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Nicht fair, sondern unterirdisch

Protestaufruf der IG BCE Nicht fair, sondern unterirdisch

„Jetzt geht es um die Wurst“: Unter diesem Motto hat die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) zu Protesten aufgefordert, die den laufenden Tarifverhandlungen mit dem Bundesarbeitgeberverband Glas und Solar Nachdruck verleihen sollen.

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Zeigen Flagge im laufenden Tarifstreit: Mitarbeiter des Obernkirchener Ardagh-Werkes. Mit auf dem Bild: der Betriebsratvorsitzende Stephan Seiffert (vorne, Dritter von rechts) und die Gewerkschaftssekretärin Anna Engfer (rechts).

Quelle: wk

OBERNKIRCHEN. Aufgerufen zur aktiven Teilnahme waren dabei auch die gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer des Obernkirchener Ardagh-Werkes und des ebenfalls in der Bergstadt ansässigen Unternehmens Heye International.

Anstoß für die Aktion habe gegeben, dass die Arbeitgeberseite ein Tarifangebot vorgelegt habe, das geradezu „unterirdisch“ sei, da es „unterhalb der allgemeinen Preissteigerungsrate“ liege, erklärte Stephan Seiffert, der Vorsitzende des örtlichen Ardagh-Betriebsrates. Konkret seien lediglich ein „Leermonat“ (keine Anpassung), 1,9 Prozent Lohnsteigerung für elf Monate und 1,5 Prozent Lohnsteigerung für zwölf Monate offeriert worden. Die Gewerkschaft fordere dagegen eine Tariferhöhung um 4,5 Prozent für ein Jahr sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 90 Euro.

"Von einem fairen Angebot kann hier nicht die Rede sein“

„Das ist eine moderate Forderung, die der wirtschaftlichen Leistung des Konzerns entspricht“, betonte Seiffert bezogen auf die Ardagh-Gruppe. Dennoch wolle der Konzern die Mitarbeiter nicht angemessen am Erfolg des Unternehmens beteiligen.

„Mit solch einem Angebot koppelt man die Arbeitnehmer der Behälterglasindustrie von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung ab und bleibt unter der durchschnittlichen Preissteigerungsrate der letzten Jahre zurück. Das bedeutet effektiver Entgeltverlust für die Beschäftigten. Von einem fairen Angebot kann hier nicht die Rede sein“, konkretisiert die IG BCE in einem Informationspapier. Ergänzend weist die Gewerkschaft darauf hin, dass sie ihre Mitglieder bei dem Tarifabschluss „besserstellen“ wolle als nicht-gewerkschaftlich organisierte Arbeitgeber, was von den Arbeitgebern jedoch abgelehnt werde.

Mit Druck zum Ziel

Und weiter: „Die Arbeitgeber vergleichen uns gerne mit dem ADAC, der aber nur Pannenhilfe bei seinen Mitgliedern leistet. Würde der ADAC sich so verhalten wie unsere Arbeitgeber, würde er allen Autofahrern das komplette Leistungspaket versprechen, ob Mitglied oder nicht. Wo gibt es denn so was?“ Solange die Arbeitgeber also Nicht-Mitgliedern freiwillig alle tariflichen Leistungen gewähren (etwa Tariflohn plus Weihnachtsgeld statt nur 8,87 Euro Mindestlohn sowie 30 Tage Urlaub statt nur 24 Tage gesetzlicher Urlaubsanspruch), solange werde man von der Arbeitgeberseite einen „Mitgliederbonus“ fordern.

„Druck vor Ort“ sei wichtig, um die Tarifforderungen durchzusetzen, meinte Anna Engfer, die Gewerkschaftssekretärin bei der Bezirksgeschäftsstelle Hannover der IG BCE ist. Daher sei es „super“, dass auch der Betriebsrat des Obernkirchener Ardagh-Werkes eine lokale Aktion organisiert habe.

In der Pause protestiert

Dass die Anzahl der Teilnehmer überschaubar war, erklärte Seiffert damit, dass es sich ja nur um eine kleine Protestaktion und nicht um einen Streik handele. Ergo müsse der Betrieb in der Glasfabrik ganz normal weiterlaufen – und teilnehmen könnten somit nur jene Arbeitnehmer, die gerade Mittagspause oder Schichtende haben.

Die nächste und mittlerweile dritte Verhandlungsrunde in dem Tarifstreit zwischen der IG BCE und dem Bundesarbeitgeberverband Glas und Solar ist für Montag, 21. August, in Hannover angesetzt. wk

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