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Morgendlicher Stau auf der Elefanten-Autobahn

Obernkirchen / Vortrag Morgendlicher Stau auf der Elefanten-Autobahn

Als er morgens mit seinen beiden einheimischen Fahrern die Tagesroute bespricht, bricht sich eine Elefantenherde ihren Weg durch den Busch und bleibt abrupt stehen. Und Wolfgang Prägler weiß auch warum: Sein kleiner Autokonvoi steht mitten auf einer Straße, die die Tiere sonst gewohnheitsmäßig benutzen.

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Was macht man, wenn eine Elefantenhorde den eigenen Weg kreuzt? Genau: Der schlaue Afrikabesucher macht einfach Platz und lässt die Dickhäuterhorde anstandslos passieren. Wolfgang Prägler hatte aber noch Zeit, einmal auf den Auslöser seiner Kamera zu drücken. © pr/rnk

Obernkirchen (rnk). Eine alte Elefantenkuh tritt nach vorn, geht zum ersten Auto – und wischt mit ihrem Rüssel einmal kurz über die Windschutzscheibe. Im Wagen sitzt ein Afrikaneuling, er steht nahe vor einem Herzstillstand.

Prägler bleibt mit seiner in vier Jahrzehnten auf dem dunklen Kontinent gesammelten Erfahrung ruhig: „Sie wollte nur das Auto begrüßen.“ Das sind die Momente, an die der Afrikaneuling sich gewöhnen muss: Sich morgens auf der Elefanten-Autobahn wiederzufinden, oder besser noch nachts in einem Zelt oder in einer Holzhütte zu ruhen, mit pochendem Herzen, getrennt durch ein paar Millimeter Stoff oder etwas Holz von einer Welt, in der der Mensch recht unverhofft an das untere Ende der Nahrungskette geraten kann, wenn er auch nur einen Fehler macht – Momente, in denen man sich fragt, ob man dieses unberührte Fleckchen Erde nicht besser unberührt hätte lassen sollen.

Prägler erzählt in seinem Vortrag von einem zweiten Beispiel: Einer der Wagen bleibt in der staubtrockenen Savanne stecken, wühlt sich mit vier Rädern immer tiefer in den Sand. Während die Helfer schaufeln, schieben und zerren, laufen zwei Mitfahrer immer um die Autos herum – wer weiß, was dort im Busch alles auf der Lauer liegt. Es ist, wie sich herausstellt, ein Nilkrokodil: sieben Meter lang und schnell wie ein Pferd.

Prägler beginnt seinen Vortrag mit einem 40 Jahre alten Bild. So wie damals in der Landeshauptstadt, so sieht es heute noch aus, genau so, nur dass die Menschen heute alle ein Handy am Ohr haben.

Das Okanvango-Delta in Botswana, der Massai Mara in Kenia und eben die Serengeti, in Tansania: So heißen die Sehnsuchtsorte des afrikanischen Kontinents, Prägler bringt den Bewohnern und Gästen des Seniorenheimes Sonnenhof an diesem Abend neben der obligatorischen Tier- und Pflanzenwelt auch ein Stückchen Kolonialgeschichte näher, erzählt aus den Zeiten, als das Land noch Deutsch-Ostafrika hieß und der dazu gehörende Kilimandscharo von 1885 bis 1918 der höchste Berg auf deutschem Territorium war.

Sogar einen Schatzmeister aus der damaligen Zeit hat Prägler auf einem deutschen Soldatenfriedhof gefunden: Peter Merkel hieß er, schon vor 100 Jahren habe sich damit ein Merkel um das Geld der Deutschen gekümmert.

Aber das Herzstück sind natürlich die Tiere, hier ist er hörbar in seinem Element: Ob Nilkrokodil, Pelikane, Nimmersatt-Störche („Die fressen auch nicht mehr als andere Störche“), Silberreiher, Flammenkopfbartvogel oder Kaffernbüffel: Prägler kann zu jedem Tier ein bisschen erzählen, zu jedem Baum auch.

• Hinweis: Am 25. August wird Wolfgang Prägler erneut im Sonnenhof Bilder zeigen, diesmal aus einer Stadt im Südosten Deutschlands, die gerne als Elbflorenz tituliert wird. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

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