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Obernkirchen Stadt Putzier gibt Praxis auf
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Putzier gibt Praxis auf
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00:17 13.01.2017
Wer die Nachfolge von Rüdiger Putzier antritt, steht noch nicht fest. Quelle: Symbolfoto (dpa)
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Obernkirchen

Außerhalb der Sprechzeiten verweist eine Ansage auf umliegende Praxen und Notfallnummern. Eine Angestellte hält dort zeitweise noch die Stellung, um Anrufer über die Situation zu informieren. Sie ist allerdings nicht befugt, Erklärungen über den Verbleib des Arztes oder Hintergründe der abrupten Praxisaufgabe zu geben. Für Anfragen dieser Zeitung stand Putzier nicht zur Verfügung. Die Gerüchteküche brodelt. Verhandlungen mit möglichen Nachfolgern für den Praxisbetrieb seien angelaufen, hört man.

Obernkirchen jetzt schon überlastet

Ahmet Cetindere, Vorsitzender des Ärztevereins Schaumburg, habe schon vor etwa vier Wochen über Kollegen erfahren, dass der Allgemeinarzt im Umfeld seiner Zunft auslotet, wer seine Praxis übernehmen könnte. „Die Chancen dafür stehen allerdings schlecht. Die Kollegen in Obernkirchen sind jetzt schon überlastet. Das Problem des Ärztemangels auf dem Lande wird sich noch weiter verschärfen, wenn nicht mit Förderung gegengesteuert wird“, meint Cetindere.

Dass Putzier, der in der Ärzteschaft einen „guten Ruf“ genieße, ohne jede Rücksicht die Zelte abgebrochen hat, kann sich der Vereinsvorsitzende nicht so recht vorstellen. Cetindere vermutet eher, dass sein Kollege sein Vorhaben zumindest mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsens (KVN) abgestimmt hat.

„Es waren vorher schon einige Plätze vakant“

Die KVN-Bezirksstelle Hannover informiert mit Verweis auf den Datenschutz nicht näher über den Status Putziers. Für Übergangslösungen oder die Zukunft der Obernkirchener Praxis sei die Vereinigung nicht zuständig. „In den letzten zweieinhalb Jahren sind im Planungsbereich Stadthagen neun praktizierende Ärzte ausgefallen, zwei Todesfälle waren darunter. Es waren also vorher schon einige Plätze vakant“, erklärt Bernhard Specker, Geschäftsführer des Bezirks. „Wir sind dennoch dringend daran interessiert, dass die Praxis wieder besetzt wird“, so Specker.

Um die prekäre Versorgungslage zu entschärfen, werde die KVN in Kürze auch Geld in die Hand nehmen: „Bis Februar prüfen wir Fördermaßnahmen, mit denen Praxisärzte Investitionszuschüsse und eine zweijährige Umsatzgarantie bekommen können“, sagt Specker. Zudem versuche der Verband, noch in diesem Jahr eine Kooperation mit dem Klinikum Schaumburg für ein Weiterbildungspaket auf den Weg zu bringen, um mehr junge Ärzte auf dem Land zu unterstützen. geb

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