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Innenstadt Obernkirchen Mit Schwung

Was gehört in die Innenstadt? Das ist im Kern die Frage gewesen, die von Teilnehmern einer Info-Veranstaltung für Grundstücks-Eigentümer diskutiert worden ist. Sollen im Bereich an der Friedrich-Ebert-Straße Häuser fürs Wohnen geöffnet werden? Oder wäre das ein Problem für den Handel, dem es ohnehin besser gehen könnte?

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Quelle: mig

OBERNKIRCHEN. In einem waren sich die Teilnehmer als Eigentümer von Grundstücken entlang der Friedrich-Ebert-Straße einig: Es gibt ihn, den Leerstand; Ecken, in denen die Schaufenster dunkel bleiben. Natürlich müsse etwas gegen die leer stehenden Geschäfte und Häuser getan werden, meinten etliche der von der Obernkirchener Stadtentwicklungs- und Beteiligungsgesellschaft (OSB) eingeladenen Gäste. Aber so? Manch einer blieb skeptisch.

Dabei wirken die Pläne der OSB plausibel. Den Leerstand anerkennen, Bebauungspläne ändern und neue Nutzungsformen ermöglichen – das ist die Essenz des Vorschlages, den Andreas Jasper (bis vor einigen Tagen Geschäftsführer der OSB), Diplom-Ingenieur Matthias Reinhold und Bürgermeister Oliver Schäfer der Runde vorstellten. Ziel sei eine „Art vorgezogene Bürgerbeteiligung“, so Jasper. „Wir wollen Sie einbeziehen und Ihre Vorschläge kennenlernen, bevor wir anfangen, einen Bebauungsplan zu erstellen.“ Er lade die Grundstückseigentümer, aber auch andere Bürger dazu ein, „eigene Ideen zu entwickeln und sie an uns heranzutragen“.

Was das genau bedeutet, erläuterte Reinhold anhand diverser Bebauungspläne. Er bezeichnete die Pläne als überholt; der Plan 030 (Kernstadt) sei mehr als 30 Jahre alt und habe „ganz andere Zielsetzungen gehabt“. Unter anderem hat der Rat damals Bereiche ausgewiesen, in denen nicht gebaut werden darf. Es sind exakt diese Restriktionen, die jetzt auf den Prüfstand gestellt werden sollen. Denn: „Bevor man in die Randbereiche geht, sollte man doch versuchen, Flächen in der Innenstadt zu mobilisieren.“ Also ohnehin schon Vorhandenes durch Regeländerungen im B-Plan neu entwickeln.

Neues Leben auf gleicher Höhe mit Altem

Konkret würde eine Änderung des Bebauungsplanes bedeuten, dass im Erdgeschoss von Geschäftshäusern künftig Wohnungen eingerichtet werden dürfen. „Wir wollen mehr Möglichkeit haben, als es das Baurecht bisher hergibt“, sagt Jasper. Nur so könnten „Entwicklungsmöglichkeiten“ geschaffen werden.

In die Hände spielt der OSB dabei, dass der Gesetzgeber in diesem Mai die Möglichkeit geschaffen hat, ein neues urbanes Gebiet im Bebauungsplan auszuweisen. Während in diesem Gebiet Handel und Gewerbe gleichrangig betrachtet werden, sei das „im alten Bebauungsplan“ anders, sagt Reinold. „Da gibt es sogenannte Kerngebiete, in denen nur Geschäfte und keine Wohnungen im Erdgeschoss erlaubt sind.“

Wenn alles so kommt, könnte sich sowohl im rückwärtigen Bereich als auch vorne einiges tun. Hinterhofbauten könnten abgerissen werden, in ehemalige Geschäfte könnten Wohnungen einziehen. Ausschlaggebend sei bei all dem, „wie man in diese Struktur neues Leben reinbringen kann, ohne Altes zu verdrängen“, sagt Reinold. Die Ausweisung von urbanem Gebiet werde, aber nur für „bestimmte Bereiche“ ins Auge gefasst. „Das wollen wir nicht überall. Wir nehmen Erdgeschosse nur in den Blick, um Leerständen entgegenzuwirken.“ Ziel sei es weiterhin, „die Charakteristik der Altstadt zu erhalten“. Soll heißen: „Hier soll kein reines Wohngebiet entstehen.“ Anders als im alten Bebauungsplan darf in einem im urbanen Gebiet mehr Fläche als bisher bebaut werden.

Außer viel Zuspruch, gab es auch Kritik an den Plänen der stadteigenen OSB. Ob man den Handel durch Wohnungen in den Erdgeschossen noch weiter ausdünnen wolle, lautete eine Frage.

 „Wir wollen hören, was Ihnen auf der Seele brennt“

Ein anderer Gast suchte nach dem „Kuckucksei in den Plänen“: „Ich frage mich, was dahintersteht?“ Schäfer war sichtlich angefasst: „Es gibt kein verstecktes Interesse, das zur Durchsetzung kommen soll. Der ganze Rat war der Meinung, dass der Bebauungsplan veraltet ist.“ Die Ansiedlung von Gewerbe im Erdgeschoss sieht Schäfer nach wie vor als Schwerpunkt der Stadtentwicklung. Man wolle dem Leerstand wirksam entgegentreten können, „und dafür müssen jetzt die Voraussetzungen geschaffen werden“.

Welche Bereiche wie betroffen sind, lässt sich aktuell noch nicht sagen. Man wolle die Bürger von Anfang an in die Diskussion miteinbeziehen, sagte Jasper. „Wir wollen hören, was Ihnen auf der Seele brennt.“

Laut Reinold gehe es aber nicht darum, alles neu zu erfinden: „Die Altstadt ist von ihrer historischen Substanz schließlich super.“ Eine Möglichkeit sieht der Planer beispielsweise darin, dass mehrere Eigentümer ihre Grundstücke zusammenlegen und so „in bestimmten Bereichen“ neue Wohnhöfe entstehen könnten, „um Leben in die Altstadt zu kriegen“.

Dass der Bedarf da ist, steht für Reinold fest: Die Ansiedlung des neuen Klinikums werde den Wohnungsmarkt stark beleben, schon jetzt gebe es zahlreiche Anfragen. Große Chancen sieht Reinold auch für den Handel, vor allem für Anbieter von Medizin- oder Gesundheitsprodukten. „Vom Klinikum werden vor allem das kleine Gewerbe und Spezialisten sowie der Gesundheitssektor profitieren.“ Ausschlaggebend sei jetzt, die Chance, die die Ansiedlung biete, zu nutzen. „Es gibt eine große Chance, dass wir über den medizinischen Sektor Schwung in die Innenstadt kriegen.“  mig

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