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Obernkirchen Stadt Schönheit der Frau in Stein gehauen
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Schönheit der Frau in Stein gehauen
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18:45 02.09.2015
Ein Magier am Sandstein: Tutani Mgabazi ist ein Könner seines Metiers. Quelle: wk
Obernkirchen

Ein neuer Ansatz in der Kunstszene ist dies freilich nicht, denn von der Bildhauerei über die Malerei bis hin zu etwa der Fotografie haben sich bekanntermaßen schon seit jeher unzählige Kreative dieses Themas angenommen. Was bei Tutanis perfekt gearbeiteten und überaus ästhetischen Werken allerdings interessant ist und sie zu etwas Besonderem in der breiten Masse der übrigen Frauen-Bildnisse macht, ist sein persönlicher Bezug: Tutani wuchs nämlich seit seinem 13. Lebensjahr ohne seine Mutter auf, da diese – so verrät er – seinen Vater verlassen hatte. Die üblicherweise intensive, emotionale Beziehung, die naturgemäß zwischen einem Kind und dessen leiblicher Mutter besteht, hat für ihn also allein schon aus diesem Grund eine spezielle Bedeutung. Dabei geht es ihm nach eigenen Angaben nicht darum, in seinen Skulpturen Verlustängste zu verarbeiten. Auch sollen seine Skulpturen nicht seine eigene Mutter darstellen. Vielmehr möchte er den hohen Wert, den er der Mutter-Kind-Beziehung beimisst, in seinen Kunstobjekten zum Ausdruck bringen und in diesem Kontext auch die Schönheit der Frau als solches preisen. Wobei es „zwei Arten der Schönheit“ gibt, betont Tutani: die „physische“ (äußerliche) und die „spirituelle“ (innere) Schönheit.

Bei dem derzeit in der Bergstadt laufenden 10. Internationalen Bildhauer-Symposium Obernkirchen (IOBS) setzt der hoch talentierte Afrikaner, dessen Werke bereits in der „National Gallery of Zimbabwe“ in Harare (Simbabwe) ausgestellt wurden, als er selbst noch zur Schule ging, einmal mehr sein Lieblingsthema um. Und zwar vom Motiv her in Form einer aus Sandstein gehauenen schwangeren Frau, die durch das Auflegen ihrer Hände auf ihren Bauch und in sich versunken liebevoll mit ihrem ungeborenen Baby kommuniziert. „Wir alle sind aus dem Bauch unserer Mütter gekommen und dann als Babys von den Brüsten unserer Mütter genährt worden“, sagt Tutani. Und dies erkläre auch, warum die Verbindung eines Kindes zur Mutter in der Regel immer stärker sei als die zum Vater, wenngleich dieser natürlich ebenfalls geliebt werde. Die Hauptperson im Leben eines jeden Menschen bleibe aber stets die eigene Mutter, denn diese habe einem das Leben geschenkt.

Weitere Informationen zur Vita des Künstlers sind einem beim IOBS verteilten Informationsblatt respektive der Homepage www.tutani-arts.com zu entnehmen: Demnach wurde Tutani am 1975 in Mvurvi (Simbabwe) geboren. Während der Schulferien, die er gerne bei seinem Onkel Francis Mgavazi, einem „anerkannten Bildhauer der ersten Generation“, verbracht hat, lernte er unter dessen Anleitung schnell das Handwerk der Steinbildhauerei. Bereits als Zwölfjähriger gestaltete er dort Skulpturen, die von Galeristen gekauft wurden, die eigentlich seinen Onkel besucht hatten.

Im Alter von 15 Jahren zog Tutani dann auf Initiative seines Vaters in das von dem südafrikanischen Künstler Tom Blomefield in Simbabwe gegründete Künstlerdorf Tengenenge, wo er seine Bildhauer-Fertigkeiten weiter verfeinerte. 1994 suchte sich Tutani „ein neues Umfeld, in dem er ohne Beeinflussung anderer, frei für sich arbeiten konnte“. Fündig wurde er nahe der Kleinstadt Mutorashanga, wo er sich ein Stück Land pachtete, da es dort den aus seiner Sicht besten „Springstone“ (Serpentin) Simbabwes gibt, den er in einer eigenen Mine abbaut.

Seit einigen Jahren betreibt Tutani zudem ein Studio in der Stadt Mvurwi, in dem er eigene Werke und Exponate befreundeter Künstler präsentiert. wk

Zu Musik von „Cowhouse“ und bei Wein, Bier und Bratwurst findet morgen, Freitag, 4. September, ab 19 Uhr auf dem Kirchplatz die vom „Kulturfenster“ veranstaltete „Lange Nacht der Steine“ statt. Dazu werden die Skulpturen des 10. IOBS illuminiert.