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„Sie lernen zu viel – rettet die Neugier der Kinder“

Obernkirchen / Wissensvermittlung „Sie lernen zu viel – rettet die Neugier der Kinder“

Warum schwimmen Möwen trotz starken Wellengangs ohne erkennbare eigene Schwimmbewegungen auf dem Wasser? Eine Erklärung für dieses Phänomen, mit dem er durch die Frage einer Grundschülerin konfrontiert worden war, fordert der Heppenheimer Salman Ansari auch von den Besuchern seines mit „Sie lernen zu viel – rettet die Neugier der Kinder“ betitelten Vortrages ein.

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Während seines Vortrages demonstriert Dr. Salman Ansari, wie man durch ein einfaches Experiment mit einem wassergefüllten Aquarium sowie (nicht) schwimmendem Obst und Gemüse die richtige naturwissenschaftliche Erklärung für das „Möwen“-Phänomen erarbeiten kann. wk

Quelle: Michael Werk

Obernkirchen. Die Antworten der Erwachsenen sind kurioserweise so vielfältig wie jene, die ihm die Klassenkameraden der Pennälerin gegeben hatten: So wird vermutet, dass es die Luft im Federkleid sei, die die Vögel auf der Wasseroberfläche schwimmen lässt. Oder dass es am Fett liege, mit denen die Tiere ihre Federn pflegen. Auch das Vermögen zum Halten des Gleichgewichtes wird genannt. Doch „das ist alles nicht richtig“, so der promovierte Pädagoge und Publizist. Ursächlich sei, dass die Möwe eine geringere Dichte als das Wasser hat, bei gleichem Volumen weniger wiegt.

 Die falschen Antworten der Teilnehmer führt Ansari auf eine „Resistenz der naiven Vorstellung“ zurück, die darauf beruhe, dass diese Personen nie die Chance gehabt haben, sich die physikalische Erklärung für dieses Phänomen durch einfache naturwissenschaftliche Experimente selbst zu erarbeiten. In der Schule behandelt worden sei das „Dichte“-Thema zwar sicher, denn laut Lehrplan müsse jeder Sechstklässler diese Frage richtig beantworten können. Aber merken haben sie sich die Begründungen des Lehrers nicht.

 Und das ist das pädagogische Problem, das der Heppenheimer ausgemacht hat: „Lernstrategien, die sich nicht an die Denkmuster von Kindern anpassen, können keinen Zuwachs an Wissen bringen.“ Seines Erachtens nach müsse man Jungen und Mädchen sowohl in der Schule als auch schon in der Kindertagesstätte daher erst eigene praktische Erkenntnisse sammeln lassen, bevor man mit ihnen über die Lösungen solcher und anderer Fragestellungen spricht. Denn: „Erfahrung ist das A und O beim Lernen.“ Wobei die Kinder das für die Erweiterung ihres Horizontes nötige Rüstzeug bereits von Natur aus mitbrächten, indem sie einen starken, auf Neugier, Unbefangenheit, Kreativität und den Wunsch nach Selbstständigkeit basierenden Antrieb zum Lernen haben. Zu erkennen sei dies etwa daran, dass schon Kleinkinder viele Dinge unbedingt allein - also ohne beispielsweise die Hilfe der Eltern - schaffen wollen.

 Insofern plädiert Ansari bei seinem zur Veranstaltungsreihe „Treff im Stift“ zählenden Vortrag dafür, dem freien Spiel in den Kindergärten mehr Raum einzuräumen und naturwissenschaftliche Themen nicht aus dem Erfahrungshorizont eines Erwachsenen heraus quasi im Sinne einer Akademisierung der Kinder zu vermitteln, sondern ihnen Zeit zu lassen eigene Erkenntnisse zu gewinnen. Leiten solle man sie dabei nur durch gezielte Nachfragen. Kommt ein Junge oder Mädchen trotzdem nicht von selbst auf die richtige Lösung, benötige es hat halt einfach nur noch mehr Zeit. Denn „manch einer kapiert es schnell, manche brauchen länger“. Und Zeit habe ein drei- oder vierjähriges Kind ja noch reichlich.

 Bedenklich ist laut Ansari in diesem Zusammenhang übrigens ein schon in Kindertagesstätten zu beobachtender Trend, „dass Kinder von ihren Eltern immer mehr darauf getrimmt werden, besser sein zu müssen als andere Kinder“. Dies übe nämlich unnötigen Druck aus. Und wenn Kinder später in der Schule scheitern, liege dies oftmals auch daran, dass sie zuvor durch den nicht auf das Lernverhalten von Kindern abgestellten respektive deren Neugier nicht aufgreifenden Unterricht „entmutigt“ worden sind. wk

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