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Motorrad im Tiefflug

Gelldorf/Bückeburg / Prozess Motorrad im Tiefflug

An Gehstützen humpelt der Angeklagte in den Gerichtssaal. Mehr als ein Jahr nach einem schweren Motorradunfall auf der Kreisstraße 14 in Gelldorf laboriert er immer noch an den Folgen. Welche Verletzungen er erlitten habe, will Richter Armin Böhm wissen. „Ich hab’ da eine ganze Liste“, antwortet der 35-Jährige.

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Gelldorf/Bückeburg. Operiert worden ist er bereits. Noch im Herbst muss der Helpser wegen eines Eingriffs am Kreuzband erneut unters Messer. Wegen dieser Verletzungen lässt sich eine Einstellung aus Sicht von Oberstaatsanwalt Frank Hirt rechtfertigen. „Eine Ahndung durch Urteil halten wir nicht für zwingend erforderlich“, pflichtet Richter Böhm bei, bevor der Direktor des Bückeburger Amtsgerichts das Verfahren vorläufig einstellt, wenn auch gegen eine Geldbuße von 1000 Euro. Anfangs hatte ein Strafbefehl über 1800 Euro im Raum gestanden, in diesem Fall zwei Monatseinkommen.

 Wie es zu dem Frontalzusammenstoß kommen konnte, bleibt damit ungeklärt.

 „Grob verkehrswidrig und rücksichtslos“ soll sich der Biker beim Überholen verhalten haben. Juristen sprechen in solchen Fällen von einer Gefährdung des Straßenverkehrs.

 Normalerweise fährt der Helpser mit dem Auto zur Arbeit. An diesem Montag jedoch nimmt er sein Motorrad, eine Suzuki GSX-R600. Kategorie: Supersportler. Gegen 6.55 Uhr driftet er zum ersten Mal in einer Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn. Ein Autofahrer muss auf den Grünstreifen ausweichen.

 Beim zweiten Mal hat der Biker nicht so viel Glück. Erneut gerät er in einem Rechtsbogen über die Mittellinie. Die Kurve ist schlecht einzusehen. Es kommt zum Frontalcrash mit einem Mercedes Kombi. Der Mann am Steuer des Benz fährt in seiner Freizeit selbst Motorrad. Über den Fahrstil des Bikers wundert er sich. „Er hat sich aufgerichtet“, schildert der 61-Jährige den – nach seiner Überzeugung – entscheidenden Fehler als Zeuge vor Gericht. „Das war eine fatale Sache.“ Der Zeuge vermutet: „Er ist in Panik geraten.“

 Als wahrscheinlich gilt, dass der Motorradfahrer („Der Straßenverlauf ist mir bekannt“) die Kurve bei mehr Schräglage gekriegt hätte. „Ich vermute mal, dass ich mich nicht richtig reingelegt habe“, sagt er selbst. „Zu schnell war ich nicht.“ Laut Richter Böhm ist an der Stelle Tempo 100 erlaubt. Nach Schätzung zweier Augenzeugen war der Biker zwischen 70 und 90 Stundenkilometern schnell. Eigenen Angaben zufolge fährt der Angeklagte seit 2009 Motorrad, die Suzuki (Tachostand: 6400 Kilometer) hat er seit 2010.

 Hinter dem Mercedes, dessen Fahrer seiner Versicherung einen Totalschaden melden musste und der selbst durch Splitter leicht im Gesicht verletzt worden war, fuhr an jenem Sommertag eine Frau (57) aus Lindhorst. „Auf einmal kam dieses Motorrad aus der Kurve geschossen“, erinnert sie sich. „Dann sah ich den Fahrer über das Auto fliegen. Er flog mir quasi entgegen.“ ly

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