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Messer ins Bein gestochen

Prozess Messer ins Bein gestochen

Wenn sich Nachbarn über Partylärm beklagen, lädt man sie am besten auch zur Fete ein. So oder ähnlich dachten wohl einige junge Leute aus Obernkirchen. Der Schuss ging voll nach hinten los, denn sie kannten ihren Nachbarn nicht.

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Obernkirchen (ly).  Der 48-Jährige nahm die Einladung dankend an. Mitgebracht hatte er in jener Nacht im November 2014 ordentlich Durst und passend dazu einen Leinenbeutel mit mehreren Flaschen Schnaps. Enthemmt legte er sich nach einiger Zeit zwischen zwei junge Frauen und fasste diese im Intimbereich an. Damit war das Maß voll, der Gast flog raus. Der Streit jedoch ging später weiter.

 Nachdem der Wohnungsinhaber („Wir haben alle schön getrunken“) Polizisten zur Haustür gebracht hatte, begann Teil zwei der Auseinandersetzung, diesmal im Treppenhaus. Mit einem Küchenmesser (Klingenlänge: 21 Zentimeter) brachte der 48-Jährige dem deutlich jüngeren Gastgeber eine Stichverletzung am Oberschenkel bei. Eine Stunde später hatte der Täter noch 1,53 Promille Alkohol im Blut.

 Zur Ernüchterung trug jetzt ein Prozess vor dem Amtsgericht in Bückeburg bei. Der Obernkirchener, der damals die private Party gesprengt hatte, musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung verantworten. Zur Beweisaufnahme kam es indes nicht, sämtliche Zeugen rückten unverrichteter Dinge wieder ab.

 Stattdessen trafen die beteiligten Juristen eine Absprache nach dem Gesetz zur Verständigung im Strafverfahren: 1500 Euro Geldstrafe, in diesem Fall 100 Tagessätze, wenn der Angeklagte ein Geständnis ablegt. „Wer dieses Angebot nicht annimmt, ist selber schuld“, sagte Richter Dirk von Behren während der Urteilsbegründung in Anlehnung an ein berühmtes Zitat aus dem Kinofilm „Der Pate“.

 Gleichzeitig spielte von Behren damit auf das Verhalten des Angeklagten an, der erst nicht gestehen wollte, dann doch und schließlich nach einer weiteren Besprechung mit seinem Verteidiger endgültig einwilligte. Während in einem Spielfilm stets die Androhung äußerster Gewalt im Raum steht, wenn der Pate jemandem „ein Angebot“ macht, „das man nicht ablehnen kann“, wusste Richter von Behren seinen Vorstoß im Einklang mit dem Gesetz zu begründen: Der Angeklagte habe keine Vorstrafen, es sei viel Alkohol im Spiel gewesen, die Stichverletzung des Opfers eher geringfügig.

 Deutliche Worte fand der Richter dennoch: „Sie sind als Gast eingeladen und haben nichts Besseres zu tun, als nacheinander zwei Frauen sexuell zu beleidigen – in Gegenwart von deren Freunden“, schrieb von Behren dem 48-Jährigen ins Stammbuch. „Als Sie zwischen den Damen lagen, fühlten Sie sich dazu hingeleitet, ihre Hand dorthin zu platzieren, wo diese nicht hingehört“, erinnerte Staatsanwalt Timo Goldmann den Angeklagten. Die Fete war aus Sicht Goldmanns „ein Saufgelage – anders kann man es nicht bezeichnen“. ly

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