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Obernkirchen Stadt Schüsse am Golfplatz
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Schüsse am Golfplatz
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00:17 01.01.2018
Mit solch einem Ausmaß der Verwüstung wie im September soll jetzt Schluss sein. Quelle: Archiv
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Obernkirchen

Ende September hatte eine Rotte auf einem halben Dutzend Bahnen erhebliche Schäden verursacht. „Das war damals schon massiv“, erinnert sich Nickel. Die Schwarzkittel richteten einen Schaden in Höhe von fast 10.000 Euro an. Zwar konnte trotz der großen Wildschäden an den Rasenflächen weitergespielt werden. Dennoch hatte der ungebetene Besuch der Wildschweine Auswirkungen auf die Arbeit des Vereins. So konnten sich die vier Greenkeeper des Klubs fast nur noch um die Schäden und weniger um den Platz kümmern. Die Ausbesserung der Schäden ist zudem nicht billig. „Wir müssen Spezialsamen und Hochleistungsdünger verwenden. Dadurch entstehen hohe Kosten“, sagt Nickel. Schließlich sei der Rasen auf dem Golfplatz kein gewöhnlicher.

Der Golfclub nahm Kontakt mit Jagdpächter Frank Linke und dem Landkreis Schaumburg auf – mit Erfolg. Kurz darauf stellte der Landkreis eine Ausnahmegenehmigung zur „Bejagung“ der Golfplatzflächen aus. „Aufgrund der extremen Wildschäden auf dem Gelände des Golfclubs Schaumburg wurde eine Erlaubnis zur beschränkten Jagd zunächst bis zum 31. Dezember erteilt“, sagt Landkreissprecher Klaus Heimann. In der Zeit von 21 bis 5 Uhr durften die zuständigen Jagdberechtigten in dem Bezirk jagen.

Zaun verlängert und verstärkt

Der Golfclub traf zusätzlich eigene Schutzmaßnahmen. „Wir haben jetzt den Zaun entlang des Waldrandes verlängert und mit Drähten verstärkt“, erklärt Nickel. Zuvor habe das Schwarzwild einfach den Zaun überrannt oder sich andere Stellen zum Durchschlüpfen gesucht. „Das kann jetzt nicht mehr passieren“, sagt Nickel. Zusätzlich haben die Greenkeeper an den Stellen, wo Wege die Zäune kreuzen, Gitterroste in den Boden gelegt. „Die Roste schließen somit die Lücke zwischen den Zäunen an Wegen“, so Nickel. Die Idee zu den Gitterrosten sei zusammen mit Jägern entstanden. Man habe sich dort beraten lassen, bestätigt Nickel. „Wildschweine gehen nicht über die Gitter. Fußgänger mit einem Trolley oder Kinderwagen und Fahrradfahrer können die Gitterroste problemlos überqueren“, erklärt Nickel das Prinzip.

Für die Schutzmaßnahmen seien Kosten in fünfstelliger Höhe angefallen. Viel hätten die Greenceeper aber in Eigenleistung erledigen können. „Die Gitterroste haben sie selbst gebaut“, sagt Nickel. Die Roste hätten zudem den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu Toren billiger seien, so Nickel.

Der Aufwand scheint sich zu lohnen. „Seit wir die Zäune verstärkt und die Gitterroste installiert haben, ist uns zum Glück weiterer Wildschwein-Besuch erspart geblieben“, sagt Nickel zufrieden. „Spaziergänger haben mir berichtet, dass es außerhalb unseres Zaunes eindeutige Wildschweinspuren gibt. Das zeigt, dass der Schutz funktioniert.“

Ausnahmeerlaubnis für weitere Jagd

Ob die Bejagung des Golfplatzes einen Erfolg gebracht hat, stehe noch nicht fest, sagt Landkreissprecher Heimann. „Die Untere Jagdbehörde hat die Abschusszahlen angefordert. Noch liegen sie nicht vor.“ Bis Ende des Jahres darf noch gejagt werden. Für eine weitere Bejagung müsste die Ausnahmeerlaubnis zunächst vom Landkreis verlängert werden. „Ein Antrag auf eine Verlängerung der Schießerlaubnis liegt der Unteren Jagdbehörde jedoch nicht vor“, so Heimann. Frank Linke ist Revierleiter der Jagdgenossenschaft Obernkirchen/Liekwegen/Krainhagen/Röhrkasten. „Wir haben am Rande des Golfplatzes gejagt und drei Wildschweine erlegt, darunter war auch ein Keiler“, zieht Linke im Gespräch mit unserer Zeitung Bilanz.

Auf dem Golfplatz selbst sei die Jagd nicht möglich gewesen. Zu groß sei dort die Begrenzung gewesen, nur an bestimmten Stellen habe man jagen dürfen. Eine weitere Jagd in dem Gebiet ist nach seiner Einschätzung nicht sinnvoll. Er vermutet, dass die Wildschweine in ein ganz anderes Gebiet gezogen sind. Es könnte sein, so Linke, dass „die Leitbache, die die Rotte anführt, in ein anderes Gebiet des Bückeberges gelaufen ist, weil sie kein Fressen in Obernkirchen gefunden hat“. Dann würden die anderen Wildschweine hinterherlaufen, so Linke. „Überwiegend halten sich die Schweine gern im Auetal auf, da ist das Nahrungsangebot sehr gut.“ Die Zahl der Wildschweine sei in diesem Jahr sehr hoch, jedoch nicht höher als in den Vorjahren, so Linke.

Nickel hofft, dass die Tiere auch in Zukunft dem Golfplatz fern bleiben. leo

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