Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Nabu zeichnet Hauseigentümer aus

Schwalben willkommen Nabu zeichnet Hauseigentümer aus

Früher sind Schwalben während der Sommermonate in den Dörfern allgegenwärtig gewesen: Die an ihrem rotbraunen Stirn- und Kehlfleck sowie ihrem tiefgegabelten Schwanz zu erkennenden Rauchschwalben brüteten in den Dielen, Ställen und Scheunen der Bauernhöfe, wobei ihnen dauerhaft offene Tore und Fenster als Einflugschneise dienten.

Voriger Artikel
Nichts als heiße Luft
Nächster Artikel
Das Lebenselixier

Freuen sich über die von Leonhard Hielscher (rechts) im Namen des Nabu-Landesverbandes Niedersachsen überreichte „Hier sind Schwalben willkommen“-Plakette nebst Urkunde: Dietrich Steinmann und Tochter Christina Louise Steinmann.

Quelle: wk

Obernkirchen. Demgegenüber bauten die schlicht schwarz-weißen Mehlschwalben ihre Lehmnester an die Außenfassaden der Gehöfte und anderer Gebäude, und zwar in luftiger Höhe direkt unterhalb der Dach-Überstände und sonstiger Vorsprünge. Und weil beide Arten eifrige Insektenjäger sind, waren sie insbesondere auf den Bauernhöfen beliebt, wo es an um das Vieh und die Menschen herumschwirrenden, lästigen Fliegen keinen Mangel gab.
Mittlerweile aber sind die Zeiten für Rauch- und Mehlschwalbe härter geworden: Landwirtschaftliche Betriebe gibt es in den Dörfern nur noch wenige. Und bei denen, die noch übrig geblieben sind, handelt es sich meist um regelrechte Agrar-Unternehmen, deren Ställe und sonstigen Gebäude etwa aus hygienischen Gründen verschlossen sind. Rauchschwalben finden somit nicht mehr so viele Brutmöglichkeiten vor wie einst.
Darüber hinaus wollen heutzutage viele Hauseigentümer aber auch bewusst keine Schwalben mehr in oder an ihren Gebäuden brüten haben, weil Schwalben mit ihrem Kot, den sie im Nestbereich zu Boden fallen lassen, eben auch viel Dreck machen. Ergo werden beispielsweise vorhandene Lehmnester von Mehlschwalben entfernt und die Vögel durch unterschiedliche Maßnahmen daran gehindert, neue Nester an die Hauswände zu bauen. Darüber hinaus ist der Rückgang der Schwalbenpopulationen nicht zuletzt auch Folge eines geringer gewordenen Nahrungsangebotes an Insekten, das wiederum auf die intensiv betriebene Landwirtschaft (Stichwort: landwirtschaftliche Monokulturen und Spritzmitteleinsatz) zurückzuführen ist.
Um auf die Not der Rauch- und Mehlschwalben aufmerksam zu machen, hat der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) diese beiden Kulturfolger daher schon früh zum „Vogel des Jahres“ erklärt: Der Mehlschwalbe kam diese zweifelhafte Ehre bereits 1974 zu, der Rauchschwalbe 1979. Und der Nabu-Landesverband Niedersachsen hat eine unter das Motto „Schwalben willkommen“ gestellte Kampagne ins Leben gerufen, mit der er seinerseits für den Schutz der Schwalben wirbt. Im Rahmen dieser Aktion werden Hauseigentümer mit einer „Hier sind Schwalben willkommen“-Plakette plus Urkunde ausgezeichnet, die Schwalbennester in oder an ihren Gebäuden haben.
 In Obernkirchen ist eine solche Würdigung nun den beiden Eheleuten Dietrich und Renate Steinmann sowie ihrer Tochter Christina Louise Steinmann zuteilgeworden.
An dem in der Eilser Straße 50 gelegenen, mehrstöckigen Wohn- und Geschäftsgebäude der Familie brüten nämlich schon seit Mitte der neunziger Jahre mehrere Mehlschwalbenpaare unter dem Dachvorsprung. Dabei sorgen seit gut zehn Jahren etwas unterhalb der Lehmnester an die Wand geschraubte Holzbretter dafür, dass kein Kot mehr auf den Boden fällt. Stattdessen bleibt dieser nun auf den Brettern liegen, die nach Ende der Brutsaison und Wegzug der Schwalben in die Winterquartiere von Hand gereinigt werden.
Den Mehlschwalben das Brüten an dem Gebäude zu verwehren, kam Familie Steinmann übrigens nie in den Sinn – ganz im Gegenteil: „Wir freuen uns jedes Jahr aufs Neue, wenn die Schwalben wieder da sind“, betont Christina Louise Steinmann, die es, ebenso wie ihre Eltern, interessant findet, die Schwalben bei deren Brutgeschäft zu beobachten. Und zudem müsse man als Mensch ja auch Verantwortung für die Natur übernehmen, „für alles, was da kreucht und fleucht“.
Insgesamt zehn Gebäude sind in Obernkirchen bereits vom Nabu-Landesverband Niedersachsen als „schwalbenfreundliches Haus“ ausgezeichnet worden, berichtet Leonhard Hielscher, der Vorsitzende der hiesigen Nabu-Ortsgruppe. Dabei sei die Familie Steinmann der in diesem Jahr zweite Adressat in der Bergstadt, der er die „Hier sind Schwalben willkommen“-Plakette und die dazugehörige Urkunde überreicht habe.
Warum in Obernkirchen nicht mehr Hauseigentümer auf diese Weise gewürdigt worden sind? „Es melden sich ja nicht alle Leute, die Schwalben haben“, erklärt Hielscher, der im Sinne des Schwalben-Schutzes gerne noch mehr dieser Plaketten und Urkunden aushändigen würde.

wk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg