Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Kultusministerin Frauke Heiligenstadt zu Gast

Deutliche Worte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt zu Gast

 45 Minuten gibt es Frontalunterricht. Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt will sich vor allem mit Erzieherinnen über Themen der frühkindlichen Erziehung austauschen.

Voriger Artikel
Elternrat: Drei Lehrer fehlen
Nächster Artikel
Zusammenarbeit für neue Erkenntnisse

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt und der Landtagsabgeordnete Karsten Becker müssen sich deutliche Worte anhören.

Quelle: rnk

Obernkirchen. Aber erst einmal gilt es, das Land und die SPD-Mehrheit zu rühmen. Man sei für die frühkindliche Bildung zuständig, was ja nicht in allen Bundesländern der Fall sei. Von den fast sechs Milliarden Euro des Haushaltes entfielen 20 Prozent auf das Kultusministerium. 407 Millionen gebe man für die frühkindliche Bildung aus, im nächsten Haushalt würden es fast 800 Millionen sein, weil man das Krippenplatzangebot verbessert habe – qualitativ und quantitativ.

 Heiligenstadt spricht von einer „unglaublichen Entwicklung, weil die Nachfrage sich so entwickelt hat“. Der Personalschlüssel in der Krippe habe bis 2015 bei zwei Kräften für 15 Kinder gelegen, „sukzessive“ soll er verbessert werden – von drei Kräften für 15 Kindern. Zudem habe man in den Schulen in Niedersachsen durch die Flüchtlingskrise 36000 neue Kinder zusätzlich aufgenommen, zum 1. August habe man 69000 Mädchen und Jungen eingeschult, fast das Doppelte wie in anderen Jahren. „Was kommt noch?“, fragte Heiligenstadt und gab die Antwort selbst: Bundesmittel aus Flüchtlingsgeldern würden in die frühkindliche Bildung fließen, und es werde eine personelle Verstärkung geben, auch wenn die Mittel des Bundes auf zwei Jahre befristet seien.

 „Erzieherinnen sind gefragt“, erklärte die Ministerin. Der Markt sei leer gefegt, zurzeit gebe es in Niedersachsen 13900 Menschen in der Ausbildung zum Erzieher oder zum Sozialassistenten.

 Helma Hartmann-Grolm brach als stellvertretende Landrätin die Zahlen auf den Landkreis herunter: 906 Plätze für alle Kinder von null bis drei Jahre, dazu 415 Plätze in der Kindertagespflege. Der Bedarf habe sich immer mehr erhöht. Dazu kämen 4059 Plätze in den Kindertagesstätten. „Wir sind breit aufgestellt“, so Hartmann-Grolm. Bei der Betreuungsquote liege man im Landesdurchschnitt, und ein Angebot von vier Stunden, „das reicht heute nicht mehr“. Wenn es notwendig sei, müsse man als Kreis auch mal selbst Geld in die Hand nehmen. Später wird die stellvertretende Landrätin von alten Zeiten sprechen, als man einfach mal ein paar Stühle und Tische zusammengestellt und eine Schublade voller Lego-Steine ausgekippt habe – und fertig sei der Kindergartenraum. erklärte, was sie mal wieder möchte: Mit einem Kind reden, mal wieder diese Möglichkeit haben, das wär schon was. Seit mehr als 40 Jahren liege die Stärke einer Gruppe bei 25 Kindern, da sei es nicht möglich, die Bedürfnisse eines Kindes über zehn Stunden zu befriedigen. Würden die äußeren Bedingungen, die jahrzehntelang nicht geändert wurden, endlich mal geändert, „dann hätten wir ganz andere Möglichkeiten“. Leiterin Denocke sprach erst von einen „Riesenspektrum“ und sich dann dafür aus, nicht wieder „oben anzufangen, sondern dort, wo die tägliche Arbeit beginnt“.

