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Neue Frauenbeauftragte im natürlichen Habitat?

Obernkirchen / Gleichstellungsbeauftragte Neue Frauenbeauftragte im natürlichen Habitat?

Für das Pressefoto nach ihrer einstimmigen Wahl lässt sie sich nicht lange bitten: Ein Bild? Klar. In der Küche? Auch kein Thema. Sie weiß ja auch, warum der Fotograf sie dorthin bittet: Um die neue Frauenbeauftragte gleichsam in ihrem natürlichen Habitat zu zeigen, so etwas finden Schreiberlinge lustig. „Aber immer doch“, sagt Dörte Worm-Kressin also, nimmt vor den weißen Schränken im Gemeindezentrum Platz und schaut mit halbem Ernst in die Kamera: Wer sie so einschätzt, als Küchenmäuschen im Dienste der Verwaltung, sagt der Blick, der wird sich noch wundern.

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An diesem Ort wird die neue Gleichstellungsbeauftragte beruflich wohl selten anzutreffen sein, aber für ein Foto hat sie nach ihrer Wahl nichts gegen die Küche im Gemeindezentrum einzuwenden. „Aber klar doch“, sagt sie.

Quelle: rnk

Obernkirchen (rnk).  Denn der ehemalige Motor des Bündnisses für Familien, die jetzige Stadtkoordinatorin und Mutter dreier Söhne betritt in ihrem neuen Betätigungsfeld als Gleichstellungsbeauftragte keineswegs Neuland. Schon vor 20 Jahren, so erklärt sie, habe sie zu den ersten Frauen gehört, die eine Berliner Bank als damaliger Arbeitgeber ausgesucht habe, um an speziellen Förderprogrammen teilzunehmen: Frauen sollten sensibilisiert und gestärkt werden, um sich mit den Themen Karriereplanung und gleichzeitigem Erfolg im Beruf auseinanderzusetzen. „Eine spannende Frage, eine spannende Zeit“, befindet Dörte Worm-Kressin heute, zumal sie den Kontakt zu den Teilnehmern über die Jahrzehnte gehalten hat und sich dabei, gleichsam nebenbei, ein Netzwerk aufbebaut hat. Auch das ein wichtiger Faktor für Frauen: ein gutes Netzwerk.

 Nicht ohne Grund spreche man heute nicht mehr von einer Frauenbeauftragten, sondern einer Gleichstellungsbeauftragten, erklärt sie im Rat: Ihre Aufgaben betreffen eine Mitwirkung bei allen Dingen, Vorhaben, Programmen, Maßnahmen und Entscheidungen, die Auswirkungen auf die Gleichberechtigung und die gleichwertige Stellung von Frauen und Männern in der Gesellschaft haben. „Mir liegt es am Herzen“, erklärt Worm-Kressin, „dass Kinder, Frauen und Männer, egal, welcher Herkunft, welcher Konfession, die gleichen Chancen haben, ihr Leben zu entwickeln– bezogen auf Karrierechancen, aber auch auf gleiche Chancen in persönlichen Entwicklungen, die Interessen und individuellen Voraussetzungen entsprechen.“

 In einer Ratssitzung, die zumindest bei der Debatte über die neue Gleichstellungsbeauftragte von einer gewissen grundsätzlichen Heiterkeit geprägt war, umriss Jörg Hake die Stellung der SPD, die nicht hatte verhindern können, dass öffentlich bekannt wurde, dass Kirsten Battaglia als Mitglied der Ratsfraktion wohl selbst gerne das Amt übernommen hätte. Hake gab den Medien die Schuld, die in die Öffentlichkeit getragen hätten, dass zwei Bewerberinnen vorgesehen waren, auch wenn die SPD-Fraktion später auf eine eigene Kandidatin verzichtet hatte. Die Debatte hätte nicht in die Öffentlichkeit gehört, meinte Hake, weil man damit Personen hätte beschädigen können. „Es ging nicht um Dörte Worm-Kressin“, ganz im Gegenteil, man sei ja froh, dass man jemanden habe, der sich hier im Ehrenamt engagiere.

 Wie auch immer: Hake wollte nach eigenen Angaben mit seinem Redebeitrag dazu beitragen, dass man das gleich folgende „differenzierte Abstimmungsverhalten“ seiner Fraktion verstünde. Wie sich später zeigte, enthielten sich Kirsten Battaglia, Klaus Brinkmann, Heinz Bruns, Thomas Mittmann und Hake selbst der Stimme, der Rest hob dann für den Verwaltungsvorschlag Dörte Worm-Kressin die Hand.

 Martin Schulze-Elvert von der CDU freute sich zuvor noch, dass man einen „jungen Menschen“ gefunden habe, der das Amt noch jahrzehntelang ausüben könne („Wenn wir einen haben, lassen wir ihn so schnell nicht wieder los“), und verwies noch einmal auf die Richtigkeit seiner Forderung, die Personalie der Gleichstellungsbeauftragten im öffentlichen Teil des Fachausschusses und des Rates zu diskutieren: Schließlich werde auch über zu bestellende Ortsbrandmeister oder Politiker öffentlich debattiert.

 Beate Krantz (CDU) steuerte die zukunftsorientierte Schlussnote bei. Wenn Dörte Worm-Kressin nach hoffentlich vielen Jahrzehnten das Amt als Gleichstellungsbeauftragte zurückgebe, sei vielleicht auch die Zeit dafür reif, einen Mann als Nachfolger in dieses Amt zu berufen.

 Sollte das Anforderungsprofil dann nach einem echten Kerl mit viel Mumm in den Knochen und einer Menge Rückgrat verlangen, könnte der Stadtrat sicherlich auch bei Beate Krantz anklopfen.

 An diesem Ort wird die neue Gleichstellungsbeauftragte beruflich wohl selten anzutreffen sein, aber für ein Foto hat sie nach ihrer Wahl nichts gegen die Küche im Gemeindezentrum einzuwenden. „Aber klar doch“, sagt sie.

 Foto: rnk

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