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Per „Bomwagen“ an die Weser

Vortrag in Obernkirchen Per „Bomwagen“ an die Weser

Seit Jahrhundert schon wird auf dem Bückeburg Sandstein abgebaut und als Baumaterial in viele Länder exportiert. Angesichts der heutigen technischen Möglichkeiten stellt der Transport der unterschiedlichen Produkte – so etwa Fassadenplatten, Blockstufen, Pflastersteine und dekorativen Zwecken dienende Landschaftssteine – kein Problem dar.

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Michael Ströhmer

Quelle: wk

Obernkirchen. Wie aber gelangte der Obernkirchener Sandstein vor 100 und mehr Jahren vom Steinbruch zu den Kunden? Antworten auf diese Fragen haben Wissenschaftler der Universität Paderborn während eines Fachvortrages gegeben, zu dem die Gesellschaft für Denkmalpflege in Niedersachsen ins Stift eingeladen hatte.

 Der Transport über Land erfolgte über einen historischen Straßenverlauf vom Steinbruch über Buchholz nach Steinbergen und von dort dann an die Weser – und zwar entweder nach Rinteln oder nach Kohlenstädt, berichtete der Wirtschaftshistoriker Michael Ströhmer.

 Dabei seien beim Überlandtransport unter anderem so genannte „Bomwagen“ zum Einsatz gekommen. Bis zu 1,80 Meter breite Einachser-Pferdeanhänger mit einer langen Deichsel wie sie damals auch in der Forst beim Transport von Baumstämmen verwendet worden seien. Wie genau dies vonstatten gegangen war, dies habe man – insbesondere das, was das Be- und Entladen der „Bomwagen“ betrifft – mangels entsprechender alter Aufzeichnungen allerdings noch nicht restlos erforscht.

 Mittels eines speziellen Computerprogramms können die Wissenschaftler, so Ströhmer, an digitalen 3D-Modellen aber diverse Verladesituationen darstellen und experimentell durchspielen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Durch Zeitdokumente belegt ist dagegen, dass der Preis für den Obernkirchener Sandstein damals nicht nach dessen Gewicht berechnet wurde, sondern dass die drei Kategorien „Bomwagen“, „Flechtenwagen“ und „Karre“ als Verrechnungseinheit dienten. Und dementsprechend hatte es auch drei unterschiedliche Bootsgrößen gegeben, mit denen der Transport auf dem Wasserweg bewerkstelligt wurde.

 Doch auch hinsichtlich des Verladens in die Boote an Umschlagplätzen wie etwa in der Weserstadt Rinteln fehle es bislang leider an historischen Schriftstücken, die Auskunft über die Verladeart geben, erklärte der Wirtschaftshistoriker. Daher sei man „auf Analogschlüsse angewiesen“, um herauszufinden, wie beispielsweise eine Verladung mittels Kran funktioniert haben könnte.

 Derzeitiger Wissensstand: Die Kräne waren vermutlich sogenannte „Derrickkräne“, um das Gewicht der Sandsteine tragen und die Sandsteine seitlich vom Land aufs Boot oder – beim Entladen an den Zielorten respektive anderen Umschlagplätzen – vom Boot ans Land schwenken zu können.

 Basierend auf einem bei Dörverden an der Weser gefundenen historischen Weserlastkahn mitsamt Sandsteinladung gehen die Forscher zudem davon aus, dass es damals möglich war, den Obernkirchener Sandstein in bestimmten Konfigurationen zu bestellen, ergänzte Ströhmer. Dabei sei das „Fußmaß“ eine Standardnorm in der „Präfabrikation“ gewesen. wk

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