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„Lebenslänglich“ für geschundene Kinderseelen

Bückeburg/Obernkirchen / Prozess „Lebenslänglich“ für geschundene Kinderseelen

Kinder wird er lange nicht mehr zu Gesicht bekommen, erwachsene Männer umso häufiger: Zu sechs Jahren und drei Monaten Haft hat das Bückeburger Landgericht gestern Nachmittag einen Obernkirchener (62) verurteilt.

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Quelle: dpa

Bückeburg/Obernkirchen (ly). Drei Mädchen, acht und neun Jahre alt, hatte der Pädophile in insgesamt acht Fällen sexuell missbraucht, zum Teil schwer.

 „Die Kinder werden vermutlich lebenslänglich von ihren Erlebnissen mit dem Angeklagten geprägt sein“, befürchtet Richterin Birgit Brüninghaus. „Nach und nach versteht er, welches Leid er ihnen angetan hat“, glaubt die Vorsitzende der 1. Großen Jugendkammer. Eine Schülerin hatte kürzlich einen Suizidversuch unternommen, eine zweite ist in Therapie. Brüninghaus sprach von „geschundenen Seelen“.

 Beide Anwälte der Nebenklage hatten auf Sicherungsverwahrung gedrängt, von deren Verhängung das Gericht jedoch absah. Volkmar Mirsch, der eine Familie vertritt, hält den Angeklagten „für eine tickende Zeitbombe“. In dem scheinbar „freundlichen älteren Herrn“ sieht der Rechtsanwalt „einen Mann mit zwei Gesichtern“. Im Prozess war bekannt geworden, dass der Angeklagte auf seinem Computer mehr als 25000 „Kinderpornos der übelsten Art“ (Mirsch) gespeichert hatte. „Aber das reichte ihm nicht.“

 Unrechtseinsicht kann Oliver Keller, der ebenfalls die Nebenklage vertritt, nicht erkennen. „Technisch und mit einer nicht unerheblichen Gefühlskälte“ habe der Angeklagte den Missbrauch geschildert. Gegenüber einem Gutachter habe der Obernkirchener zuerst sogar erklärt, die Initiative sei von den Mädchen ausgegangen. Vor Gericht griff Verteidiger Stephan Schuster ein und korrigierte diese Darstellung. In einigen Fällen hatte Schusters Mandant zwei Mädchen angelockt, die vor dem Haus an der Bahnhofstraße spielen. Fünfmal verging er sich in seiner Wohnung am dritten Opfer, der Tochter eines langjährigen Freundes und Kollegen. Die Schülerinnen mussten sich außerdem Kinderpornos ansehen. Erst am Montag haben sich zwei weitere Frauen bei der Polizei gemeldet, die der Obernkirchener als Mädchen ebenfalls missbraucht haben soll. Beide sollen vor 30 Jahren Schulfreundinnen der Tochter des Angeklagten gewesen sein. Den Angaben zufolge kam es zu den Übergriffen während einer Fahrt mit der Eisenbahn. Der Angeklagte war Lokführer. Er soll die Mädchen „unten herum befummelt“ haben.

 Ebenfalls nach Zeitungsberichten über den Fall hatten sich zuvor Tochter und Ex-Frau des 62-Jährigen an die Polizei gewandt. Den Missbrauch seiner Tochter hat der Angeklagte gestern zugegeben. „Es hatte wahrscheinlich damit zu tun, dass mich meine Frau immer stärker zurückgewiesen hat“, sagte er. Wert legt er auf die Feststellung, in seine Tochter „nie eingedrungen“ zu sein.

 Gegen das Urteil von gestern ist noch Revision möglich. Mit ihrer Entscheidung blieb die Kammer sieben Monate unter dem Antrag von Staatsanwältin Martina Hollah. Zugunsten des nicht vorbestraften Angeklagten hatten die Richter vor allem dessen Geständnis gewertet, das den missbrauchten Mädchen eine Aussage vor Gericht ersparte.

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