Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Selbst viele Leerstände machen ihn nicht überflüssig

Obernkirchener Spiegelscheiben-Versicherungsverein zieht Bilanz Selbst viele Leerstände machen ihn nicht überflüssig

Wohl auch, weil die Innenstadt immer leerer wird, gehen dem Spiegelscheiben-Versicherungsverein Obernkirchen die Mitglieder aus. Waren es Anfang der achtziger Jahre noch etwa 80, sind es jetzt nur noch 38, darunter ein Dutzend Privatleute. „Leider wird die Zahl kontinuierlich weniger“, sagt der ehrenamtliche Geschäftsführer Hartmut Drygala.

Voriger Artikel
Dauerausstellung des Reifensteiner Verbandes
Nächster Artikel
Gästeführerin stellt jüdischen Friedhof im Uhlenbruch vor

„Spiegelscheiben“ gibt es im Zentrum der Bergstadt – wie hier an der Friedrich-Ebert-Straße – genug.

Quelle: tw

Obernkirchen. Wer den Spiegelscheiben-Versicherungsverein ob seines etwas merkwürdigen Namens für eine Kuriosität hält, liegt falsch. Der Mitte der zwanziger Jahre von Geschäftsleuten der Bergstadt gegründete Verein hat bis heute eine wichtige Funktion: die Spiegel- und die großen Schaufensterscheiben der örtlichen Ladengeschäfte zu versichern. Für wenig Geld, was damals in Zeiten wirtschaftlicher Unruhe ein gutes Argument für den Eintritt war. Später erhielten auch Privatpersonen die Möglichkeit, Bruchschäden an Tür- und Fensterscheiben ihrer Gebäude über den Verein abzusichern, was durchaus wahrgenommen wurde. Dass die Zahl der Mitglieder gleichwohl kontinuierlich weniger wird, hat vor allem mit dem langsamen Niedergang von Obernkirchen als Einkaufsstadt zu tun. Statt in der Bergstadt einzukaufen, fahren viele Leute heute lieber nach Minden, Stadthagen oder Hannover. Der Verein merkt das vor allem an der Zahl seiner Mitglieder, wie Drygala, ausführt. „Das Problem ist, dass leer stehende Gebäue oft mit einer Inventarversicherung versichert werden. Da ist die Versicherung der Fenster schon drin.“ Wer dieses „Rundumwohlfühl-Paket“ habe, brauche keine Versicherung mehr vom Spiegelscheiben-Versicherungsverein-

 Eigentlich schade, denn die Leerstände machen den Verein keinesfalls überflüssig. Denn auch wenn die Geschäfte ungenutzt sind: Schaufenster können immer zu Bruch gehen. Laut Drygala wird das Risiko sogar größer, wenn der Laden leer steht. Für den Besitzer kann das bedeuten, dass Versicherungsunternehmen solche Objekte überhaupt nicht annehmen oder wenn, dann nur mit satten Aufschlägen. Ein Unterschied, den der Spiegelscheiben-Versicherungsverein nicht mache.

 Ein anderer Vorteil ist die Preisstruktur des kleinen Vereins. Verglichen mit den Tarifen großer Versicherungsunternehmen, ist der Schutz beim Spiegelscheiben-Versicherungsverein günstiger zu haben, rechnet der Vorstand vor. So ist pro Quadratmeter zu versichernder Glasfläche in den ersten sechs Jahren der Mitgliedschaft jährlich ein einstelliger Euro-Betrag (einschließlich Versicherungssteuer) zu zahlen. Weitere Beiträge fallen nicht an. Erst wenn der Kassenstand des Vereins aufgrund der Begleichung der im Laufe eines Jahres anfallenden Schäden unter 4000 Euro sinkt, setzt wieder eine Beitragspflicht ein. Die aber erneut ruht, sobald dieser Grenzwert überschritten ist. Reicht das Geld des Vereins nicht aus, um alle Schäden zu begleichen, kann es zu einer erhöhten Nachschusspflicht kommen, die jedoch nicht für Neumitglieder in den ersten sechs Beitragsjahren gilt.

 Wie der Verein einen so preiswerten Beitrag anbieten kann? Im Gegensatz zu den großen Versicherern sind seine Verwaltungskosten extrem niedrig. Drygala führt die Geschäfte von zu Hause aus, ohne dafür einen Cent zu kassieren. Lediglich die Kosten für Telefonate, Porto oder Büromaterial schlagen zu Buche. Die Arbeit erledigt der Rentner im Ehrenamt. Das gilt auch für den Vereinsvorsitzenden Franz Kusnierski, der zusammen mit Drygala die von den Mitgliedern gemeldeten Glasbruchschäden reguliert. Und für die zwei Kassenprüfer, die alljährlich die Buchführung des Vereins einsehen.

 Beim Jahrestreffen ist der Vorstand weitgehend unter sich. Da sei vor Jahrzehnten noch anders gewesen, erinnert sich Drygala. Dabei haben die Vereinsoberen nur Gutes zu berichten. Wie in den vergangenen Jahren sei der Spiegelscheiben-Versicherungsverein Obernkirchen gut aufgestellt. Und da es kaum Schäden gegeben habe, sei die Kasse gut gefüllt. Auch in Sachen Mitgliedern steht der Verein gut da: Drei Zugänge hat es gegeben und einen Abgang, sprich: Aktuell hat der Verein 38 Mitglieder. „Man hat wohl gemerkt, dass unser Tarif sehr günstig ist“, erklärt Drygala diesen Umstand. Jetzt müssen die Scheiben nur noch heil bleiben. mig

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg