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Verlegung von 15 weiteren Stolpersteinen Menschen gedenken

Der Künstler Gunter Demnig wird am morgigen Sonnabend 15 weitere Stolpersteine zur Erinnerung an deportierte und ermordete jüdische Mitbewohner der Stadt verlegen.

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Gedenken an Holocaust: 16 Stolpersteine verlegt

Diese Stolpersteine sind bereits in Obernkirchen verlegt worden. Am Sonnabend sollen 15 weitere Folgen. Die Gedenksteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt, deportiert oder ermordet wurden.

Quelle: PR

Obernkirchen. Alle Obernkirchener sind eingeladen, die gesamte Verlege-Aktion zu begleiten. Auch ist es möglich, an einzelnen Stellen dazuzukommen.

Demnig will mit den Stolpersteinen, mit verlegten Gedenktafeln, an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert, vertrieben, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden.

Die Stolpersteine sind quaderförmige Betonsteine mit einer Kantenlänge von 96 mal 96 Millimeter und einer Höhe von 100 Millimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster oder den Belag des jeweiligen Gehweges eingelassen. Die Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

Kleine Stolpersteine werden genau dort verlegt, wo einst die Menschen wohnten, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden.

Das jeweilige Setzen der Steine wird am Sonnabend mit Wortbeiträgen sowie kurzen, musikalischen Beiträgen begleitet. Beginn ist um 9 Uhr.

Große Nachfrage

Für 2016 wurden der Initiative vom Büro Gunter Demnig aufgrund der großen Nachfrage 15 weitere Stolpersteine zugestanden. Die Initiativgruppe „Stolpersteine in Obernkirchen“ hat sich auf drei Familien mit insgesamt zehn Personen und weiteren fünf Einzelpersonen verständigt. Kaufmann Bendix (Benno) Stern mit Ehefrau Luci und Tochter Hannelore, sie wohnten an der der Neumarktstraße, heute Nummer 23. Die Familie wurde Ende 1939 zwangsweise in das sogenannte Judenhaus, wie man die frühere Synagoge an der Strullstraße damals abschätzig nannte, einquartiert. Von dort aus wurde die Familie 1942 deportiert. Nur die Tochter Hannelore überlebte die Höllen der Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz und Bergen-Belsen.

Eheleute Jakob Steinberg und Rosa, geborene Stern, die mit Familie Benno Stern zusammen unter einem Dach wohnten, wurden ebenfalls Ende 1939 zwangsweise in das Judenhaus eingewiesen. Jakob Steinberg verstarb dort Anfang 1942. Seine Frau Rosa, Schwester von Benno Stern, wurde wenig später deportiert und kam wahrscheinlich im Warschauer Getto ums Leben.

Der Pferdehändler an der Rintelner Straße, heute Nummer 18. Moritz und Recha Schönfeld flohen im April 1940 nach Argentinien, wo ihre drei Kinder schon vorab Schutz gefunden hatten.

Nach Pogromnacht verhaftet

Benno Stern, Jakob Steinberg und Moritz Schönfeld wurden zusammen mit weiteren männlichen Obernkirchener Juden am Morgen nach der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 im Rahmen einer deutschlandweiten Aktion völlig willkürlich von der SS verhaftet und am folgenden Tag für einige Monate ins KZ Buchenwald verschleppt. Insgesamt waren es zwischen 25000 und 30000 jüdische Männer, die dieser Aktion zum Opfer fielen. Diese sogenannten „Aktionsjuden“ wurden auf mehrere Konzentrationslager verteilt, 9000 davon kamen in das Lager Buchenwald. Begründung: „Erhöhung des Ausreisedrucks“. Frommet Lion Fanny Lion Elias und Leopold Lion wohnte an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße Nummer 9, damals Adolf-Hitler-Straße. Ihr Wohn- und Geschäftshaus wurde vor einigen Jahren abgerissen. Noch heute klafft dort eine Baulücke. war die Mutter der Inhaber des renommierten Textil-Kaufhauses auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Trotz ihrer Pflegebedürftigkeit wurde auch sie zum Zwecke der Deportation aus ihrem Haus vertrieben und in das Judenhaus einquartiert. Sie verstarb dort im Mai 1942. Die für Juni vorgesehene Deportation blieb ihr so erspart. Für die Familien ihrer beiden Söhne sind bereits am 1. Juli 2015 Stolpersteine verlegt worden.

Fanny Philippsohn Paul Adler und ihrer Tochter Gertrud, Witwe, wohnte an der Schluke, heute Nummer 5. Ihr Haus wurde vor Jahren durch einen Neubau ersetzt. Sie floh im März 1940 in die USA, zusammen mit der Familie ihres Schwiegersohns, für die bereits ebenfalls 2015 Stolpersteine verlegt worden sind. Betty Adler Sohn Alfred Leopold Lion und ihrer Tochter Karola wohnte im Haus Lange Straße 17, heute Nummer 19, das ihr Mann Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut hatte und in dem er im Parterrebereich ein Möbelgeschäft betrieb. Nach dem Tod des Ehemannes 1929 führte dies der weiter. Betty Adler floh im Mai 1939 nach Neuseeland, zusammen mit der Familie ihres Schwiegersohns Auch für diese Familie sind bereits 2015 Stolpersteine verlegt worden . Helene Düring, geborene Stern, wohnte an der Langen Straße, und zwar in der heutigen Nummer 26. Sie war die Tante von Benno Stern und Rosa Steinberg. Sie hatte zwei Kinder, die vor den Nazis in die USA geflohen waren. Helene wurde im Januar 1940 zwangsweise ins Judenhaus einquartiert. Dort verstarb sie noch im selben Jahr.

Kaufmann Philipp Adler wohnte im elterlichen Haus Lange Straße 7, heute Nummer 9. Das Haus war von seinem Vater, Samuel Philipp Adler, Ende des 19. Jahrhunderts als ein modernes Geschäfts- und Wohngebäude erbaut worden. Philipp Adler war der Cousin von Paul Adler, der dieses Haus mit Textilgeschäft später übernommen hatte. Vor diesem Haus sind für die Familie Paul Adler bereits 2015 Stolpersteine verlegt worden.

Philipp Adler nahm freiwillig am Ersten Weltkrieg teil. Er wurde schwer verwundet und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Das schützte ihn und seine Familie nicht vor dem Naziterror. 1939 floh er mit seiner Ehefrau und seiner zehnjährigen Tochter Ruth von Hildesheim aus nach Neuseeland. Die heute 86-jährige Tochter Ruth, verheiratete Filler, lebt dort in einem Altenheim. Sie hat 2008 – zusammen mit ihrer in Neuseeland geborenen, heute in Kanada lebenden Tochter Deborah Filler – Obernkirchen besucht. r

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