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Nutzen von Streuobstwiesen wurde lange verkannt

Obernkirchen / Vielfalt Nutzen von Streuobstwiesen wurde lange verkannt

Sagen wir es ehrlich: 2002 war ein echt doofes Jahr. Denn Äpfel gab es gar nicht, und die Pflaumen und Mirabellen wurden geklaut.

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Was der Frühling nicht sät, kann der Sommer nicht reifen, der Herbst nicht ernten und der Winter nicht genießen: Nabu-Vorsitzender Leonhard Hielscher pflanzt mit jungen Naturschützern auf der Streuobstwiese neue Bäume. Sind die Früchte reif, kann jeder mal vorbeischauen und probieren.

Quelle: rnk

Obernkirchen (rnk). Zehn Jahre später dürften die Umweltwichtel der Nabu-Ortsgruppe die damalige Enttäuschung überwunden haben, zumal die meisten Kinder, die sich heute in der Bergstadt auf der Streuobstwiese engagieren, zur damaligen Zeit noch gar nicht geboren wurden.

 Ein gutes halbes Dutzend Nachwuchs-Naturschützer sind es, die gemeinsam mit Nabu-Chef Leonhard Hielscher auf der Obstbaumwiese neue Bäume pflanzt. Rund 50 Bäume stehen hier, Hoch- und Halbstamm, aber auch manche Veteranen. Die Streuobstwiese am Stiftswald ist ein Projekt der Wichtel- Vorgängergruppe, der „Falkenaugen“. Denn die Nabu-Gruppe hat 1996 bei ihren Streifzügen durch die Natur „mit den Augen des Falken“, diese Wiese entdeckt. Dort waren viele junge Bäume nach einem strengen Winter vom Wild verbissen. Die Falken haben sofort gesehen, dass die Bäume Hilfe brauchen. Sie haben sich erkundigt, wem die Wiese gehört und fanden heraus, dass sie Eigentum der Stadt Obernkirchen war und die jungen Obstbäume einst von der Nabu Ortsgruppe gepflanzt wurden. Die Falkenaugen haben die Wiese von der Stadt zur Pflege übernommen. Sie haben die verbissenen Stellen mit Wundbalsam eingepinselt, die jungen Bäume mit Draht vor weiterem Verbiss geschützt, die Wiese regelmäßig gemäht und das Mähgut abgefahren und die Obstbäume regelmäßig geschnitten und auch die Baumscheiben der jungen Bäume vom Gras befreit.

 So ist es noch heute auf den Internet-Seiten der Umweltwichtel, die sich 2006 auflösten, nachzulesen, und das ist auch gut so, denn es weiß ja kaum einer: Streuobstwiesen wie hier am Stiftswald sind die Lebensräume Mitteleuropas mit der höchsten biologischen Vielfalt; es sind, wenn man so möchte, die heimischen Hotspots der Biodiversität. Über 5000 Tier- und Pflanzenarten und rund 3000 Obstsorten sind allein in Deutschland nachgewiesen.

 Ihr Nutzen wurde lange verkannt: Nachdem in den 60-er und 70-er Jahren viele hochstämmige Obstwiesen wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit der Motorsäge zum Opfer fielen und keine Neuanpflanzungen mehr vorgenommen wurden, hat seit rund 20 Jahren vor allem unter ökologischen Gesichtspunkten ein Umdenken stattgefunden; meist sind es Naturschutzvereine wie der Nabu Obernkirchen. 4000 bis 5000 Quadratmeter ist sie groß, die Wiese am Stiftswald, so ganz genau kann es Leonhard Hielscher gar nicht sagen. Es sind die alten Sorten, die hier gepflanzt und so ein bisschen dem Vergessen entrissen wurden. Vor allem Apfel, aber auch Birne, Kirsche, Pflaumen, Mirabelle oder Mispel, einem sommergrünen Baum mit krummem Stamm und breiter Krone, der essbare Früchte trägt.

 Bis vor drei oder vier Jahren haben die Umweltwichtel (mit ein bisschen Hilfe) hier sogar noch geerntet und das Obst zu Saft gepresst, aber auf die reparaturanfällige Obstsaftpresse können sie heute nicht mehr zurückgreifen, dafür haben sie im letzen Jahr eine Tischsaftpresse angeschafft. „Es ist sicherlich nicht die größte Obstbaumwiese“, sagt Hielscher, „sicher nicht, aber sie ist es wert, erhalten zu werden.“ Und dafür sucht er Helfer, denn die Bäume müssen regelmäßig beschnitten werden, denn hochstämmige Obstbäume sind langlebige Gehölze, die bei guter Pflege ein Ertrags- und Lebensalter von fünfzig bis einhundert Jahren erreichen. Die Ertragsphase bei diesen Obstgehölzen beginnt in der Regel ab dem siebten bis zwölften Standjahr und hat ihren Höhepunkt oft erst im Alter von 30 bis 50 Jahren. In den ersten Jahren nach der Pflanzung sollten Obsthochstämme einem straffen jährlichen Schnitt unterworfen werden, damit ihre Wüchsigkeit gefördert wird. Unterbleibt der Schnitt in den ersten Jahren, tragen die Bäume unter Umständen zwar schneller erste Früchte, kümmern allerdings im Wachstum und „vergreisen“ vorzeitig. Der regelmäßige jährliche Erziehungsschnitt in den ersten Jahren fördert nicht nur das Wachstum, sondern vor allem den Aufbau eines langfristig stabilen Kronengerüstes und die Entwicklung breiter, gut belichteter und belüfteter damit eben auch gut beerntbarer Baumkronen. Wer mithelfen möchte, kann sich beim Leonhard Hielscher melden: (05724) 6505, oder per E-Mail: leo.hielscher@nabu-obernkirchen.de.

 Übrigens: Weil viele Menschen gar nicht mehr wissen, wie alte Sorten schmecken, oder weil ihnen der Raum für eine Lagerung fehlt, hat Hielscher nichts dagegen, wenn man im Sommer mal vorbeikommt, um auf der Streuobstwiese das eine oder andere zu probieren. In diese Einladung eingeschlossen sind ganz ausdrücklich Kindergarten und Schule, denn mit dem Wissen um Naturschutz im allgemeinen und Streuobstwiesen im besonderen kann man gar nicht früh genug beginnen.

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