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Rathaus-Umbau: Kosten werden sich verdoppeln

Obernkirchen / Höhere Kosten Rathaus-Umbau: Kosten werden sich verdoppeln

Es dauert genau eine Blattseite, dann befindet sich das politische Gremium in einer Art Schockstarre. Diese eine Seite blättern die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt um – und dann fällt ihr Blick auf eine Zahl rechts unten. Die hat es in sich, weil sie verrät, um wie viel teurer der Rathausumbau wird. 20 Prozent? 50 Prozent? Nein, viel schlimmer: Er wird genau doppelt so viel Geld verschlingen wie ursprünglich geplant, 1,4 Millionen statt 700 000 Euro.

Von Frank Westermann
Obernkirchen. Eine Verdoppelung, befindet Horst Sassenberg (CDU), „das ist verdammt happig“. Und Wilhelm Mevert (SPD) fragt sich, „was wir falsch gemacht haben“. 140 Millionen würde für ein Klinikum ausgegeben, eine Summe, die nicht mal um vergleichsweise läppische 100 000 Euro überschritten werden dürfen – und der Rathausumbau dagegen falle doppelt so teuer aus wie geplant: „Irgendwo haben wir die Weichen falsch gestellt.“ Mevert war verärgert, sehr verärgert: „Wann ist das festgestellt worden? Bei Baubeginn sind wir von 600 000 Euro ausgegangen, heute kriegen wir diese Summe – und können nichts mehr tun, haben keine Einflussmöglichkeit und müssen das fressen. So kann man mit einem Bauherrn nicht umgehen.“ Mevert sah Erklärungs- und Erläuterungsbedarf, und zwar schriftlich, er befand: „Wir hätten einen Baustopp machen müssen.“

Architektin Tatjana Hallmann erwiderte, dass die ursprüngliche Planung sich im Grunde auf ein ganz anderes Gebäude bezogen habe. Das sah auch Bürgermeister Oliver Schäfer so, der in der gesamten einstündigen Debatte unerschütterlich an der Seite der Architektin standhielt: Falsche Unterlagen, falsche Statik, falsche Wände – das alles konnte man nicht erahnen. Im Rathaus habe man massive Versäumnisse vom Keller bis zum letzten Obergeschoss vorgefunden – in den Unterlagen waren massive Wände verzeichnet, in der Realität fand sich eine Wand aus Holz. Die Bauausführung der vergangenen 100 Jahre stimme mit dem tatsächlichen Zustand nicht überein, bekannte Schäfer, aber: „Ich will mich nicht drücken“, viele kleine Dinge hätten eine große Summe ergeben.

Und, ganz generell: „Alle im Rat haben gewusst, dass hier etwas auf uns zukommt.“
Das mochte auch Sassenberg nicht bestreiten, aber: „Dann hätten uns die Fachleute doch sagen müssen, ihr macht euch was vor.“ Mit 20 Prozent Überschreitung habe er ja gerechnet, sicher, aber doch nicht mit 100 Prozent: „Dann hätten wir das Gebäude doch dem Museum geschenkt und wären ins Bornemann-Gebäude gezogen.“ Eine Äußerung, die Sassenberg selbst als „etwas polemisch“ einstufte, aber: „Das ist jetzt alles vorbei, jetzt können wir nur diesen Weg gehen“ – nämlich die Hand zu heben für die Verdopplung der Baukosten, denn die von Schäfer ins Spiel gebrachte Alternative überzeugte nicht so recht: Der Keller bleibt weiter feucht, in drei Jahren wird das Dach erneuert, die Westfassade wird nur über zwei Stockwerke verputzt. Der im Handwerklichen durchaus als Fachmann anzusehende Krainhäger Thomas Mittmann (SPD) stärkte Schäfer den Rücken: „Es gab viele, viele Sachen, die konnte man vorher nicht sehen. Das Rathausgebäude war viel Schein und wenig Sein.“ Thomas Stübke (Grüne) meinte, es seien wohl Planungsfehler gemacht worden, er selbst hatte ja nach der Begehung des Gebäudes in der vorigen Sitzung prophezeit, dass sich die Kosten wohl verdoppeln würden. Es klang, als hätte Stübke auf diese Punktlandung gerne verzichtet.

