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„Was wir alles hatten“

Blick in Obernkirchener Blütezeit „Was wir alles hatten“

Vielleicht, so überlegt Gerda Voigt vor dem Start der Stadtführung, könnte man sie künftig an die allmonatlichen Termine im Trafohäuschen koppeln.

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Die südliche Wand der katholischen Kirche zeigt den Leidensweg Christi, geschaffen hat die Werke Josef Franke.

Quelle: rnk

Obernkirchen. Also erst um 16 Uhr eine Führung, und dann schließt um 18 Uhr das Kulturfenster jenen Ort auf, an dem es den ersten Strom für eine Stadt im Schaumburger Land gab.

Regelmäßige Stadtführungen gab es lange nicht mehr in Obernkirchen, nur Voigt und Renate Ernst bieten sie noch an. Das ist schade, weil die Menschen sich gerne erinnern möchten. Und so wird schon nach wenigen Minuten von einem Film über Obernkirchen erzählt, der im deutschen Haus 1954 seine Uraufführung erlebte, und vor allem von einen kündete: „Was wir alles hatten“, erklärt eine Bürgerin, „wie viel Leben in der Innenstadt war.“

Schon fallen Namen von ehemaligen Bäckereien, Drescher, Walter Starke, Otto Meier, Schuhmachermeister Otten, die Drogerie Hartmann, und eine weitere Bürgerin erzählt von ihrer Lehre in einem Betrieb, in dem sie auch für die Kasse zuständig war. Dumm nur, dass die Chefin sich dort immer flugs bediente, wenn sie Geld brauchte für einen Einkauf. Und abends regelmäßig ihren weiblichen Lehrling anraunzte: „Bei dir stimmt jeden Tag die Kasse nicht.“

Über die Alte Bückeburg, die den Ursprung der Stadt bedeutete, den Bischof von Minden, das Stift und die späte Reformation in Obernkirchen kommt Voigt auf das Jahr 1597 zu sprechen, als in der Bergstadt 30 Steinmetzfamilien lebten und die Arbeiter eine Zunft gründeten. „Es war eine Blütezeit der Stadt“, sagt die Gästeführerin, „es wurde viel gebaut, es wurde viel geändert.“ Die heimische Wirtschaft brummte.

Eine Kirche muss her

Aber Ärger gab es auch, etwa mit der Hansestadt Bremen, wo der Sandstein aus Obernkirchen nach acht Tagen Lagerzeit einen neuen Namen erhielt: Er wurde kurzerhand in Bremer Sandstein umgetauft. Kein schöner Zug.

Vogt bleibt mit den Gästen vor der katholischen Kirche stehen: 45 Katholiken lebten Mitte des 19. Jahrhunderts in Obernkirchen, und die Gemeinde wuchs, denn immer mehr Menschen zog es in die Bergstadt, wo es Ausbildung und Arbeit gab. Um 1900 wurde dann vom damaligen Pastor entschieden: Eine Kirche muss her.

Aus ganz Deutschland wurde gespendet, die Kirche wurde am 8. Juli 1908 geweiht. „Sie ist im neugotischen Stil erbaut“, erklärt Thea Hanke, die sich mit Voigt abwechselt. Noch immer beeindruckend in der St.-Josef-Kirche sind die vom heimischen Künstler Jupp Franke verfassten Wandwerke, die den Leidensweg Jesu zeigen.

Über den Bahnhof, den Parkplatz der Volksbank und durch die Bergamtsstraße geht es zurück zum Kirchplatz. Dort wird noch ein bisschen länger stehen geblieben, denn Voigt bietet ab und zu auch eine Führung über den Skulpturenweg an.

Die beiden letzten Treffen am Trafohäuschen fielen aus, weil das Häuschen saniert wird. Unterm Strich bleibt folgende Erkenntnis: Es wäre wünschenswert, wenn es wieder eine Stadtführung geben würde; denn dabei handelt es sich um ein schönes Angebot. rnk

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