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Satire-Fachtagung zum Thema Karikatur

Obernkirchen Satire-Fachtagung zum Thema Karikatur

Mit einem Plädoyer für Meinungs- und Pressefreiheit ist die von der Schaumburger Landschaft ausgerichtete Fachtagung „Visuelle Satire. Deutschland im Spiegel politisch-satirischer Karikaturen und Bildergeschichten“ eröffnet worden.

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Sigmund Graf Adelmann (links), Maxi Schweitzer und Dietrich Grünewald werben für den Comic in Deutschland.

Quelle: mig

Obernkirchen/Landkreis. Die dreitägige Veranstaltung nimmt die Rolle der Karikatur in den Blick – historisch und in der Gegenwart.

Der Comic wird in Deutschland immer noch stiefmütterlich behandelt. Umso wichtiger sind Veranstaltungen wie diese zum 150. Jubiläum von Max und Moritz. Mit Blick auf gesellschaftliche Debatten, mit Blick aber auch auf den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ und die Mohammed-Karikaturen – kurzum: Es gibt viel zu debattieren und zu diskutieren.

Was darf ein Karikaturist? In welcher Rolle sehen Karikaturisten sich selbst? Und aus Anlass des 25. Jubiläums der deutschen Wiedervereinigung: Wie ist der deutsche Humor in Ost und West beschaffen? All diesen Fragen wollen die rund 40 Teilnehmer an drei Tagen nachgehen. Ein spannendes Symposium, das gut in die beschauliche Atmosphäre des Stiftes Obernkirchen passt. Zu sprechen kam Landrat Jörg Farr bei seinen Grußworten auch auf das Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung und die Anschläge auf „Charlie Hebdo“: „Die Meinungsfreiheit eines Staates ist immer auch ein Gradmesser für die Freiheit eines Landes.“

Es folgte der Eröffnungsvortrag „Schluss mit lustig? Karikatur und Satire in schwierigen Zeiten“, der von Gisela Vetter-Liebenow, der Direktorin des Wilhelm-Busch-Museums in Hannover, erarbeitet worden war. Verlesen wurde der Text von Dietrich Grünewald, da Vetter-Liebenow wegen einer Erkrankung zu Hause bleiben musste. Den Anfang machte eine Karikatur von Ronald Searle – ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. Zu sehen ist ein „Hofnarr“ (der Karikaturist), der den Erdball geißelt. Vetter-Liebenow charakterisiert seine Aufgabe so: „Der Karikaturist betrachtet es als seine Aufgabe, den Finger in die Wunde zu legen und dabei auch zu übertreiben und zu verzerren.“

Diese Karikatur unterstreiche die Bedeutung, die die Karikatur für sich beanspruchen könne. Dass diese Form der Satire viele Gegner hat, zeigt sich im Anschlag auf das französische Magazin „Charlie Hebdo“. Danach, so Vetter-Liebenow, habe es zwar zahlreiche Stimmen gegeben, die die Grundrechte verteidigt hätten, es habe aber auch Stimmen gegeben, die fragten, ob das nicht schon zu weit gehe.

Man werde auf der Tagung auch der Frage nachgehen, „ob wir nicht schon längst wieder die Schere im Kopf haben“. Ähnliche Erfahrungen hat übrigens schon Wilhelm Busch gemacht. Sein Strip „Der Heilige Antonius von Padua“ kam bei einem Teil seines Publikums gar nicht gut an – sogar von „Herabwürdigung der Religion“ war die Rede.

Dass wir heute ganz andere Maßstäbe an eine Karikatur anlegen, zeigte auch eine Karikatur von Napoleon, dessen Kopf ein englischer Zeichner auf eine Mistgabel setzte. „Stellen Sie sich das mal mit dem Kopf von Bush oder Putin vor. Würde das heute gedruckt? Wohl nicht.“

Für Ralf König stand jedenfalls nach dem ersten Streit um Mohammed-Karikaturen fest: „Wenn der Westen da nicht dagegenhält, ist bald Schluss mit der Meinungsfreiheit.“ Für Vetter-Liebenow steht deshalb fest: „Ob Ralf König oder die Zeichner von ,Charlie Hebdo‘ – kompromisslose Zeichner stehen heute immer öfter in der Kritik, da Religionskritik oftmals mit Religionsfeindlichkeit gleichgesetzt wird.“ Man müsse nicht die Meinung des Karikaturisten teilen, „aber man muss ohne Einschränkung das Recht auf freie Meinungsäußerung verteidigen“. Ein Zeichner habe es einmal so ausgedrückt: „Wenn man erst mal anfängt, gegenüber einer Gruppe vorsichtig zu sein und gegenüber einer anderen nicht, dann ist es schon vorbei mit der Meinungsfreiheit.“ Noch besser hat es Kurt Tucholsky in einem Aphorismus zusammengefasst: „Was darf Satire? Alles!“ mig

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