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Rechte Schmierereien ziehen sich durch die Innenstadt

Obernkirchen / Vandalismus Rechte Schmierereien ziehen sich durch die Innenstadt

Sie sind nicht zu übersehen: Unfassbar viele rechte Schmierereien ziehen sich durch die Stadt.

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Obernkirchen (rnk). Eine blaue Spur von gesprayten Parolen und sonstigen ungewollten Verzierungen, deren Weg man genau verfolgen kann, zieht sich spätestens seit der Nacht auf den 20. April, dem Geburtstag Adolf Hitlers, durch die Innenstadt: Von der neuen Stiftsmauer prangt aufgesprüht in Riesenlettern „Nationaler Widerstand“, über die Wand des Bergfriedens ist „Antifa den Kampf ansagen“ zu lesen, es geht bis zu den Skulpturen am Kirchplatz: Das beim Symposium 2006 entstandene Gewand vor der Kirche zeigt die Aufschrift „INRI stirb“, die stolze Tutani-Frau hat blaue Brustwarzen bekommen, über dem Durchgang zum Bornemannplatz steht „good night, left side“ und an vielen anderen Orten sind ähnliche Parolen zu sehen – zu viele, um sie alle anzugeben.

Seit etwa drei, vier Wochen ist zudem immer öfter die Schablonensprayerei „frei-sozial-national“ flächendeckend auf Wänden und Elektrokästen der Innenstadt zu finden.

Ob die gezielte Zerstörung, das Zertrümmern der blauen Lichtleiste am Kirchplatz mit den Namen der Symposiumsteilnehmer auch in diesem Rahmen passiert ist, weiß niemand, zeitlich passen würde es aber.

Außerdem schlicht nicht zu zählen sind die in der Innenstadt verteilten Aufkleber mit rechten Inhalten: „Sommer, Sonne, Widerstand“ heißt es etwa, andere unterstellen einen Zusammenhang zwischen Sexismus und Ausländern.

„Ich kann eine Häufung an Schmierereien in Obernkirchen nicht bestätigen“, erklärt auf Anfrage Gabriela Milke als Pressesprecherin der Polizeidirektion Nienburg. Beim Staatsschutz seien lediglich drei Anzeigen aktenkundig: zwei gegen rechte und eine gegen linke Schmierereien. So seien schon im Januar in der Bornemannstraße zum Bornemannplatz rechte Parolen an weiße Hauswände geschmiert worden. Der Schaden betrage 500 Euro, Schriftzüge und Symbole seien der rechten Szene zuzuordnen.

Im März gab es einen Anzeige, weil in der Lindenstraße ein Zigarettenautomat mit einem Hakenkreuz beschmiert wurde. Der Schaden: 113 Euro.

Drittens wurde im April in der Bornemannstraße eine weiße Gebäudewand mit roter und schwarzer Farbe beschmiert, der Schaden betrage 500 Euro. Zu lesen sind die Schriftzüge „Alerta, Alerta Antifa“ und „Soziale Revolution“. Antifa ist eine Abkürzung des Begriffes Antifaschismus. Das Motto „Alerta, Alerta Antifascista“ (Alerta = Alarm, Vorsicht) verweist auf den italienischen Ursprung der antifaschistischen Bewegung: Als Antifaschisten wurden in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Gegner des faschistischen Diktators Benito Mussolini bezeichnet.

Empört ist auch die evangelisch lutherische Familiengruppe über die zunehmenden Schmierereien und Aufkleber mit nationalsozialistischem Inhalt in der Stadt. „Auf einer Skulptur neben der Kirche fanden wir die Worte ,INRI stirb‘ aufgesprüht.“ INRI ist lateinisch und steht für „Jesus Nazarenus Rex Judaeorum – Jesus von Nazareth, König der Juden.“ Weiter im Brief heißt es: „Während der Nazi-Diktatur hieß das: Juda, verrecke! Wir möchten Kirchengemeinde und Stadt Obernkirchen auffordern und unterstützen, gegen die Verursacher Anzeige zu erstatten.“ Zu den Unterzeichnern gehört auch Herbert Schwiegk. Er ist bekanntlich Pastor in der Bergstadt und hat gestern bei der Polizei Strafanzeige im Namen des Kirchenvorstandes erstattet.

Einen Rat, wie man mit den unerwünschten Schmierereien am besten umgeht, hat Polizeisprecherin Mielke auch: „Möglichst schnell beseitigen.“

Das ist aber gar nicht so einfach, wie Äbtissin Susanne Wöbbeking zu berichten weiß. Die Farbe hält sich hartnäckig auf Sandstein (auch auf dem Gewand vor der Kirche ist das noch deutlich zu erahnen), aber mit einem Reinigungsmittel ist dem Stiftsmauer-Schriftzug nicht beizukommen, wie sich gezeigt hat. Kurz hat die Äbtissin über die Möglichkeit nachgedacht, die Mauer künftig mit Kameras überwachen zu lassen, was aber an deren Länge scheitern würde. Das Stift hat jedoch am Mittwoch Strafanzeige erstattet. Auch eine fünfte Strafanzeige soll es geben, aber sie war gestern in Nienburg bei der Polizei noch nicht bekannt.

Auch die Stadt hat reagiert und die Besitzer der verschmierten Gebäude angeschrieben. Man habe, so Bürgermeister Oliver Schäfer, darum gebeten, die Schmierereien zu entfernen.

Natürlich sei das richtig unbefriedigend, räumt Schäfer sofort ein: Erst werden einem die Wände beschmiert, dann muss man auch noch Geld in die Hand nehmen, um alles zu entfernen.

Schäfer weist auf ein anderes Problem hin: Jede Schmiererei zieht sehr, sehr häufig auch weitere nach sich.

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