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Obernkirchenerin legt Buch vor

Aus der Zeit hinter der Mauer Obernkirchenerin legt Buch vor

Was erwartet man vom Leben? Sicherlich Gesundheit, Liebe, Glück und Frieden? Aber was ist das alles wert, wenn man in einem Staat aufwächst, der seine Bürger bespitzelt und in dem es kein Recht auf persönliche Freiheit gibt? Cornelia Zoels, die seit 2014 in Obernkirchen lebt, hat ein solches Unrechtssystem erlebt. Weil sie nicht im Strom mit schwamm, hatte die Staatssicherheit der ehemaligen DDR kräftig in ihr Leben eingegriffen.

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Cornelia Zoels präsentiert ihr erstes Buch. Das positive Echo könnte sie ermuntern, ein zweites folgen zu lassen. sig

Obernkirchen. Die Brandenburgerin fühlte sich auch von ihren Eltern nicht so geliebt, wie sich das jedes Kind wünscht. Das alles zusammen dürfte der Auslöser dafür gewesen sein, dass Zoels zur Feder griff und ein Buch schrieb mit dem Titel „Hinter der bunten Mauer“.

 Die Autorin dieses sprachlich gelungenen Erstlingswerkes hat nicht nur ein lebendiges Gedächtnis, sondern verfügt auch über die nötige Phantasie, sich ihren Weg ins Leben vorzustellen, als das kindliche Gedächtnis noch einem unbeschriebenen Blatt glich.

 Als ihr Vater die Genehmigung erhielt, seine im Westen lebende Mutter zu besuchen, kam er verändert zurück. Die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede der beiden Staaten hatte er deutlich wahrgenommen. Schier übermächtig wurde deshalb in ihm der Wunsch, die DDR zu verlassen. Der erste Schritt dazu war der Verkauf des Familiensitzes und der Wohnortwechsel nach Berlin. Verständnis dafür konnte der Vater bei Zoels und ihren Geschwistern kaum erwarten. Als die Eltern schließlich den Ausreiseantrag stellten, begann die große Veränderung im Leben der damals Zwölfjährigen. Noch heute ist sie davon überzeugt, dass ihren Eltern die Tragweite dieses Entschlusses nicht klar sein konnte.

 Natürlich wurden auch die Arbeitsstätten der Eltern und die Schule über den Ausreiseantrag informiert. Das hatte Folgen für die ganze Familie, auch für die Kinder. Die bekamen deutlich schlechtere Noten und wurden schon in diesem Alter wie Staatsfeinde behandelt. Die Chance, das Abitur abzulegen und zu studieren, war für Zoels dahin. Damit konnte sie sich auch nicht ihren Berufswunsch erfüllen, Lehrerin zu werden. Eines Tages wollten sich ihre Eltern in Berlin in die Obhut der Botschaft der Bundesrepublik begeben. Das Vorhaben misslang aber, weil der Vater kurz davor von Stasi-Agenten festgehalten wurde. Schließlich wurden beide in der DDR inhaftiert.

 Zoels kam in ein Kinderheim, und die Eltern wurden nach ihrer Verhaftung lange Zeit den Repressalien der Stasi ausgesetzt, bis sie schließlich aus dem Land ausgewiesen wurden. Als die Autorin 25 Jahre alt war, fiel die Mauer. Es gab keine festen Familienbande mehr. Zu den in Bayern lebenden Eltern, die sich einst ohne sie in den Westen absetzen wollten, besteht kein Kontakt mehr.

 Was sich in jenen schicksalhaften Jahren in dem Leben von Cornelia Zoels ereignet hat, schildert sie anschaulich und realistisch in dem Buch. Ihre erste Autorenlesung hat die Schriftstellerin am Freitag, 24. April, um 20 Uhr in Bad Oeynhausen im Begegnungszentrum in der Kaiserstraße 14. Der Eintritt ist frei. Spenden werden dem Kinderschutzbund zur Verfügung gestellt. sig

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