Die weiterführenden Aufträge sind noch nicht ausgeschrieben, erklärte anschließend Schäfer in einer ausklingenden Debatte, im nächsten Monat wird sich der Finanz- und danach der Verwaltungsausschuss mit der Materie befassen. Schäfer fordert dazu auf, klar zu sagen, welche Maßnahmen anders ausgeführt oder gar gestrichen werden sollen. Man muss kein Prophet sein: Viele Vorschläge wird es nicht geben.
Bei der sich anschließenden Schadensbegrenzung stand eine Frage im Mittelpunkt, die Mevert aufwarf: Gibt es noch Bereiche, die nicht erfasst wurden? Muss mit weiteren Kosten gerechnet werden, die bis jetzt nicht bekannt sind? Mevert formulierte es mit Blick auf die 1,4 Millionen: „Wie groß ist die Realitätsnähe dieser Summe?“ Architektin Hallmann blieb die Antwort nicht schuldig: Die meisten Überraschungen würden erfahrungsgemäß im Baukörper liegen, das Risiko, dass man etwas übersehen habe, sei gering. Es war eine Einschätzung, der sich Schäfer ausdrücklich anschloss.

Sassenberg nahm sich anschließend noch einmal die Zahlen vor und wurde fündig: Eingeplante 80 000 Euro für Malerarbeiten, das sei doch ganz schön happig. Er hoffe, dass die Ausschreibung erkennbar günstigerer Ergebnisse bringe. Tatjana Hallmann erwiderte, dass eben alle Wände gespachtelt werden müssten, auf den ersten Blick seien 80 000 Euro ganz schön viel, keine Frage, aber mit den Flächen eines gewöhnlichen Neubaus sei dies nicht vergleichbar: Die glatten Wände könnten nicht einfach tapeziert werden, da halte keine Tapete. Und nicht vergessen werden dürfe, dass hier „immense Wandflächen“ vom Keller bis zum dritten Geschoss anfallen würden.

Mehrheitlich empfohlen wurden die Kosten abschließend, nur Heinrich Struckmeier (CDU) enthielt sich, Stübke stimmte kommentarlos dagegen. In den nächsten Tagen will der Bürgermeister beim Landrat vorsprechen, im nächsten Monat soll ein Finanzierungsplan vorgelegt werden. Sassenberg hatte zuvor, ein bisschen resigniert und fatalistisch, verkündet, dass er davon ausgehe, dass die Summe aufgebracht werde: „Geld scheint ja immer da zu sein – auch wenn es dann Schulden sind.“

Ein Nachtrag: Einen Tag nach der Sitzung verschickt Architektin Hallmann eine E-Mail, in der sie alle Ausschussmitglieder und die Verwaltungsspitze darüber informiert, „dass die darin enthaltenen Kosten für die unvorhergesehenen Baumaßnahmen sich auf circa 60 000 Euro belaufen. Der Anteil der restlichen rund 630 000 Euro fällt auf zusätzliche Baumaßnahmen.“ Auf die Notwendigkeit dieser Baumaßnahmen, so Hallmann weiter, „haben wir bereits in der Vorentwurfsplanung im Jahr 2007(!) hingewiesen und in den damals vorgestellten Sanierungskonzepten 2007/2008 die Kosten für neue Dacheindeckung, neue Wand-, Decken- und Fußbodenbeläge, Kellersanierung, neue Heizungsanlage, neue Elektro-, EDV-, Telekommunikationsanlage usw. berücksichtigt (!).“ Ihrer „Hinweispflicht“ als Fachfrau habe sie „damit rechtzeitig und umfassend erfüllt.“ Und: „Die Entscheidung, vor dem Baubeginn auf diese Maßnahmen zu verzichten und deren Wiederaufnahme in die Ausführung während der Bauphase liegt daher nicht im Verantwortungsbereich meines Büros.“

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