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Mehr Müll in der Aue als Fische im Meer

Obernkirchen / Landschaftsschützer sammeln Zivilisationsmüll Mehr Müll in der Aue als Fische im Meer

 Der große Fund, der Höhepunkt des Sammelmorgens, liegt ein bisschen versteckt hinter einer mächtigen Baumwurzel in der Aue: Es ist ein Nummernschild, aus Gifhorn, aus dem Jahre 1999.

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Einmal annehmen bitte: Barbara Lohmann reicht große Fundstücke ans Aueufer. An Müll mangelt es an diesem Morgen nicht.

Quelle: rnk

Obernkirchen (rnk). „Es ist unfassbar, was die Menschen alles wegschmeißen“, meint Thomas Knickmeier von der Initiative Landschaftsschutz Schaumburg, die an diesem Sonnabend mit acht Mitgliedern und Freunden entlang der Aue von Ahnsen bis nach Vehlen entlang einsammelt, was nicht in die Natur gehört.

 Nimmt Knickmeier das Nummernschild an diesem Morgen noch mit einem gewissen, wenn auch bitterem Humor, verschlägt es ihm drei Meter weiter schlicht die Sprache. Und den Grund versteht auch der naturferne Laie. Denn plötzlich ist das Ufer auf der einen Seite deutlich steiler, als sich Knickmeier in die Aue stellt, um nach den Ursachen zu forschen, sieht er sie recht schnell: Bauschutt. Dort hat ein Mitbürger Kubikmeter über Kubikmeter einfach am Ufer entsorgt und so das Profil des Gewässers natürlich stark verändert. Was sich davor noch breit mäandernd durch die Landschaft seinen Weg suchte, wird nun auf der einen Seite aufgestaut und sucht sich seinen Weg über die andere Seite: Überschwemmung nennen Laien und Experten die Folgen. Nachdem Knickmeier Stimme und Fassung wiedergefunden hat, berichtet er noch von einem VW Bus, der dort vor einigen Jahren entsorgt wurde. Man glaubt es sofort.

 Was von Ahnsen aus im Uferbereich eingesammelt werden kann, entspricht in einem Punkt dem Erwartbaren: Es ist der Zivilisationsmüll, der überall entsorgt wird. Tüten voller Windeln (benutzt), Starterbatterien (leer) und Säcke mit Hundefutter (halb voll), Plastikabdeckungen und ein Wellblechdach (eingerissen) oder Reifen (abgefahren), ein Bettgestell und eine wahrhaft furchtbar scheußliche Metallkatze mit Glasaugen, dazu kommen noch Unmengen von Flaschen und Plastik. Vor allem Kunststoffe gefährden Fische und Vögel: Scharfkantige Teile werden verschluckt, viele verenden an den Giftstoffen, die im Plastik enthalten sind. Plastiktüten, Joghurtbecher, Badelatschen – in der Aue scheint mehr Müll illegal entsorgt zu sein als Fische im Meer schwimmen.

 Was überrascht, ist die schiere Anzahl des Zivilisationsabfalls: Georg Kütemeyer kommt mit dem Einsammeln und Abfahren der vollen blauen Müllbeutel kaum nach. Die Botschaft, die die Helfer von diesem Sammelmorgen mitnehmen werden, könnte klarer nicht sein: Der Schutz der Umwelt beginnt hier, in der kleinen Aue, und nicht bei den riesigen Ölverschmutzungen nach havarierten Tankern. Dort endet er.

 Eigentlich, so Knickmeier, müsste man in den nächsten Wochen einen weiteren Einsatz ansetzen, dieses mal in der Aue selbst: Gummistiefel an und los. An Sammelmaterial, das ist schon mit bloßem Auge erkennbar, wird es den Helfern nicht fehlen.

 So umfangreich ist die Ausbeute, dass die Sammelhelfer an diesem Tag ihr Ziel, das Wehr in Vehlen, nicht erreichen, nicht einmal annähernd. Und natürlich, das will auch Knickmeier nicht leugnen, soll die Sammelaktion auch auf die Bürgerinitiative gegen den Bau eines Klinikums in der Vehlener Feldmark und ihre Ziele hinweisen, aber: „Davon unabhängig musste hier mal der Müll gesammelt werden.“ Gestern wurde der gesamte Müll beim Entsorgungszentrum Sachsenhagen abgeliefert, es waren 240 Kilogramm. Die rund 50 eingesammelten Flaschen sind darin nicht enthalten, sie wurden im örtlichen Container entsorgt.

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