 Die Leiterinnen, Mitarbeiterinnen und die Elternvertreter des Familienzentrums Rolfshagen, der integrativen Kindertagesstätte Bergkrug, des Hortes Seggebruch und der städtischen Kindertagesstätten Kleistring und Kammweg sind an gut abgehangenen Anekdoten aber nicht wirklich interessiert, wie gleich der erste Beitrag zeigte: Waltraud Denocke, Leiterin der Kammweg-Kita in Obernkirchen, Und Maren Witte, Leiterin der Kleistring-Kita, erklärte, dass es ein großes Problem sei, wenn gut ausgebildete Leute einfach wieder abgezogen werden, weil plötzlich das Geld fehle: „Die schulische Sprachförderung liegt auf Eis. Und auch die Schule hat Probleme, Personal zu finden.“

 

 Das sah Beate Schürmann ähnlich: In Rolfshagen, wo sie das Familienzentrum leite, habe man nicht sehr viele Kinder mit Migrationshintergrund, aber es gebe natürlich einen Bedarf an Sprachförderung. Schließlich seien es nicht nur Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund, die diese Förderung in Anspruch nehmen müssten. Und natürlich wären weniger Kinder in einer Gruppe besser: „Zwei Kolleginnen für 25 Kinder, das ist einfach keine zufriedenstellende Geschichte.“

 Denocke legte nach: 1999 habe man einen integrativen Kindergarten eingerichtet. „Da sehe ich, was möglich ist, wenn einfach das Umfeld stimmt.“ Warum habe man das nicht auf die Schule übertragen? Denn: „Die Kinder werden schulfähig eingeschult, und Weihnachten ist alles vorbei.“ Sie kenne eine Reihe von Eltern, die „kreuzunglücklich“ seien, weil alles, was an ihren Kindern entwickelt worden sei, an der Schule schnell wieder in sich zusammenbreche.

 Das sei alles nicht so einfach, antwortete die Ministerin, aber man habe vier Modellprojekte auf den Weg gebracht, um eine bessere Verknüpfung von Hort und Ganztagsschule zu erreichen. Denocke warf ein, dass es „viele Erzieherinnen mit unglaublich viel Potenzial gibt, die es aber nicht einsetzen können, weil die Gruppen zu groß sind“.

  „Kleinere Gruppen“, so Heiligenstadt, „sind rein raumtechnisch nicht abdeckbar.“ Das sei vielleicht im ländlichen Raum noch möglich, aber nicht in Großstädten wie Braunschweig, Hannover oder Oldenburg. Man stünde vor einem „explodierenden Raumbedarf“. Würde man die Gruppen von 25 auf 20 Kinder verkleinern, und müsste man für die neuen Gruppen mindestens zwei neue Kräfte einstellen, dann sei dies „finanziell nicht darstellbar“. Aber sie lasse nicht locker und werde den einen oder anderen Weg aufzeigen, „wo wir verbessern können“. Der Personalschlüssel bei den Kindern von drei bis sechs Jahren müsse verbessert werden. „Aber die dritte Kraft in den Krippen, 2300 in anderthalb Jahren, das ist schon eine große Leistung“, meinte die Ministerin.

 Bürgermeister Oliver Schäfer sprach sich für eine größere „Spielraumgestaltung“ aus: Wenn es in einer Kommune leere Gebäude gebe, müsse man sie auch für einen anderen Zweck nutzen können. Aber die Vorgaben würden dann sehr konsequent ausgelegt: Wie breit ist ein Fenster? Wie groß ist der Raum? Reicht die Fläche? Schäfer wünschte sich mehr Flexibilität: Warum nicht einen Hort in unmittelbarer Nähe der Schule einrichten? Er sei sehr froh, dass man in der Bergstadt einen Hort habe, aber die Kinder müssten auch 600 Meter entlang einer Kreisstraße laufen.

 Das letzte Wort hatte an diesem Nachmittag Beate Schürmann aus Rolfshagen: „Man ist schnell ausgebrannt bei den Leistungen, die die Kolleginnen bringen müssen“, sagt die Chefin des Familienzentrums.

Von Frank Westermann

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg