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Lachen lässt sich nicht verbieten

Kalte Krieger und Wendehälse Lachen lässt sich nicht verbieten

41 Jahre lang ist Deutschland ein geteiltes Land gewesen – auch was den Scherz oder die Satire angeht. „Man hat im Osten über andere Dinge gelacht, als im Westen“, bringt es Antje Neuner-Warthorst, Kuratorin und freie Autorin, auf den Punkt.

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Antje Neuner-Warthorst.

Quelle: mig

Obernkirchen. Ihr Vortrag zum Thema „Kalte Krieger und Wendehälse – Humor im Angesicht der deutschen Teilung“ ist eingebettet in die Fachtagung „Visuelle Satire – Deutschland im Spiegel politisch-satirischer Karikaturen und Bildergeschichten“ im Festsaal des Stiftes Obernkirchen.

Das Lachen lässt sich nicht verbieten – das mussten bisher alle Regime und Diktatoren einsehen. Immerhin lässt sich lenken, worüber gelacht wird, und so gab es in der DDR eine Richtschnur für gute und richtige Satire. Objekt des Witzes waren beispielsweise „die Faschisten im Westen“ und der alte Untertanengeist. Andere Themen waren tabu, weshalb eine Karikatur über die Mauer (Wachsoldat zu einem Vogel, der auf der Mauer sitzt: „Wenn du ein Mensch wärst, dürfte ich dich erschießen“) der Zensur zum Opfer fiel. „Es sind die unterschiedlichen Rahmenbedingungen gewesen, die zu enormen Unterschieden in der Lachkultur geführt haben.“

Ihren Anfang nimmt die DDR-Satire schon früh mit einer Anknüpfung an den Antifaschismus der Weimarer Republik. „Die Fürsten und die Pfaffen, die bringen uns kein Heil, die Fürsten und die Pfaffen, die erschlag’n wa mit ’nem Beil“, heißt es in der ersten Ausgabe der Zeitschrift „Frischer Wind“. Die Satiriker hätten an der Schaffung des „neuen Menschen“ mitwirken sollen, so Neuner-Warthorst. Diesen „erzieherischen Impetus“ könne man in vielen Karikaturen dieser Zeit finden. Ein Beispiel bietet eine Zeitungs-Satire, die den deutschen Michel schlafend auf Trümmerhäusern zeigt, die Unterschrift: „Wie du wähltest, so bist du gebettet.“

Der Zeichner spielt hier auf das Wahlverhalten der Menschen in der Weimarer Republik an. „Der Witz bleibt da schnell auf der Strecke.“ Aber es gab auch anderes, allerdings Jahrzehnte später: Ein Teufel steht vor dem Eingang zur Höhle mit einem Schild, auf dem steht: „Sie werden plaziert“. Die Hölle hat offenbar das Warteschlangen-Prinzip der DDR übernommen. Da es in der DDR offiziell keine Zensur gab, begann ein Versteckspiel. Das Publikum lernte, auf „Doppelbödigkeiten und Zwischentöne“ zu hören. „Je größer in einer Gesellschaft der Überwachungsdruck ist, desto wichtiger wird die Karikatur als entlastendes Moment.“

Und der Westen? Da wird viel gegen Ost polemisiert. „Alles, was nicht gegen den Osten, sondern auf die Unzulänglichkeiten des Westens gerichtet ist, wird schnell mit dem Etikett des Nestbeschmutzers versehen.“ Berlin wird als „Punchingball“ dargestellt, die Post aus dem Westen als regelrechte Invasion. Die Wiedervereinigung brachte eine Annäherung der Lach-Kultur mit sich. Zwar gab es zunächst jede Menge Ossi und Wessi-Witze, nach und nach wurden aber die soziale Kälte und der Turbokapitalismus zu Themen. Als hellsichtig erweisen sich Karikaturen aus den frühen Neunzigern, die von Flüchtlingen und Fundamentalismus handeln.

Die Karikaturisten stünden dabei vor einer Herausforderung: „Geben sie den Fundamentalisten nach, oder verteidigen sie mit dem Zeichenstift und möglicherweise dem eigenen Leben unsere Meinungsfreiheit.“ mig

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