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Kurierfahrer fast totgeschlagen

Obernkirchen Kurierfahrer fast totgeschlagen

Gewalt ist sein Begleiter: Im April 2009 schlug ein damals 17-Jähriger einen jungen Mann (19) mit einem Beil nieder, nachdem er in die Wohnung von dessen Familie im Poggenort eingebrochen war. Das Opfer überlebte, die Polizei ermittelte wegen versuchten Mordes. Jetzt wäre der Obernkirchener erneut fast zum Mörder geworden.

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Obernkirchen/Osnabrück. Auf der Flucht vor dem Haftrichter in Nordhorn (Landkreis Grafschaft Bentheim) verletzte er einen Kurierfahrer so schwer, dass der 61-Jährige ein Pflegefall bleiben könnte. „Das Opfer kämpft sich ins Leben zurück“, erklärt Ralf Jordan, der Verteidiger des Täters.

Für seine Flucht wollte Jordans Mandant damals das Auto des früheren Polizisten haben, der im Ruhestand für eine Apotheke unterwegs war. Zunächst konnte der Gewalttäter an jenem 4. Dezember 2014 entkommen.

Nach Hinweisen aus der Bevölkerung nahmen Polizisten den heute 23-Jährigen dann zwei Wochen später in einer Obernkirchener Wohnung fest, wo er sich versteckt hatte.

Acht Monate nach der Tat hat das Landgericht in Osnabrück den Obernkirchener jetzt wegen besonders schweren Raubes und Drogenhandels zu zehn Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Die Anordnung von Sicherungsverwahrung wird vorbehalten. Eine Entscheidung darüber fällt später.

Ohne Therapie, so Verteidiger Jordan unter Berufung auf ein entsprechendes Gutachten, sei der Obernkirchener zurzeit eine Gefahr für die Allgemeinheit. Er neige zu „spontanen Gewaltausbrüchen, die unkontrolliert auftreten“. Zunächst muss der Angeklagte, ein Mann mit vielen Vorstrafen, drei Jahre und drei Monate Jahre Haft verbüßen. Danach kommt der Drogensüchtige in eine Entziehungsanstalt.

Vor dem Haftrichter am Amtsgericht Nordhorn, wo es um Drogenschmuggel von 235 Gramm Cannabis ging, war der Verdächtige in Handschellen geflüchtet, die er später in der Werkstatt einer Tankstelle durchtrennte. Als der 23-Jährige den Kurierfahrer sah, der gerade aus einem Altenheim kam, verlangte er die Autoschlüssel für den Firmenwagen der Apotheke. „Du spinnst wohl“, soll der frühere Polizist erwidert haben.

Mit dem Teil der Handschelle, die noch am Knöchel war, schlug der Täter daraufhin dem Opfer die Schädeldecke ein. Der 61-Jährige erlitt ein offenes Schädel-Hirn-Trauma. Beim Sturz zu Boden drangen außerdem Rippen in den Lungenflügel des Kurierfahrers ein, der wochenlang in akuter Lebensgefahr schwebte und zunächst im Koma lag.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen versuchten Mordes aus Habgier, wovon die Behörde dann während der Hauptverhandlung abrückte. Laut Gutachten, so Jordan, sei nur ein Schlag nachzuweisen. Daraus ließ sich offenbar kein Tötungsvorsatz ableiten.

Mit seiner Entscheidung folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte acht Jahre Haft beantragt.

Vorbehaltlicher Sicherungsverwahrung stimmt indes auch Rechtsanwalt Jordan zu. Dies sei hier „aus dem Gesetz ganz klar erkennbar“. Weil der Angeklagte auf Revision verzichtet hat, ist das Urteil bereits rechtskräftig. Die drei Ziele der Verteidigung, so Jordan, seien erreicht: Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, kein „Lebenslänglich“, keine sofortige Anordnung von Sicherungsverwahrung.

Für Entsetzen hat auch eine Tat gesorgt, die der Obernkirchener im April 2009 begangen hatte. Vormittags war er damals in eine Wohnung im Poggenort eingebrochen. Dass dort ein junger Mann schlief, der Sohn der Familie, konnte der Einbrecher vermutlich nicht wissen.

Das spätere Opfer war jedenfalls aufgewacht und hatte einen jungen Mann gesehen, der sich am Schreibtisch zu schaffen machte. Auf frischer Tat ertappt, zog der Eindringling eine Axt aus seinem Gürtel und schlug mehrfach auf den 19-Jährigen ein, der Platz- und Schnittwunden im Gesicht, einen offenen Jochbeinbruch sowie Abwehrverletzungen an den Armen erlitt.

Nach einiger Zeit kauerte sich der Verletzte auf dem Boden zusammen. Möglicherweise hielt der Einbrecher sein Opfer für bewusstlos. Er ergriff die Flucht und stellte sich später freiwillig, nachdem der Fahndungsdruck zu groß geworden war. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten unter anderem ein Phantombild vom Täter veröffentlicht.

Das Bückeburger Jugendschöffengericht verurteilte den Obernkirchener daraufhin zu drei Jahren und neun Monaten Jugendhaft. Weil der Täter damals noch Jugendlicher war, verhandelte das Gericht damals unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Details wurden nicht bekannt. ly

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