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SPD-Urgestein geehrt

Obernkirchen SPD-Urgestein geehrt

In der Obernkirchener Sozialdemokratie hat der Name „Bartels“ einen guten Klang. Man denke an Adolf Bartels, der 17 Jahre die Geschicke der Stadt lenkte oder an Fritz Bartels, der 1905 den Ortsverein mitbegründet hat.

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Die „Enkel“-Generation ehrt den „Opa“: Wilfried Bartels, Ilona Dettmer (geborene Bartels) und Adolf Bartels vor dem Gedenkstein.

Quelle: mig

Obernkirchen. Ein und lange überfälliger (Familien)-Gedenkstein soll jetzt an die Verdienste von „Opa Fritz“ und seiner Ehefrau Charlotte erinnern.

 Schon im Jahr 1905 hatte der überzeugte Sozialdemokrat („Er war stolz auf den ersten sozialdemokratischen Kanzler, Friedrich Ebert, und hatte immer ein Bild von ihm über dem Sofa hängen“) maßgeblich dazu beigetragen, dass in Obernkirchen ein Ortsverein der SPD gegründet wurde. Die Mitglieder rekrutierten sich aus der Arbeiterschaft (Glasfabrik Schauenstein, Steinbrüche, Bergbau), viele waren gewerkschaftlich organisiert. Bis 1914 hatte sich der Ortsverein Obernkirchen zu einem der bedeutendsten im Schaumburger Land entwickelt, was auch ein Verdienst des Vorsitzenden Fritz Bartels war.

 Nach dem Ersten Weltkrieg und der Novemberrevolution begann der Wiederaufbau und erneut wurde Bartels zum Vorsitzenden des Ortsvereins gewählt. Die Machtübernahme der Nazis 1933 hatte für ihn und andere Sozialdemokraten schwerwiegende Folgen. Noch vor dem Reichstagsbrand wurden Fritz Bartels, Wilhelm Hormann und Heinrich Behme in Haft genommen; später kamen alle drei in das am 11. April 33 eröffnete Konzentrationslager Moringen. „Seine unermüdliche politische Arbeit hat dazu geführt, dass er nach der Machtergreifung durch die Nazis verhaftet und in das KZ Moringen verbracht wurde“, ist auf dem Stein zu lesen. Fritz Bartels starb am 20.12. 1960.

 Die Enthüllung des Gedenksteines fand genau am 134. Geburtstag des Sozialdemokraten statt. Wilfried Bartels, Adolf Bartels und Ilona Dettmer (geborene Bartels) enthüllten den Stein im Namen der „Enkel-Generation und aller Nachfahren“. Er freue sich, dass „Abkömmlinge aller Generationen heute vertreten sind“, sagte Wilfried Bartels, der mit seiner Familie im Haus des „Opas“ wohnt. Besonders freute sich Bartels aber über die Anwesenheit von Manfred Eßmann, „der als der aktuelle Vorsitzende des SPD-Ortsvereins der 12. Nachfolger Opas ist.“

 Fritz Bartels, führte sein Enkel aus, sei 42 Jahre lang Vorsitzender gewesen, „mit Unterbrechungen während der Nazizeit und auch da bestanden heimliche Kontakte.“ Aber auch Wilhelm Mevert und Adolf Bartels seien früher einmal Vorsitzende des SPD-Ortsvereins gewesen. „Es sind also drei Nachfolger anwesend , einer davon sein Enkel Adolf. Darauf wäre unser Opa besonders stolz gewesen, erst recht aber darüber, dass Adolf von 1984 bis 2001 Bürgermeister dieser Stadt war und sie hervorragend repräsentiert hat.“ Für die Errichtung des Steines sieht Bartels vor allem zwei Gründe als maßgeblich. Zum einen Dankbarkeit, „dass es unsere Großeltern, Fritz und Charlotte Bartels, unter schwierigen finanziellen Bedingungen geschafft haben, für sich und ihre fünf Kinder dieses Haus zu bauen.“ Zum anderen, die politischen Aktivitäten des Großvaters mit den leidvollen Konsequenzen während der Nazizeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.“ In diesem Zusammenhang will Bartels den Stein als „Hingucker-Gedenkstein“ verstanden wissen. Sprich: „Der Stein soll alle, die uns im Garten besuchen, zum Nachdenken anregen“, gab der Enkel zu verstehen. Und weiter: „Der Stein vermittelt ein Stück Familiengeschichte, auf das wir heute noch stolz sein können. Stolz, weil in unserer Familie kein Platz für Nazis war und wir uns nicht für unsere Vorfahren schämen müssen.“ Der Stein trägt die Aufschrift: „Zur Erinnerung an unsere Großeltern Charlotte und Fritz Bartels“.

 Eine Frage aber bleibt: wäre eine öffentliche Würdigung nicht angebracht? Wilfried Bartels ging in seiner Ansprache auch auf dieses Thema ein. So habe die Umsetzung der Idee schon im vorigen Jahr Gestalt angenommen, „als die SPD 150 jähriges Jubiläum feierte.“ Sein Cousin Adolf Bartels sei damals nach einem Besuch in wernigerode auf ihn zu gekommen, weil er dort eine Straße entdeckt hatte, die nach einem führenden Gründungsmitglied und langjährigen Vorsitzenden des dort ebenfalls 1905 gegründeten SPD Ortsvereins benannt worden war. „Diese Daten, die dort zur Ehrung eines verdienten Sozialdemokraten geführt hatten, trafen genau auf unseren Opa zu“, gab Brandt zu verstehen. Da eine Straßenbennennung oder sonstige öffentliche Widmung keine persönliche Sache sei, habe man das Anliegen an den SPD Ortsvorstand heran getragen, „der nach unseren Vorstellungen die weitere Initiative übernehmen sollte.“ Und weil in absehbarer Zeit keine Straßenbenennung angestanden habe, habe man einen „konkreten sehr bescheidenen Vorschlag gemacht, der keinen Anlieger betroffen hätte.“ Alternativ habe man auch die Aufstellung eines Gedenksteins vorgeschlagen, „unter Beteiligung an den Kosten.“ Leider sei die Initiative trotz des 150-jährigen Jubiläums auf wenig Interesse bei den Genossen gestoßen „und ohne ein einstimmiges Votum wollten wir die Angelegenheit nicht im Rat zerreden lassen.“ Dass der Stein jetzt aufgestellt worden ist, führt Wilfried Brandt auch auf sein fortgeschrittenes Alter zurück. „Wir wollten einfach nicht mehr warten.“

 Eßmann, Chef des SPD-Ortsvereins Obernkirchen, versprach, sich über eine Ehrung Gedanken zu machen. „Wir werden das bei einer künftigen Straßenbenennung im Hinterkopf haben, wenn sich die Möglichkeit ergibt, machen wir das.“ Als Eßmann die über 100 Jahre alte Fahne des Ortsvereins aufhängte, wurde es ganz still. „Die hat Adolf und alle Vorsitzenden begleitet“, sagte Eßmann bewegt. mig

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