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SPD-Fraktion zu Besuch in der Hauptstadt

Obernkirchen / Rat SPD-Fraktion zu Besuch in der Hauptstadt

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, lautet ein geflügeltes Wort von Matthias Claudius. Das denkt sich auch die kürzlich in die Hauptstadt gefahrene SPD-Fraktion des Obernkirchener Rates: Sie wird das „Stadtparlament“ gemeinsam mit ihrem WIR-Gruppenpartner am heutigen Mittwoch darum bitten, dass Bürgergast Ingrid Mandel am kommenden Montag für zehn Minuten Rederecht vor den Bildungs-und Kulturpolitikern bekommt.

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Auch das gehört zum Berlinbesuch: SPD-Fraktionsmitglieder und Partner aus der Bergstadt posieren vorm Brandenburger Tor.

Quelle: pr.

Obernkirchen. Es geht um die evangelische Gesamtschule Berlin-Mitte. Die nämlich hatten sich die Genossen angesehen – und sind jetzt schwer beeindruckt. Mandel: „Lehrer, Schüler, Eltern und Wissenschaftler ringen um kreative Verbesserungen bei der Wissens- und Wertevermittlung. Beispiele können anregen – und auch in unserer Stadt eine breite Diskussion entfachen.“

 Der Hintergrund: Die SPD-Fraktion im Stadtrat hatte es auf ihrer Fraktionsfahrt diesmal nach Berlin verschlagen. Auf dem Plan stand selbstverständlich auch ein Besuch des Deutschen Bundestags – „wobei wir allerdings den Eindruck hatten, dass die Obernkirchener Kommunalpolitiker die einzigen Politiker dort waren“, berichtet Oliver Keller schmunzelnd. Der Vizefraktionschef: „Abgeordnete des Deutschen Bundestags suchte man wegen des Bundestagswahlkampfes in Berlin nämlich vergebens.“

 Interessant sei die Visite dennoch gewesen. So hatten die Bergstädter zum Beispiel erfahren, welche hohen Wellen kleine Schreibfehler bei einer Rede im Bundestag schlagen können. „Deshalb“, so Keller, „wird jede Rede im Bundestag auch heute noch von vier Stenotypisten mitgeschrieben. Jeder Redner muss anschließend die notierte Rede prüfen und gegenzeichnen.“ Der Grund dafür wurde den SPD-Politikern während der Führung durch den Bundestag auch gleich erläutert. Keller: „Man stelle sich vor, die Kanzlerin oder der Kanzler würde sagen: ,Ich habe in Moskau liebe Genossen.‘“Bereits das würde für hinreichend Schlagzeilen sorgen. „Man stelle sich aber vor“, so Keller weiter, „jemand würde nun ,liebe‘ groß und ,Genossen‘ klein schreiben – dann hätte er ein Problem.“

 Fast noch mehr als der Bundestag aber hat die Bergstädter die evangelische Gemeinschaftsschule Berlin-Zentrum beeindruckt. „Das dort vertretene Schulkonzept gilt als ,Leuchtturm‘ einer modernen Schulpädagogik“, so der Vizefraktionschef. Ein wesentlicher Faktor sei die konsequente Rücknahme des klassischen Frontalunterrichts und die Stärkung des eigenverantwortlichen Arbeitens der Schüler.

 Das Motto der Schule lautet: „Vielfalt macht stark.“ So etwas klinge natürlich immer gut – aber funktioniert das in der Praxis? „Ja“, sagte Schulreferent Hausner – und stellte den Kommunalpolitikern die tägliche Arbeit mit den Schülern anhand von Beispielen vor. So berichtete eine Lehrerin von ihren Erfahrungen an einer „normalen“ Schule im Vergleich zu ihrer jetzigen Tätigkeit, und auch zwei Schülerinnen kamen zu Wort und erklärten den Schulablauf aus ihrer Sicht.

 Keller: „Auffälliger Unterschied ist ein großer Anteil von Projektgruppen (genannt ,Lernbüro‘), die die Schüler zum überwiegenden Teil eigenverantwortlich bestimmen können.“ Natürlich werde auch dort der Lernerfolg am Ende durch Tutoren kontrolliert. An der Schule würden alle Bildungsabschlüsse angeboten. Nach Auskunft der Schulleitung hätten die Schüler bis dato stets einen sehr guten Leistungsdurchschnitt erzielt.

 Interessant für die Bergstädter war auch ein Zusatzprojekt, das alle zwei Jahre von den Schülern bestritten werden muss. Es nennt sich „Herausforderung“. „Die Schüler sollen sich dabei zu kleinen Gruppen zusammen finden und sich selber eine ,Herausforderung‘ überlegen, die sie meistern wollen“, so der Obernkirchener. Vorgegeben sei, dass das Projekt drei Wochen dauert, nicht zu Hause und nicht bei Verwandten oder Bekannten stattfindet und jeder Schüler dafür nur 150 Euro hat. Geld verdienen dürften die Schüler übrigens nicht. Ein Hotelurlaub falle damit schon mal flach.

 Keller: „Die Schülerinnen erzählten von ihrer letzten Herausforderung. Sie waren in der Schweiz, haben drei Wochen auf einer Alm verbracht und das Leben einer Bauernfamilie kennengelernt.“ Das sei anstrengend gewesen, allein die Hin- und Rückfahrt mit der Bahn habe 75 Euro gekostet (die Hälfte des Budgets für drei Wochen). Nur gut, dass beide ihre „Mutkarten“ dabei gehabt hätten; die erhalte jeder bereits am ersten Schultag. Beeindruckend sei gewesen, mit welchem Selbstbewusstsein die Schülerinnen ihre Erfahrungen vorgetragen hätten. Doch: „Die Stärkung des des Selbstvertrauens ist ja gerade der Grund, weshalb wir solche Projekte durchführen“, zitiert Keller den Schulreferenten. tw

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