wurden Stühle in den Saal getragen, schlussendlich reichte es trotzdem nicht für alle. „Das hat uns sehr leid getan“, so Cadie.

 Cadie und Bloomer haben sich bei einer Session in Deutschland eher zufällig kennengelernt. Denn der eine lebt in der Pfalz, der andere im Hunsrück. In den Jahren ihrer gemeinsamen Arbeit hat sich die Art ihres Repertoires ziemlich gewandelt. Viele traditionelle wie die eigenen Songs von Broom Bezzums haben einen politischen Bezug, etwa das Lied „The Drawbridge“, das sich mit der Flüchtlingsproblematik in Europa beschäftigt. „Wir sind europäische Ausländer und das ist fast, wie kein Ausländer zu sein. Wir werden nicht anders behandelt“, sagen die beiden Musiker im Gespräch. „Ich glaube, richtige Flüchtlinge, oder Leute, die von ganz woanders kommen, haben es viel schwerer, Fuß zu fassen in diesem Land. Und genauso in England. Aber vielleicht denken wir viel mehr darüber nach, weil wir wissen, wie es ist, die Familie ganz weit weg zu haben.“

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