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So ein Pech: Zug hilft Zugbeschmierern

Obernkirchen / Graffitti So ein Pech: Zug hilft Zugbeschmierern

Ziemlich derangiert musste der Schienenbus des Fördervereins Eisenbahn Rinteln-Stadthäger (Ferst) am Wochenende durch das Schaumburger Land rollen. Unbekannte Sprayer haben den roten Brummer auf beiden Seiten mit Graffiti beschmiert. Jetzt ist eine Belohnung von 250 Euro ausgesetzt.

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Sonnabend, 11 Uhr: Freiwillige Helfer schleifen die Farbe am beschmierten Schienenbus ab, die Sanierung wird einige Wochen in Anspruch nehmen.

Quelle: rnk

Obernkirchen (rnk). Als der erweiterte Vorstand von Ferst am Montag voriger Woche bei einer Sitzung den Triebwagen besichtigte, hat Vorsitzender Thomas Stübke eine kuriose Geschichte zu erzählen. Der Triebwagen, der offiziell der „Interessengemeinschaft Schienenbus Seelze“ gehört und von Ferst gepachtet wurde, sollte vor 14 Tagen für Fahrten ab Wunstorf zum Kaliberg nach Bokeloh eingesetzt werden. Am Freitag wurde der Wagen überführt, schriftlich hatte Stübke darauf hingewiesen, dass der Triebwagen nachts zu bewachen sei. Am Sonnabendmorgen erhielt Stübke dann per E-Mail die schlechte Nachricht: Unbekannte Sprayer hätten im Schutz der Dunkelheit eine Seite besprüht, gut zur Hälfte prange das Graffito auf der Triebwagenseite.

Natürlich war Stübke verärgert, schließlich hatte er eigens die tägliche und – weitaus wichtiger – auch nächtliche Bewachung angemahnt.

Was er nicht ahnen konnte: Es kam noch schlimmer, denn in der Nacht zum Dienstag kehrten die Sprayer zurück und nahmen sich die andere Seite vor, die großflächig besprüht wurde. Und während Stübke auf der einen Seite recht großzügig durchaus noch einen künstlerischen Anspruch erkennen mochte, war das bei der zweiten Spray-Attacke nicht mehr der Fall: Es mutete an, als habe sich, bildlich gesprochen, ein Blindenheim über Nacht in einer neuen Kunstform versucht.

Eine kleine Pointe am Rande: Beinahe hätte die Polizei Wunstorf die Sprayer nach der ersten Schmierattacke auf frischer Tat ertappt und festgenommen. Eine Polizeistreife fuhr am Sonnabend gegen 1.45 Uhr durch den Ort, musste aber vor der geschlossenen Schranke warten. Die Beamten sahen aus Richtung des Triebwagens vermutlich die drei Täter entgegenkommen. Die müssen den Polizeiwagen wohl erkannt haben und flüchteten. Es ist eine etwas gallige Pointe: Ein Zug rettet die Zugbeschmierer. Die anschließende Fahndung blieb erfolglos.

Dass Ferst-Vorsitzender Stübke die nächtliche Überwachung angemahnt hatte, weil eben in Wunstorf Schmierereien häufig vorkommen, wurde zwei Tage später in der lokalen Presse nicht erwähnt. Ganz im Gegenteil, dort wurde die Steinhuder Meer Bahn so zitiert: Man werde bei der Renovierung helfen, auch Speziallack habe man bei einer Firma besorgt, damit der Rote Brummer bald wieder so aussehe, wie er auszusehen habe.
Darüber kann Stübke nur lachen: Die Steinhuder Meer Bahn wolle die Farbe nicht kaufen, ließ er bei der letzten Sitzung des Vorstandes ins Protokoll aufnehmen, Andreas Pehl, Vorsitzender der „Interessengemeinschaft Schienenbus Seelze“ und damit Eigentümer des Wagens, steuert nun die Sanierung – und soll Ersatz von den Steinhuder Meer-Bahn-Freunden fordern.

Es ist dumm gelaufen, erklärt Nico Hoffmann als Vorsitzender der Steinhuder-Meer-Bahn-Freunde. Eigentlich sollte der Schienenbus am Freitag angeliefert und am Sonnabendabend schon wieder abgeholt werden, der Ferst habe den Transport mehrmals verschoben. „Das alles hat keiner gewollt“, sagt Hoffmann, auf der nächsten Vorstandssitzung werde man daher auch besprechen, ob die Interessengemeinschaft Seelze eine finanzielle Entschädigung erhalten werde. Den Vorwurf, in Wunstorf sei der Schienenbus nicht überwacht worden, weist Hoffmann zurück: Stündlich habe man den Bus kontrolliert. Und später in der Woche, da sei es mit der Überwachung natürlich ein bisschen schwieriger geworden: „Wir haben Berufe, die wir ausüben.“

Am vergangenen Sonnabend hatten vier Mitglieder der Steinhuder Bahnfreunde den Weg in die Bergstadt gefunden, um beim Abschleifen zu helfen. Pehl beziffert den Schaden auf rund 1500 Euro, allein die Arbeitsstunde, um die Farbe bis auf die Grundierung abzuschleifen und dann die neuen Farbschichten aufzubauen, schätzt er auf gut 100, dazu kommen Materialkosten, etwa für Schleifpapier und Farbe. Pehl und Stübke schätzen, dass bis zum Ende der Sanierung einige Wochen ins Land gehen werden; für alle ist es ärgerlich, dass das zusätzlich zum normalen Fahrbetrieb von den ehrenamtlichen Helfern in ihrer Freizeit zu leisten ist.

Wobei Stübke zunächst nur eine Seite des Schienenbusses sanieren lassen will: Die „bessere“ Hälfte soll erst einmal bleiben, wie sie ist, vielleicht wird sie in der Winterpause abgeschliffen und neu lackiert.

Inzwischen ist eine Belohnung ausgesetzt, die auf die Spur der Schmierer führt. Der Hannover-96-Fanclub „Rote Reihe“ lobt 250 Euro aus. Denn die Mitglieder sind mehrfach mit dem Schienenbus zu Auswärtsfahrten der Roten gefahren, ihr Vereinslogo klebt gut sichtbar auf dem Bus.

Der Fanclub „Rote Reihe“ ist nicht irgendein weiterer Freundeskreis der kickenden Bundesliga-Mannschaft, sondern durchaus ein Edel-Fanclub der gehobenen Klasse, dem übrigens auch Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil angehört.

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