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Konzept ist klasse, Geld reicht nicht

Vehlen/Obernkirchen / Kindergarten Konzept ist klasse, Geld reicht nicht

Die gute Nachricht zuerst: Der neue Kindergarten der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Vehlen in der Dorfgemeinschaftsanlage ist mit seinen bislang 15 Knirpsen am 1. August gut gestartet.

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Das Konzept des Kindergartens Vehlen (Foto) nötigt den Politikern Anerkennung ab – aber an der Nachforderung haben sie zu drucksen

Quelle: icasa.tw

Vehlen/Obernkirchen. Dafür hat es jetzt vor Ort viel Lob von den Bildungs- und Kulturpolitikern der Bergstadt gegeben, die unter Regie von Beate Krantz (CDU) den Gruppen- und Bewegungsraum im Obergeschoss in Augenschein genommen haben.

 Stellvertretend für die Ratskollegen lobt Christina Louise Steinmann, Fraktionschefin der Grünen, das pädagogische Konzept über den besagten Klee. Die schlechte Nachricht: Der Kindergarten kommt mit dem Geld nicht hin, möchte aus dem Rathaus für die (davon-)laufenden Kosten einen Nachschlag von 16.000 Euro haben – und das dämpft die Freude der überraschten Bürgervertreter spürbar.

 Doch der Reihe nach: „Der Kindergarten ist gut angelaufen, die Zusammenarbeit mit der Stadt Obernkirchen klappt“, kommentiert Pastor Günter Fischer – nicht ohne schon bei den Begrüßungssätzen auf die „akute Geldnot“ hinzuweisen. Auch die von der Stadt bewilligten 20.000 Euro für die Grundausstattung hätten nicht gereicht, die Kirchengemeinde habe selbst noch Spenden einwerben müssen.

 Während der nächsten Minuten indes schafft es Sandra Zapke, die sich verdüsternden Mienen der Abgeordneten aufzuhellen: „Ein wichtiger Baustein bei uns ist es, dass die Kinder von den Älteren generationsübergreifend lernen“, so die engagierte Einrichtungsleiterin. Die Nähe zu „Elim“ sei da ein Segen, schaffe sie doch in diesem Sinne Synergieeffekte. Ein weiterer Baustein und nicht weniger wichtig: der Umgang der Knirpse mit der Natur in der direkten Nachbarschaft. „Ein Besuch bei den Exoten im Zoo Hannover ist zwar schön“, so Zapke, „aber die Regenwürmer gleich um die Ecke sind für die Kinder wichtiger.“

 Konkret hätten die Knirpse jüngst der Kartoffelernte in einem Privatgarten beigewohnt – und so erlebt, dass der Naturzustand der Erdäpfel die Knollen- und nicht die (Kartoffel-)Chipsform ist. Außerdem wissen sie nun, „dass Äpfel und Birnen nicht unter der Erde wachsen“, berichtet Zapke schmunzelnd. Denn bei diesen Dingen hätten die mit Masse dreijährigen Knirpse großen Lern- und Nachholbedarf. In den Herbstferien wird darüber hinaus eine Chemielehrerin aus der Gemeinde (Sabine Fischer) mit den Kindern Experimente machen, die allesamt einen Bezug zum Alltag haben. Ebenso ist ein Besuch bei der Feuerwehr geplant. Last, but not least vervollständigen Vorlese-Omas das ganzheitliche Angebot der Kirchengemeinde.

 Was das üppige Außengelände der Einrichtung angeht, „so ist es schon fast zu groß – zumal die Zäune, die die Stadt bereitgestellt hat, leider nicht die stabilsten gewesen sind“, wie Fischer sagt. Mittlerweile ist der Missstand behoben, ist die Einrichtung kindersicher.

 Als der Pastor wieder die Regie übernimmt, ist es mit dem Sonnenschein auf den Mienen der Politiker vorbei, denn: „Wir werden vom Land respektive von der Landesschulbehörde gezwungen, zwei ,volle‘ Erzieherinnen zu beschäftigen“, so der Geistliche. Die Gemeinde, die über einen Jahresetat von nur etwa 65.000 Euro verfüge, werde allein im kommenden Jahr beim Kindergarten ein Defizit von 16.000 Euro machen, gerechnet habe sie mit 3000 bis 4000 Euro. „Jetzt hoffen wir darauf, dass Sie uns unterstützen“, so Fischer an die Bürgervertreter gewandt. Zumal Obernkirchen die einzige Kommune im Landkreis sei, die für einen kirchlichen Kindergarten keinen Defizitausgleich übernehme. Landkreisweit gebe es 18 Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft. Fischer: „Wir sind gezwungen, die Öffnungszeiten zu erweitern, wenn wir konkurrenzfähig sein wollen.“ Zeiten von 7.30 bis 13.30 Uhr seien das absolute Minimum.

 Die Erwähnung von Geld lässt die Politiker hellhörig werden – zumal als sie erfahren, dass auch noch eine Heilpädagogin für die Dauer eines halben Jahres beschäftigt werden soll. „Also sprechen wir von dem jährlichen Betriebskostenzuschuss von 35.000 Euro plus 16.000 Euro, die sie fortan benötigen“, fragt Steinmann. Danach sieht’s aus. Zwar zahle die Kirchengemeinde 4000 Euro Betriebskosten selbst, aber ein Defizit von 16000 Euro drohe auch bei einer Vollbelegung der Gruppe, die für das nächste Kindergartenjahr geplant ist.

 Dass Kirche und Stadt nicht die gleiche Sprache sprechen, zeigt sich bei der Frage, die Horst Sassenberg (CDU) beantwortet haben möchte – nämlich, wie lange der Kindergarten Vehlen laut Vertrag Bestand haben soll. „Unbegrenzt“, sagt der Pastor. „Jein“ Bernhard Watermann. Der Fachbereichsleiter: „Der Vertrag läuft über zwei Jahre – mit der Option auf eine automatische Verlängerung.“ Als Regulativ biete sich an, Gruppen in städtischen Kindergärten zu verkleinern, was aber nur vor Beginn eines Kindergartenjahres möglich sei.

 So weit der Ortstermin.

 Im Rathaus versuchen die Abgeordneten im Nachgang, das in Vehlen Gehörte zu verdauen. „Ich bin über diese Finanznot sehr überrascht – zumal wir als Stadt ja schon mal nachgebessert haben“, erklärt Sassenberg. Ähnlich äußern sich Kirsten Battaglia und Oliver Keller für die SPD. Bevor die Politiker über ein Aufstocken der Zahlung an den Kindergarten entscheiden, wollen sie konkrete Zahlen sehen. tw

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