Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 17 ° Gewitter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
So geht Mehrheit

Geheime Wahl So geht Mehrheit

Es ist nicht mehr als reine Routine: Ein Verwaltungsbeamter geht in den Ruhestand, und weil er Vertreter des Bürgermeisters ist, schlägt das Stadtoberhaupt dem Rat einen Nachfolger vor. Und der Rat segnet den Vorschlag ab.  In Obernkirchen gibt es zu diesem Tagesordnungspunkt eine einzige Wortmeldung.

Voriger Artikel
Mundorf siegt nach Aufholjagd
Nächster Artikel
Riesenprojekt

Jonas Pfähler (CDU) und Martin Völkening (SPD) bieten bei der geheimen Wahl lachend Sichtschutz. Im Hintergrund stimmt Oliver Keller (SPD) ab, vorn wartet Dirk Rodenbeck (CDU).

Quelle: rnk

OBERNKIRCHEN. Horst Sassenberg beantragt als Vorsitzender der CDU-Fraktion eine geheime Wahl. Der Hintergrund: Bernhard Watermann, bislang Allgemeiner Vertreter des Hauptverwaltungsbeamten, wie es in reinstem Behörden-Deutsch heißt, geht mit dem 31. Mai in den Ruhestand, nach 46 Jahren wird er aus den Diensten der Stadt ausscheiden.Bürgermeister Oliver Schäfer schlägt nun dem Rat vor, Stadtamtsrat Andreas Jasper durch Beschluss mit der allgemeinen Vertretung zu beauftragen. Dieses Amt soll bis zum Ablauf der aktuellen Wahlperiode befristet werden, also bis zum 31. Dezember 2021. Zudem soll der Kämmerer mit Wirkung zum 1. Juni befördert werden und eine freie und besetzbare Planstelle nach A13 erhalten.

Ohne Erklärung und ohne Aussprache beantragt die CDU also eine geheime Abstimmung, Schäfer schleppt eine Wahlurne heran. SPD und CDU stellen je einen Bodyguard, die bei der namentlichen Abstimmung Sichtschutz bieten, anschließend verkündet SPD-Ratsvorsitzender Wilhelm Mevert das durchaus überraschende Ergebnis: Elf Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen, drei Enthaltungen bei 21 anwesenden Ratsmitgliedern.

Grüne enthalten sich

Es sind Zahlen, die sich bei aller Vorsicht wohl zuordnen lassen: Die SPD hat mit Bernd Kirsch (WIR) ihre Gruppen-Mehrheit ausgespielt. Die CDU, im Rat mit sieben Sitzen vertreten, hat mit sechs Stimmen dagegen votiert (CDU-Ratsherr Wolfgang Schmidt fehlte), auch Einzelbewerber Robert Rammelsberg dürfte gegen Jasper gestimmt haben. Die dreiköpfige Grünen-Fraktion hat sich der Stimme enthalten. Die restlichen Tagesordnungspunkte, die Jasper betreffen, werden dann einstimmig abgesegnet. Auch CDU, Einzelbewerber und Grüne stimmen zu: Die Übertragung wird befristet, der Kämmerer wird höhergruppiert. Außerdem wird Amtfrau Kerstin Farr als Leiterin des Fachbereiches Bürger mit der Abwesenheitsvertretung vertraut, für den Fall, dass Bürgermeister und allgemeiner Vertreter Jasper gleichzeitig nicht zur Verfügung stehen.

Überraschend ist der Vorgang, weil es in den vergangenen fünf Jahren nie ein Wort gab, das darauf hindeuten ließ, dass CDU und Grüne mit der Person von Andreas Jasper oder seiner Arbeit (oder beidem) unzufrieden waren.

„Sehr gut aufgestellt, klares Konzept“

Für Jasper gab es hinter geschlossenen Türen eine Alternative: Beworben hatte sich auf den Posten des Allgemeinen Vertreters auch Kerstin Farr. Und diese hatte zumindest bei der CDU-Fraktion bei ihrer Vorstellung einen besseren Eindruck hinterlassen als der Kämmerer. „Sehr gut aufgestellt, klares Konzept“, erklärt ein CDU-Mitglied. Und Jasper? Der habe auch „etwas erzählt“. Jasper verzettele sich, hieß es gestern in und aus Kreisen der Ratsopposition. Schließlich sei der Kämmerer auch Geschäftsführer der 2013 gegründeten Obernkirchener Stadtentwicklungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH; eine 100-prozentige Stadttochter, in der die kommunalen Beteiligungen der Stadt gebündelt werden.

Genannt werden möchte aus der Opposition niemand, aber an eindeutigen Meinungen fehlt es mit Blick auf Jasper nicht: Leiten und führen, das könne er nicht, formuliert es ein CDU-Ratsmitglied.

Die Personalie wurde im Verwaltungssauschuss und im nicht öffentlichen Teil vor der Ratssitzung ausführlich diskutiert, hieß es gestern noch aus CDU-Kreisen. Und dass Sassenberg eine geheime Abstimmung beantragt habe, sei auch zum Schutz von Jasper gewesen: Man habe ihm ein öffentliches Votum mit derartig vielen Gegenstimmen und Enthaltungen schlicht ersparen wollen.  rnk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg