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Schrei nach Aufmerksamkeit

Obernkirchen Schrei nach Aufmerksamkeit

Wenn Kinder und Jugendliche immer wieder durch ihr schlechtes Sozialverhalten auffallen, indem sie etwa aggressiv sind oder den Schulunterricht stören respektive schwänzen, sind deren Eltern oftmals mit der Lösung dieser Probleme überfordert.

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Florian Burger-Freund (rechts) und Kooperationspartner Michael Hamfler betreuen verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche.

Quelle: wk

Obernkirchen. Zumal die Gründe dafür, dass sich junge Menschen in die falsche Richtung entwickeln, nicht selten in den betroffenen Familien selbst zu finden sind.

 „Wenn sich ein Kind schlimm verhält und aufbegehrt, dann ist das ein Schrei nach Aufmerksamkeit“, sagt Florian Burger-Freund (34), der in Obernkirchen die ambulante Kinder- und Jugendhilfe „Freund & Helfer“ betreibt. Ursächlich könne beispielsweise sein, dass die Eltern-Kind-Beziehungen zu kurz kommen. Sei es, weil beide Eltern berufstätig sind und deswegen zwangsläufig nur wenig Zeit für ihren Nachwuchs haben oder weil sie sich mehr um ihre eigenen Freizeitinteressen kümmern. Mögliche Gründe für die Vernachlässigung von Kindern seien aber auch Arbeitslosigkeit, Bildungsferne, Alkohol- und Drogenmissbrauch der Eltern sowie „instabile Familiensysteme“ (beispielsweise alleinerziehende Mütter mit gegebenenfalls häufig wechselnden Partnern).

 Bei Jungen mache sich in letztgenanntem Fall mitunter noch das Fehlen von väterlichen Vorbildern negativ bemerkbar, zumal sie auch in den von Frauen dominierten Kindergärten und Grundschulen kaum oder keine männlichen Rollenvorbilder vorfinden. Aber, betont der Experte, was die Auswirkungen der oftmals nicht besetzten oder nur unzureichend ausgeübten Väterrolle betrifft, mache es keinen Unterschied, ob es sich um eine bildungsferne Familie handele oder um einen wohl-situierten Akademikerhaushalt.

 So unterschiedlich die Fälle aber auch sind, die Burger-Freund (Bachelor im Bereich Sozialarbeit) im Auftrag des Jugendamtes des Landkreises lösen soll, die grundsätzliche Herangehensweise ist immer gleich: „Das Annehmen und Akzeptieren des Gegenübers ist eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit.“ Zudem müsse man den jeweiligen Menschen „da abholen, wo er steht, und auf dem Weg begleiten, den er vorgibt“.

 Haben die betroffenen Familien respektive Kinder selbst bereits erkannt, dass sie ein Problem haben, sei dies eine gute Voraussetzung, auf der man aufbauen könne. Oft müsse man bei den „Klienten“ aber erst ein Problembewusstsein wecken und ihnen klar machen, dass sich etwas ändern muss, bevor man ihnen helfen kann. Abhängig vom individuellen Unterstützungsbedarf laufe eine Beauftragung seitens des Jugendamtes einige Wochen, bisweilen aber auch mehrere Jahre. Wobei junge Menschen laut Gesetz bis zur Vollendung ihres 21. Lebensjahres einen Anspruch auf solch eine Betreuung im Rahmen der Jugendhilfe haben – im Ausnahmefall auch länger.

 Kooperationspartner von Burger-Freund ist Michael Hamfler (38), der sich als Heilpädagoge und psychologischer Berater ebenfalls im Oktober 2013 im Bereich der freien Jugendhilfe selbstständig gemacht hat. Obwohl in Aerzen wohnhaft, ist auch er für das Jugendamt des Landkreises Schaumburg tätig.

 In diesem Berufsfeld als „Einzelkämpfer“ zu bestehen, sei nicht gerade leicht, erklärt Hamfler. Deshalb biete die Zusammenarbeit mit Burger-Freund den Vorteil, dass man sich gegenseitig etwa im Urlaubs- oder Krankheitsfall vertreten könne. Denn üblicherweise gebe ein erteilter Betreuungsauftrag auch eine bestimmte Anzahl von Stunden pro Woche vor, die mit dem verhaltensauffälligen Kind oder Jugendlichen gearbeitet werden müsse.

 Von der konzeptionellen Ausrichtung seiner Dienstleistung und der „handwerklichen“ Vorgehensweise her macht Hamfler („HEIB – Heilpädagogische Individuelle Betreuung“) im Prinzip das Gleiche wie Burger-Freund. Allerdings geht er bei der Forschung nach den Ursachen für die Verhaltensauffälligkeiten seiner Klienten mitunter noch weiter in die Vergangenheit der betroffenen Familien zurück, um aufgrund der dabei gewonnen Erkenntnisse eine Problemlösung herbeizuführen.

 Teilweise sogar bis in die Zeit vor der Geburt eines etwa häufig aggressiven Jugendlichen. Denn ein Auslöser für solche Verhaltensauffälligkeiten könne zum Beispiel eine unbewusste Ablehnung des Jugendlichen seitens dessen alleinerziehender Mutter sein, die seinerzeit eine schlechte Beziehung zu dessen leiblichem Vater gepflegt hat und damit verbundene Probleme auf das möglicherweise sogar ungewollte Kind projiziert. Die „Biografische Diagnostik“ – so der Fachjargon für diese Form der heilpädagogischen Anamnese – sei eine besondere Herausforderung, so Hamfler. wk

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