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Nächtliche Verfolgung, nicht zur Nachahmung empfohlen

Obernkirchen / Zierapfel Nächtliche Verfolgung, nicht zur Nachahmung empfohlen

Mit Bäumen ist es wie mit Freundschaften: Man muss sich um sie kümmern, wenn sie klein sind, und Störungen, die nun mal vorkommen können, immer wieder beheben. Am wichtigsten aber sei, so hatte es Gärtnermeister Gerhard Kirchner vor gut einem Jahr formuliert, sei aber die Tat als solche: nämlich eine Partnerschaft zu schließen oder eben einen Baum zu pflanzen.

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Abgebrochen: Das letzte Symbol der deutsch-französischen Freundschaft ist erst im letzten Jahr gepflanzt worden. Aber die jugendlichen Täter sind gestellt worden. © rnk

Obernkirchen (rnk). Worte, die fielen, als zum Zeichen der Freundschaft zwischen der Bergstadt und der französischen Partnerstadt La Flèche im gleichnamigen Park ein Zierapfel gemeinsam gepflanzt wurde.

Kirchner wohnt in der Bergamtstraße und hat den Zierapfelbaum daher täglich vor Augen. Das sollte man wissen, um die nun folgende Geschichte einordnen zu können. Der Gärtnermeister saß abends mit seiner Ehefrau im Garten, als er gegen 23 Uhr ein lautes Krachen hörte. Beide nahmen flugs zwei Taschenlampen und wollten nachschauen, was dort los war.

Im Schein der Funzeln sahen sie zwei Jugendliche, die Fersengeld gaben, sonst sahen sie nichts: Die beiden Halbstarken hatten nämlich die Straßenlampen ausgetreten. Kirchner und Gattin rannten hinterher, in Richtung Sonnenhof, dort konnten sie die Jugendlichen, die sich in einer Hecke versteckt hatten, auch zur Rede stellen.

Die Erwiderung war vorhersehbar: „Das waren wir nicht, auf keinen Fall, so was machen wir nicht. Wir doch nicht.“ Kirchner blieb hartnäckig, die Jugendlichen gaben auf: „Ja, okay, wir geben es zu. Aber Sie waren doch auch mal jung und haben Blödsinn gemacht.“

Das konnte und mochte Kirchner nicht leugnen, aber seinen damaligen Erkenntnisgewinn wollte er den beiden Jugendlichen auch nicht vorenthalten: Man muss auch für das einstehen, was man macht. Kirchner wies die Jugendlichen an, sich auf eine Parkbank zu setzen, um dort auf das Eintreffen der angerufenen Polizeibeamten zu warten. Und das immerhin muss man den beiden Heranwachsenden zugutehalten: Sie gehorchten, es gab keine Widerworte mehr, auch wenn Kirchner und Frau doch ein bisschen mulmig wurde, als noch mehr Jugendliche sich zu ihnen gesellten, die wissen wollten, was denn hier los sei. „Das war kein schönes Gefühl“, formuliert es der Gärtnermeister später.

Aber die Polizei kommt schnell, alles nimmt dann seinen vorgeschriebenen Gang. Am nächsten Morgen, als es hell ist, da sieht Kirchner seinen Baum. Genauer gesagt, er sieht ihn nicht, denn das Prachtstück, das in den vergangenen Monaten seit seiner Pflanzung unter wirklich widrigen Wetterbedingungen aufwuchs, war in einer Höhe von 50 Zentimetern mutwillig abgebrochen worden.

Kirchner informierte die Polizei, schließlich hatte er den Baum abends noch heil und unbeschadet gesehen, die Beamten wiederum konfrontierten die Jugendlichen, die schließlich die Tat auch zugaben. Die Stadt Obernkirchen kündigte noch am gleichen Tag an, Schadenersatz zu fordern. Fachmann Kirchner schätzt den Schaden auf rund 450 Euro, die Kauf und Neupflanzung kosten würden. Nicht zu vergessen: Vier Straßenlampen benötigen neue Birnen.

Kirchner sieht es mit dem Abstand von ein paar Tagen so: Die Öffentlichkeit müsse durchaus sensibilisiert werden, auch einmal selbst darauf zu achten, was in ihrer Umgebung passiert. Man dürfe die Achtsamkeit nicht allein der Polizei überlassen. Aber natürlich sei es wohl falsch gewesen, hinterherzulaufen. Das sieht auch die Polizei so, zur Nachahmung wird es nicht empfohlen, weil es bekanntlich nicht immer so glimpflich ausgehen muss.

Und der Zierapfel? Wird weiterwachsen, meint Kirchner, auch wenn seine schöne Form nun hin ist. Aber zuweilen ist es ja bei Bäumen auch nicht anders als bei Kindern: Man liebt gerade die, die nicht den geraden Weg gehen.

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