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„Nur Dummheit pflanzt sich gratis fort“

Vortrag über Erich Kästner „Nur Dummheit pflanzt sich gratis fort“

Fragt man Gerhard Radtke nach dem Satz Erich Kästners, der ihn am meisten beeindruckt, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Vernunft muss sich ein jeder selbst erwerben, nur die Dummheit pflanzt sich gratis fort“, zitiert der 63-Jährige aus einem Gedicht des Schriftstellers, Publizisten und Drehbuchautors, der vielen Menschen vor allem durch seine großartigen Kinderbücher wie „Emil und die Detektive“, „Das doppelte Lottchen“ und „Das fliegende Klassenzimmer“ bekannt ist.

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„Vernunft muss sich ein jeder selbst erwerben, nur die Dummheit pflanzt sich gratis fort“: Gerhard Radtke liest aus Werken Erich Kästners.

Quelle: tw

Obernkirchen. Doch Bekanntes und oft „tot gelesenes“ ist es nicht, was Radtke im Sinn hat, wenn er zusammen mit Susanne Vogt für Donnerstag, 20. November, ab 18 Uhr im Rahmen der „Kreativ-Lust“-Reihe zu einer Kästner-Lesung in die Stadtbücherei am Marktplatz einlädt. „Mich“, sagt Radtke im Gespräch mit der Leiterin und dieser Zeitung, „interessiert stattdessen mehr der kritische Kästner, der sich selbst als der ,Urenkel der deutschen Aufklärung‘ verstanden und zeit seines Lebens das Schalten und Walten von fünf Systemen in Deutschland kommentiert hat – vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und die NS-Diktatur bis zur Besatzungszeit und schließlich zur Bundesrepublik.“

 18 bis 20 solcher Kästner-Stücke sind es, die der Obernkirchener während der etwa 90 minütigen Zeitreise bei freiem Eintritt vorstellen wird; sie endet mit einem Auszug aus dem 1949 erschienenen Kinderbuch „Die Konferenz der Tiere“, bei der Abgesandte aller Arten der Erde angesichts des jüngsten politischen Scheiterns der Menschen eine internationale Konferenz einberufen, um den Weltfrieden herbeizuführen. Dazwischen liegt Poetisches aus Kästners Gedichtband „Gesang zwischen den Stühlen“, in dem Kästner lyrische Betrachtungen zum Niedergang der Weimarer Republik anstellt, aus „Lärm im Spiegel“ und „Herz auf Taille“; aus Letzterem wird Radtke den „Nachtgesang des Kammervirtuosen“ vorstellen. „Das ist ein Gesang, der erotisch nicht ganz stubenrein ist“, wie der Obernkirchener weiß – und der Kästner seine erste Stelle als Redakteur der „Neuen Leipziger Zeitung“ kostete, weil es Beschwerden von Lesern über dieses schlüpfrige Gedicht gab. Kostprobe: „Du meine Neunte letzte Sinfonie! Wenn du das Hemd anhast mit rosa Streifen... Komm wie ein Cello zwischen meine Knie, und lass mich zart in deine Seiten greifen!“

 Im Gepäck hat Radtke bei seiner Lesung übrigens gleich eine ganze Reihe von Requisiten, die es ihm erlauben, auch optisch in die Rolle des einen oder anderen der Kästner-Protagonisten zu schlüpfen – etwa eines Streichholzjungen oder eines Kriegsblinden.

 Vertraut ist der Obernkirchener mit dem 1899 in Dresden geborenen Autor bereits seit 1999, als zu dessen „100.“ im Hanser-Verlag eine zehnbändige Werkausgabe erschien. Eine Gesamtausgabe des Mannes, der als Workoholic zeitgleich für bis zu neun Zeitungen schrieb, steht dagegen noch immer aus. „Ich habe Kästner oft in der Schule im Wahlpflichtkurs behandelt. Daraus entstand eine Theaterrevue, die der IGS Schaumburg im Jahre 2001 ein ausverkauftes Haus bescherte“, erinnert sich der pensionierte Pädagoge. „Seit seiner Pensionierung arbeitet Herr Radtke nun als Ehrenamtlicher in der Stadtbücherei mit, ist unsere erste männliche Eule“, freut sich Leiterin Susanne Vogt über den Zugang.

 Tipp: Wer sich die Kästner-Lesung während der letzten „Kreativ-Lust“ im Jahre 2014 nicht entgehen lassen will, sollte rechtzeitig kommen. Denn bei Radtkes Vorlesepremiere, die am 24. April dieses Jahre den Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch in den Blick genommen hatte, kamen sage und schreibe 28 Hörer – und ab etwa 40 kommt das Fassungsvermögen der Stadtbücherei an seine Grenze. tw

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