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Schikaniert und überwacht

DDR-Zeitzeugen-Programm Schikaniert und überwacht

Als die in der DDR aufgewachsene Cornelia Zoels nach der Wende ihre Autobiografie „Hinter der bunten Mauer“ geschrieben hat, da hat sie nicht ahnen können, wie sich diese Geschichte weiterentwickeln würde.

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Lehrerin durfte Cornelia Zoels in der DDR nicht werden, aber als „Zeitzeugin“ kann die heute in Obernkirchen lebende Buchautorin nun doch mit Schülern arbeiten.

Quelle: wk

OBERNKIRCHEN. Nach etlichen Lesungen, in denen sie ihr Erstlingswerk vorgestellt hat, und entsprechenden Buchverkäufen sind zwei Berliner Institutionen an die Wahl-Obernkirchenerin herangetreten, die sich mit der Geschichte des Arbeiter- und Bauernstaates befassen.

Zum einen ist dies das „Zeitzeugenbüro“ der „Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“, zum anderen ist es der Verein „Deutsche Gesellschaft“, der sich der Förderung politischer, kultureller und sozialer Beziehungen in Europa widmet. Für beide Organisationen hat Zoels mittlerweile bereits als Zeitzeugin Schulen besucht, um dort über ihre Erfahrungen zu berichten, die sie in der DDR gemacht hat. In jenem Staat, dessen Staatssicherheitsdienst sie, ihre drei Geschwister und ihre Eltern jahrelang überwachte und schikanierte, nachdem ihre mit den Lebensverhältnissen in der DDR nicht einverstandenen Eltern einen Antrag auf Ausreise in den Westen gestellt hatten. Deswegen wurden die Eltern inhaftiert – und Cornelia Zoels, seinerzeit 16 Jahre alt, wurde in ein Kinderheim gesteckt. Damit nicht genug, konnte sie aufgrund fehlender Systemtreue weder in dem von ihr geliebten Handballsport Karriere machen, noch ihren Berufswunsch, Lehrerin zu werden, verwirklichen. Stattdessen durfte sie an einer Fachhochschule für Elektrotechnik und Maschinenbau eine Ausbildung zur „Facharbeiterin für städtischen Nahverkehr“ absolvieren und beispielsweise Straßenbahnen reparieren.

Versucht das Beste drauß zu machen

Gebrochen war und ist Zoels wegen dieser beiden geplatzten Träume und anderer Schwierigkeiten, die ihr die Stasi bereitete, jedoch nicht: „Ich sehe das Ganze positiv, denn dadurch, dass ich einen technischen Beruf gelernt habe, konnte ich mir die Antenne für den Empfang des verbotenen West-Fernsehens selber bauen.“

Es war ihr Humor, gepaart mit ihrem in jungen Jahren rebellischen Wesen gegenüber dem Unrechtsstaat, der sie nicht verzweifeln ließ. Allerdings wird bei ihren unterhaltsamen Lesungen deutlich, dass es kein Spaß war, als Staatsfeind der DDR angesehen zu werden. In ihrem Buch bezeichnet die heute 52-Jährige die sie und ihre Familie drangsalierenden Stasi-Mitarbeiter denn auch abfällig als „Hunde“, da diese willfährig dem Ministerium für Staatssicherheit gedient hätten.

Es ist dieser Mix aus belastenden Begebenheiten und lockerer, mit Witz gespickter Schilderung, der es leicht macht, Zoels zuzuhören, wenn sie von ihren Erlebnisse in der DDR erzählt. Für das „Zeitzeugenbüro“ der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat sie mittlerweile bereits eine Schule in Göttingen besucht und für den Verein Deutsche Gesellschaft Schulen in Braunschweig und Paderborn.

Interessierte Schüler

Die Resonanz seitens der Schüler sei „sehr positiv“ gewesen, berichtet die Autorin. Viele interessierte Fragen seien ihr von den Schülern gestellt worden, die zum Teil auch persönliche Erlebnisse von ihren ebenfalls in der DDR groß gewordenen Eltern beigesteuert hätten.

Besonders intensiv sei die Auseinandersetzung mit diesem Thema bei den mehrtägigen Projekten, die der vom Bundesministerium für Familie geförderte Verein Deutsche Gesellschaft an den Schulen ausrichte. Während dieser Seminare würden sich die Schüler unter der Anleitung eines vom Verein gestellten Referenten in die Materie einarbeiten, um dann gegen Ende des Projektes ein gemeinsames Gespräch mit einem Zeitzeugen zu führen.

Was sie an dieser Aufgabe reizt? „Mir ist wichtig, dass die Zeit der DDR nicht vergessen wird“, erklärt Zoels. Denn Demokratie und Freiheit seien keine Selbstverständlichkeit. Daher lohne es sich, sich aktiv für den Erhalt dieser beiden Errungenschaften zu engagieren. Außerdem habe sie ursprünglich ja Lehrerin werden sollen, und durch die „Zeitzeugen“-Einsätze habe sie nun die Möglichkeit, mit Schülern zu arbeiten.

Bleibt noch zu erwähnen, dass Zoels heute hauptberuflich beim Jugend-Jobcenter in Hannover (ab August 2016 beim Jobcenter Hameln) beschäftigt ist und im Rahmen dieser Tätigkeit jungen Menschen hilft, in Lohn und Brot zu kommen. wk

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