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Meteoritenschwarm beim Nachtspaziergang

Obernkirchen / Dreharbeiten Meteoritenschwarm beim Nachtspaziergang

Drinnen steht der Filmemacher und schaut den Handballern zu, wie sie auf das Tor ballern, als gäbe es kein Morgen. Draußen steht der, der hier schreibt, und ist nicht viel schlauer als eine Stunde zuvor.

Obernkirchen. Obernkirchen. Immerhin, ein paar Fakten scheinen gesichert: Es geht also um einen Film, eine US-Produktion, um ein Pärchen, einen nächtlichen Spaziergang, einen Meteoritenschwarm, um mehrere Regisseure, die in Frankreich und Indien drehen. Und natürlich in Obernkirchen, in der Kreissporthalle.

 Blenden wir 60 Minuten zurück. Das Gespräch mit dem Filmemacher gehört zu den obskursten, das der Schreiberling der Landpostille in fast drei Berufsjahrzehnten überhaupt geführt hat, denn Gökhan Sayim darf nicht über das Projekt reden, nicht ein Wort, aber: „Ich darf konkrete Fragen beantworten.“

 Soll heißen? „Sie stellen die richtigen Fragen und erhalten die richtigen Antworten.“

 Nun denn, kreisen wir das Thema mal ein: „Ist es ein Dogma-Film?“  Ja, so werden beispielsweise Beleuchtungen nur gefilmt, wenn sie vorkommen, etwa in Form von Autoscheinwerfern. Das spart viel an Aufbauzeit und damit an Geld, sagt Sayim.

 „Ist es ein Horrorfilm?“  Ja, bestätigt Sayim, ein subtiler Horrorfilm.

 Kann er den Titel verraten? Nein.

 Kann er sagen, wann der Film in die Kinos kommt?  „Hoffentlich in diesem Jahr.“

 Hat er schon Geld gesehen?  „Ja, ein bisschen.“

 Gökhan Sayim macht das Gespräch spürbar Spaß. Er ist bestens gelaunt, nicht nur, weil er einen Tag zuvor Vater einer Tochter wurde. Bei den biografischen Details wird der ehemalige Stadthäger deutlich gesprächiger. Wie sich zeigen wird, kann er auf eine beeindruckende Vita zurückblicken. Sie liest sich so: Der Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann, Cutter und Musiker Sayim begann seine Filmkarriere während seines Studiums an der Fachhochschule für Bildende Künste in Hannover. In dieser Zeit drehte er als Regisseur, Drehbuchautor und Cutter drei Kurzfilme, einen Dokumentarfilm und das Langfilmdebüt „Das Weinen davor“. Darüber hinaus war Sayim bei sechs Kurzfilm-Produktionen als Kameramann tätig und arbeitet seit 2009 nebenberuflich als Cutter für diverse Fernsehproduktionen.

 Der 1979 geborene Sayim profitiert von einer filmischen Revolution, die Mitte der neunziger Jahre stattfand: Die sogenannten Dogma-Filme stellten neue Regeln auf; keine Spezialeffekte, keine zusätzliche Beleuchtung oder Musik, kein Nachdreh – und, nicht zu vergessen, die berühmte Handkamera. Damit wurde das Filmen deutlich demokratischer, jeder konnte (mehr oder weniger) sofort losziehen und beginnen. Auch Sayim hat als Kamera einen simplen Canon-Fotoapparat, eine 600D. „Mit erstaunlicher Tiefenschärfe“, wie er sagt.

 Handkamera und Horrorfilm, sagt Sayim. Und meint: Das sind die Hinweise. Sie weisen in eine Richtung, in der durchaus beeindruckende filmische Erfolgsgeschichten geschrieben wurden. Etwa die vom Film „Paranormal Activity“, der 15000 US-Dollar kostet und rund 200 Millionen einspielte. Oder die Mutter aller Wackel-Horror-Werke, das „Blair Witch Project“, das mit einem Budget von etwa 70000 Dollar veranschlagt wurde – und weit mehr als 100 Millionen Dollar einspielte.

 Auf Obernkirchen ist Sayim gekommen, weil er sich hier auskennt. Schon als Kind hat er hier gedreht, kleine Filme. Einer der Orte, die er spät in der Nacht aufsuchen wird, um dort zu drehen, wird die Bismarckeiche sein. Insgesamt will er hier vier Tage und Nächte drehen.

 Der Kontakt zum MTV Obernkichen kam zustande, weil er etwas typisch Deutsches suchte. „Und Deutschland ist doch eine Super-Handballmacht, oder?“ Bernd Schade, MTV-Pressesprecher, bestätigt dies: Mal mehr, im Moment eher weniger.

 Über Schade kam der Kontakt zustande, über Bürgermeister Oliver Schäfer wurde der Weg zum Kreis geebnet, so konnte sogar gedreht werden, wenn normalerweise die Sporthalle geschlossen ist. Auch die Frau an der Seite von Sayim ist keine ganz unbekannte, sondern eine etablierte Filmemacherin und Regisseurin: Figen Ünsal lebt derzeit in Hannover und studiert dort seit 2002 an der FH am Fachbereich Bildende Kunst/ Film. Sie machte ihr Vordiplom mit dem Film „Melissa“ und gewann damit 2005 den „Deutschen Nachwuchsfilmpreis“. Sie schrieb das Drehbuch und führte Regie, an der Kamera stand, genau: Gökhan Sayim.

 Nach einer Stunde öffnet sich die Tür der Sporthalle, Sayim stellt sich neben den Redakteur, erst mal eine rauchen. Wir kommen wieder ins Gespräch: „Wie ist das Drehbuch denn?“

 „Ich wünschte, es wäre von mir“, sagt Sayim.

 „So gut?“  „So gut!“

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