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Schlosserei Bornemann wird nächstes Jahr 200 Jahre alt

Fast nichts hat sich verändert Schlosserei Bornemann wird nächstes Jahr 200 Jahre alt

 Der Schritt aus dem hochsommerlich hellen Hof in die Dunkelheit der ehemaligen Bornemann-Schmiede ist zugleich ein Eintritt in eine längst vergangene Zeit. Im kommenden Jahr besteht diese historische Werkstatt bereits 200 Jahre – und viel verändert hat sich dort in der Zwischenzeit nicht.

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Berthold Kasprik hat das Schmiedefeuer schnell in Gang gebracht.

Quelle: sig

Obernkirchen(sig).  „Ja, wir haben noch etwas dazubekommen, das zu einer alten Schmiede passt, aber im Grunde ist hier alles so geblieben, wie es früher einmal war“, stellte Jürgen Brandt fest. Er gehörte einst als Offizier zur Heeresfliegerwaffenschule in Achum und kümmert sich seit etlichen Jahren ehrenamtlich um die historische Werkstatt. Ihm zur Seite steht Berthold Kasprik, der einst bei einem großen heimischen Betrieb in der Metallverarbeitung tätig war. Auf seiner Visitenkarte steht ganz bescheiden als Berufsbezeichnung „Schmied“.

 Darunter verstand man früher einen Huf- und Wagenschmied, ohne den kein Dorf auskommen konnte. In Obernkirchen soll es gleich mehrere davon gegeben haben, berichtete Kasprik. Pferdefuhrwerke sind längst von Traktoren mit gummibereiften Anhängern abgelöst worden. Übrig geblieben ist deshalb nur der Hufschmied, der aber auch nur noch vereinzelt vorkommt, denn längst nicht jeder Landwirt hat heute noch ein Pferd – bestenfalls zum Ausreiten.

 Die beiden Männer in der alten Bornemann-Schmiede haben trotzdem ihren Spaß daran behalten, interessierten Gruppen oder auch einzelnen Besuchern zu zeigen, wie früher in einer solchen Werkstatt gearbeitet wurde. Natürlich gibt es hier nach wie vor ein Schmiedefeuer, aber das wird jetzt nicht mehr mit einem Blasebalg angefacht, sondern mithilfe eines Elektromotors.

 Die zu bearbeitenden Eisenstäbe werden schon nach kurzer Zeit rot glühend und können dann auf dem stählernen Amboss mit einem schweren Hammer in die gewünschte Form gebracht werden. Fast wie Musik hört sich der Zweiklang an, wenn beide Männer Eisen bearbeiten. Der Klang erinnert an die berühmte Amboss-Polka.

 Das Durchbohren dicker Eisenplatten oder -stäbe war früher zeitraubender als heute. Aber es war möglich, wie Brandt und Kasprik den Besuchern mithilfe alter hand- oder fußgetriebener Geräte zeigen.

 Die Redaktion wollte wissen, wer denn die Gelegenheit nutzt, sich einmal anzuschauen, wie es noch im vergangenen Jahrhundert in einer Schmiede zuging. Das seien vom Kindergarten bis zu den Ruheständlern alle Altersklassen, lautete die Antwort. Bei einem Ferienangebot für Kinder haben die beiden Männer mit ihren jungen Gästen Vogelkästen gebaut, die man mit Eisenstäben befestigen kann.

 Für dieses Engagement gibt es auch immer wieder Lob von den Besuchern, selbst in schriftlicher Form, wie ein Brief beweist, der in einem Nebenraum ausliegt. Dort befinden sich auch eine Meisterurkunde, ein Gesellenbrief, verschiedene andere Dokumente, Bilder sowie einige kleinere Geräte.

 Für Ausbildende aus metallverarbeitenden Berufen ist dieser „Blick zurück“ besonders interessant, zeigt er ihnen doch, welche großen Fortschritte beim Verarbeiten von Eisen und Stahl gemacht wurden.

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