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Niedersächsischer Schatz

Obernkirchen / Auszeichnung Niedersächsischer Schatz

Klaus Merkle hat im Norden eine Zeitung ins Leben gerufen: Bürger schreiben für Bürger. Der „Bote“ aus der Heideregion schreibt über die Personalunion Hannover und London, die Theatergruppe Kirchlinteln und erklärt Redensarten. Alle paar Monate erscheint er, die nächste Ausgabe ist für Dezember geplant.

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Über die Literatur mal wieder ins Gespräch kommen: Bei Hannelore Eggelmann steht im Hofcafé eine Bücherkiste, aus der sich jeder bedienen darf.

Quelle: wk

Obernkirchen. In einem andern niedersächsischen Dorf haben sich Bürger zu einer Friedhofsgruppe zusammengeschlossen: Sie pflegen alle Gräber, bei denen die Hinterbliebenen weggezogen sind. Andernorts bauen die Landwirte, wenn das Getreide geerntet ist, auf dem Stoppelfeld eine Leinwand auf und laden zum Trecker-Kino ein.

 Und in Gelldorf hat Hannelore Eggelmann eine Bücherkiste erfunden: Dort darf sich jeder bedienen oder Bücher abgeben. „So kommt man über die Literatur auch mal ins Gespräch“, erklärt sie, als ihr Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer dafür eine Auszeichnung überreicht: Eggelmann gehört wie die anderen Preisträger zu den Teilnehmern eines landesweiten Projektes: „Dorfleben- Schätze.“ In 15 Workshops wurden in Niedersachsen Ideen und Aktionen zum Thema gesucht: Welche Zutaten benötigt man, um mit der Dorfbevölkerung im Gespräch zu bleiben und wieder neue verlässliche Partnerschaften für regelmäßige Treffen ins Leben zu rufen?

 Auf diese ungewöhnliche Schatzsuche machte sich die Arbeitsgemeinschaft „Urlaub und Freizeit auf dem Land“ und spürte dabei alte Bräuche, Traditionen sowie in Vergessenheit geratenes historisches uns soziokulturelles Wissen auf. So wurden insgesamt 71 „verborgene Schätze“ zusammengetragen: vom Pingstvoss in der Lüneburger Heide, über das Töddenhaus in Beesten, den Napoleonsweg in Ottendorf bis zu Gips im Harz, der mehr ist als weißes Pulver.

 Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft haben ein besonders Interesse daran, dass ihr Dorf lebendig bleibt, damit sich auch Gäste im dörflichen Umfeld wohlfühlen. Denn Landtouristen und Gäste von Bauernhofferien sind oft ein Garant für den Fortbestand der Dörfer und bringen Kaufkraft in den ländlich schwach strukturierten Raum.

 Doch wie kommt man auf dem Land ins Gespräch? Der zugezogene Städter, der gleich am ersten Abend am örtlichen Stammtisch Vorschläge unterbreitet, hat schnell ein Etikett weg: Besserwisser. Daher, meint Klaus Ludden, sollte man sich ein bisschen zurücknehmen. Denn auf dem Lande gibt es Regeln, niedergeschriebene und unausgesprochene. Aber es braucht Anlässe, um ins Gespräch zu kommen, sagt der Referent der katholischen Landvolkschule Oesede, dessen eigenes Projekt „Dorfgespräch“ heißt. Denn das Dorf war und ist Wirtschafts- und zugleich Lebens- sowie Freizeitraum. „Aber es braucht Anlässe, um uns zusammenzubringen“, sagt Ludden. So entfällt der Frühschoppen nach dem Kirchgang heute weitgehend, weil die Gotteshäuser immer leerer werden und es kaum noch eine Dorfkneipe gibt. Man brauche also „Anpassungsstrategien“, um die Gemeinschaft zu nutzen und zu stärken.

 Der ländliche Raum stehe kommunikativ vor großen Herausforderungen: Vor allem Landwirtschaft und Dorfgemeinschaft seien sich angesichts notwendiger Hoferweiterungen, moderner Stallbauten, energiewirtschaftlicher Vorhaben und anderer konfliktträchtiger Themen nicht immer grün. „Man weiß nicht mehr, was auf den Höfen passiert“, formuliert es Ludden. Daher sollten die Landwirte sich öffnen. Nicht unbedingt ein Tag der offenen Tür sei da die Lösung, von dem nicht mehr in Erinnerung bleibe als die Hüpfburg, sondern ein Dialogabend: „Die Leute müssen das ja danach nicht alles gut finden, aber sie verstehen, was der Landwirt da macht“, so Ludden. Auch sprachlich sollten sich die Landwirte etwas schulen. „Ferkelproduktion klingt ja nicht so toll.“

 Da die Landwirtschaft die Kulturlandschaften und dörflichen Lebensräume aber wesentlich präge, sei gegenseitiges Verständnis für ein dauerhaft erfolgreiches Zusammenwirken und Zusammenleben aller unbedingt erforderlich. Aber dazu müssen die Beteiligten die Wünsche und Bedürfnisse, Ängste und Zwänge des jeweils Anderen kennen.  rnk

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