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So klappt’s mit dem Berufseinstieg

Obernkirchen So klappt’s mit dem Berufseinstieg

Schüler für den Beruf fit zu machen – das ist die Aufgabe von Sabine Küchler vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft. Im jbf-Centrum hat Küchler jetzt mit fünf neunten Klassen der IGS Obernkirchen ein „handlungsorientiertes Training zur Realisierung von Ausbildungswünschen“ gemeistert.

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„Soft skills“: Die Schüler präsentieren ihre in Gruppenarbeit gewonnenen Ergebnisse.

Quelle: mig

Obernkirchen. An diesem Morgen ist am und im jbf-Centrum richtig was los. Mitten im Handy-Funkloch soll ein Schüler der IGS Obernkirchen einen Bewerbungsanruf starten. Sich vorstellen, den Grund des Anrufs nennen und dann den Wunsch äußern. Gar nicht einfach, wenn man das zum ersten Mal macht. Der Schüler druckst ein wenig herum, lacht verlegen. Gut, dass dieser Anruf nicht wirklich stattgefunden hat. So hätte wohl kein Chef den jungen Mann in die engere Wahl einbezogen. Was also könnte er besser machen?

Der Kursleiter, selbst ein Mann aus der Wirtschaft, gibt erste Tipps. Den Namen und den Grund des Anrufs nennen, höflich bleiben, auf den Punkt kommen. Lange drum rum reden kommt im hektischen Alltag nicht gut an. Sabine Küchler bringt es auf den Punkt: „Beim Telefontraining ist es wichtig, dass man das Interesse weckt und keine geschlossenen Fragen stellt.“ Die Teilnehmer müssten das Gespräch „im Fluss halten“.

Schnell zeigt sich, dass die meisten Schüler Übung in der Gesprächsführung haben. Ein richtiges Telefon gibt es an diesem Morgen zwar nicht – dafür aber hat die Gruppe viel Spaß. „Die Übungen sind sehr praktisch, da wird es nie langweilig“, meint beispielsweise Laura. Und auch Markus gefällt das „handlungsorientierte Training“: „Hier bekommen wir ganz konkrete Tipps, die wir später anwenden können.“ Als Beispiel nennt er, die Erstellung einer Bewerbungsmappe. „Da sieht man, auf welche Feinheiten es ankommt und wo man Fehler gemacht hat.“ Eine solche Einschätzung – „gerade von Leuten, die aus einer Firma kommen“ – sei sehr wichtig. Darüber hinaus könne man erste Kontakte knüpfen „und hat es dann etwas leichter, wenn die einen später schon kennen“.

Zwei Tage dauert das Training, das direkt an die Praktikums-Zeit der Neuntklässler angeschlossen ist. Sabine Küchler charakterisiert die Maßnahme der Koordinierungsstelle Berufsorientierung so: „Wir wollen den Schülern zeigen, was sie bedenken und machen müssen, um ihren Berufswunsch, den sie jetzt haben oder in Zukunft haben werden, zu realisieren.“ In „ganz enger Abstimmung mit der Schule“ werden die einzelnen Maßnahmen erarbeitet, darunter ist auch eine Nachbereitung des Praktikums in unterschiedlichen Gruppen. „Die Schüler werden, je nachdem was sie im Praktikum gemacht haben, in Gruppen eingeteilt. Wir haben sechs Mechatroniker und sechs im medizinisch/pflegerischen Bereich“, erläutert Kühler das Konzept. Ziel sei es, herauszufinden, was einem während des Praktikums gefallen hat und was nicht. „Möchte ich in dieser Richtung weitergehen, oder streiche ich diesen Beruf von meiner Liste?“

Es folgt eine Einschätzung der Persönlichkeit, mit Eigenschaften wie „Ich bin eher introvertiert oder eher extrovertiert“: „Dadurch kann man sehen, ob jemand für einen bestimmten Beruf geeignet ist“, sagt Küchler. Ein Mensch, der Lehrer werden möchte, aber angibt, Menschen eher zu meiden, „kann dann vielleicht keine Klasse unterrichten, aber an die Uni gehen“.

Genauso wichtig sei es, „Druck wegzunehmen“ – in einem „geschützten Raum“. „Die Schüler sollen sich jetzt für die nächsten 40 Jahre entscheiden, das überfordert viele.“ Hier gilt es, Küchler zufolge, „bei der Suche nach Kompetenzen zu helfen, Fragen zu beantworten und die Schüler in Kontakt mit Praktikern zu bringen“.

Was kann ich gut? Und worin bin ich eher schlecht? Um das herauszufinden, müssen die Schüler zahlreiche Aufgaben bewältigen. Außer Vorstellungsgesprächen mit Firmen-Vertretern gibt es Übungen, wie die „Postkorb-Übung“, die schwierig ist: „Deine Mutter ist wegen einer Blinddarmentzündung ins Krankenhaus eingewiesen worden. Sie bittet dich, einiges für sie zu erledigen.“

Eine andere Übung ist noch komplizierter: Die Schüler sollen Papierschnipsel zu einem Viereck zusammenlegen – schweigend wohlgemerkt. Hierbei sei aber keineswegs nur das Ergebnis wichtig, sagt Küchler. „Wir wollen sehen, wie sie die Teile untereinander tauschen und wie sie miteinander umgehen.“ Das Ziel solcher Team-Aufgaben sei es, „zu sehen, wie sie mit Problemen fertig werden, ob sie Durchhaltevermögen haben und Ergebnisse präsentieren können“. Denn: „Schulische Leistungen sind das eine, Soft Skills das andere.“ Viele Firmen testeten ihre Bewerber inzwischen auch auf diese Fähigkeiten – „etwa in einem Assessment-Center“.

Trotzdem: Was die „Konkurrenzfähigkeit“ der heutigen Schülergeneration angeht, ist Küchler optimistisch. Heutzutage beschäftigten sich Schüler viel früher mit dem Thema und auch die Schulen seien „sehr engagiert“.

Dass eine gute Vorbereitung auf den Beruf wichtig ist, zeigt auch eine Befragung, die die „Koordinierungsstelle Berufsorientierung“ im Rahmen des Trainings auf dem jbf-Centrum vorgenommen hat. Dabei habe ein Drittel der Schüler angegeben, dass das in den Herbstferien absolvierte Praktikum ihren Berufswunsch bestätigt habe, ein anderes Drittel weiß jetzt immerhin sehr genau, „was sie nicht werden wollen“. Küchler ist überzeugt: „Um herauszufinden, was man später machen möchte, braucht es praktische Erfahrungen und praktische Übungen. Denn auf dem Papier sieht manches anders aus als in der Realität.“ mig

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