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Dachfarbe ist Thema Locker machen

Ein Mitbürger, der außerhalb wohnt, sieht sich Krainhagen an und denkt sich: Hier möchte ich leben. Einen Bauplatz findet er auch, er liegt im Bebauungsplan „Auf der Wohrt“.

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Gut gereimt und politisch korrekt

Über den Dächern der Kernstadt regieren Rot/Rotbraun, in Krainhagen ist dagegen Anthrazit Trumpf.

Quelle: rnk

OBERNKIRCHEN. Dort wird auch festgelegt, welche Höhe ein Haus haben darf oder welche Dachfarbe bei den Ziegeln zu verwenden ist: Rot/Rotbraun, denn das passt zu den historisch geprägten Ortsbildern und dem dorftypischen Charakter.

Aber der Neubürger möchte lieber ein Dach in der Farbe Anthrazit. Daher stellt er einen Antrag bei der Stadt: Die politischen Gremien mögen den Bebauungsplan (B-Plan) „Auf der Wohrt“ bei der Bauvorschrift „Farbtöne (Dächer)“ ändern. Für alle anfallenden Kosten werde er aufkommen.

Im Bebauungsgebiet selbst gibt es bisher nur ein Gebäude: Dessen Bauherren haben sich nach den Vorgaben zur Dachfarbe gerichtet, also Rot/Rotbraun gewählt.

Im Fachausschuss meldet sich Heinz Bruns von der SPD zu Wort: Er habe mit einer Änderung kein Problem – vielleicht müsse man die Vorschriften generell lockern. Thomas Stübke (Grüne) sowie Horst Sassenberg (CDU) sehen das ebenso. „Man muss sich doch über jeden freuen, der nach Obernkirchen ziehen will“, so Sassenberg. Stübke war vor der Sitzung noch in Krainhagen, um sich ein Bild zu machen. Und dort sah er vor allem anthrazitfarbene Dächer. Wenn man die Satzung ändere, könne man auch Gründächer erlauben, regt er noch an.

Auch die Verwaltung hat grundsätzlich keine Einwände. Aus Gleichheitsgrundsätzen wäre auf jeden Fall von einer Befreiung von den Festsetzungen abzusehen, heißt es in der Beschlussvorlage. Niemand wolle, dass dann gelbe, grüne oder blaue Dachziegel verwendet werden. Daher komme nur eine Änderung des B-Plans in Frage, deren Kosten von den Verursachern zu tragen wären.

Das ist der Moment, in dem Wilhelm Mevert das Wort ergreift. Der Fraktionsvorsitzende der SPD hat generelle Bedenken: „Da könnte künftig jeder kommen und Änderungen beantragen.“ Rechtliche Einwände hat Mevert ebenfalls. Und diese werden von der Verwaltung durchaus geteilt: Denn im Bereich des benachbarten Bebauungsplanes K14/R3 sind beim Landkreis Ordnungswidrigkeitsverfahren anhängig, weil dort örtliche Bauvorschriften nicht eingehalten wurden.

Es ist ein Graubereich, in dem sich die Politik dort bewegt. Verwaltungsgerichte gestehen Gemeinden das Recht zu, Baugestaltungsvorschriften zu erlassen – wenn ein gewichtiges öffentliches Interesse für den Erlass gestalterischer Vorschriften besteht.

Ob der für die Gestaltung des Ortsbildes nötige Anlass hier vorliegt, sei fraglich, meint die Verwaltung: Zumindest ist ein alter prägender Ortskern im Übergangsbereich zu Krainhagen nur schwer auszumachen. „Die Bebauung im Umfeld des Plangebietes ist gekennzeichnet durch ein Neben- und Miteinander unterschiedlicher Baustile, Dachformen und Fassadengestaltungen. Gegenüber dem Baugebiet und im direkten Umfeld herrschen eher dunkle Dachfarben vor“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Die Vorgaben der beiden B-Pläne trugen die Absicht, eine historische Dorftypik wieder herzustellen. Fraglich sei, ob dieses durch den bereits vorhandenen prägenden Baubestand zu erreichen war, meint man im Rathaus: „Im Bebauungsplan R4 selbst fehlt es zumindest an einer Begründung für die einheitliche Dachfarbe.“

Nun soll die Verwaltung beim Landkreis vorsprechen und recherchieren, wie der Stand der Dinge bei den anhängigen Verfahren ist. Und sie soll mit dem Anwohner sprechen, der „Auf der Wohrt“ gebaut hat und sich vorschriftsgemäß für das rote Dach entschieden hat. Vielleicht wollte er ja eine andere Farbe haben und hat sich nur für Rot/Rotbraun entschieden, weil er musste. Dann dürfte Ärger ins Haus stehen, wenn die Satzung geändert wird. rnk

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