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So lassen die Bergstädter die Korken knallen

Obernkirchen / Silvester So lassen die Bergstädter die Korken knallen

Silvester wird die lauteste und für viele auch längste Nacht des Jahres. Die Redaktion hat bei Menschen in der Bergstadt nachgefragt: Wo lassen sie die Korken knallen? Pflegen sie Rituale? Was kommt auf den Tisch – und wie halten sie’s mit dem Feuerwerk sowie den Vorsätzen für 2013?

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Silvester 1951: Die Frisuren und die Kleider haben sich geändert, aber die Bräuche sind auch in der Bergstadt dieselben geblieben.

Quelle: Bundesarchiv

Obernkirchen (tw). „Mein Mann hat am Silvestertag Geburtstag“, erzählt Dörte Worm-Kressin. Die Stadtkoordinatorin, Chefin des Kulturfensters und Gleichstellungsbeauftragte: „Daher beginnen wir traditionell bereits nachmittags mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis. Die spannende Frage ist dabei jedes Jahr: Wer bleibt bis Mitternacht?“ Nun – für den Jahreswechsel 2012/2013 ist zumindest eines sicher: „Meine Mutter bleibt auf jeden Fall; sie kommt extra aus Berlin“, sagt Worm-Kressin. Da die Zahl der Esser aber nicht planbar ist, gibt’s Suppe; die kann nämlich je nach Bedarf gehaltvoll gestreckt werden. Seitdem die drei Kinder (6, 8, 10) älter sind, gehört obendrein ein Feuerwerk zu Silvester dazu. „Am Neujahrsmorgen“, so die Stadtkoordinatorin, „machen wir dann einen Spaziergang zu den Krainhäger Teichen, um zu schauen, wie die anderen Leute so ,geknallt‘ haben.“

„Ich fahre mit meiner Frau über Silvester nun schon zum zweiten Mal nach Sögel, eine 7000-Seelen-Gemeinde im Emsland“, verrät Oliver Schäfer. Der Bürgermeister der Bergstadt: „Wir sind durch Zufall drauf gekommen, als wir dänische Ferienhäuser an der Deutschen Küste gesucht haben.“ Gesucht – und gefunden. Bei Schäfers kommen Silvester Raclette und Berliner auf den Tisch – und, wenn der Rathauschef dran denkt, auch Bleigießen. Beim Feuerwerk indes greift das Ehepaar nicht tief in die Tasche: „Geknallt wird für maximal 20 Euro“, sagt der Bürgermeister. Zum Neujahrsspaziergang geht’s dann in den Schlosspark von Sögel. Vorsätze für 2013? „Mehr bewegen – mal wieder“, sagt Schäfer seufzend und schickt einen Blick gegen die Zimmerdecke.

Nur der Wechsel ist beständig – das ist zumindest zu Silvester die Devise von Andreas Hofmann. Der Ortsbürgermeister von Gelldorf und CDU-Mann im Stadtrat: „Mal fahren meine Frau und ich auf die Kanarischen Inseln, mal feiern wir mit Freunden bei uns zu Hause.“ Spezielle Bräuche pflegen die Hofmanns aber nicht. Und wie ist’s mit Raketen und Böllern? „Die zünden wir so gut wie gar nicht. Wir schauen lieben den Anderen dabei zu – das ist ebenso schön.“

Der 31. Dezember – das ist für Andreas Jasper immer ein Haustermin. Der Grund: „Wir haben einen Hund („Sammy“, Schnauzer-Pudel-Mischung) und eine Katze“, so der Stadtkämmerer. Diese vertragen das Alleinsein in der lautesten Nacht des Jahres schlecht. Jasper feiert mit seiner Frau und den drei Kindern (14, 17, 19), „wenn die denn kommen und nicht eigene Pläne haben“. Feste Rituale sind die TV-Sendungen „Dinner for One“ und „Der Silvesterpunsch“ mit Ekel Alfred. Gegessen wird Fondue. Gegen Mitternacht geht’s an die Kirche von Hartum, wo der örtliche Posaunenchor spielt. Beim Knallen hält sich der Herr der Finanzen ebenso wie der Rathauschef lieber zurück.

Klaus-Dieter Scheithauer, Chef des Männergesangvereins (MGV) Obernkirchen, feiert in der Regel mit seiner Frau und den Freunden. In der Regel. „Denn diesmal“, bedauert Klaus-Dieter Scheithauer, „klappt das leider nicht.“ Dafür kommt – ebenso schön – die Mutter zu Besuch. „Wir verleben den Abend also zu dritt und in aller, aller Ruhe“, sagt der Musikfreund. Auf den Tisch kommt voraussichtlich Heringssalat. Und wie hält’s Herr Scheithauer mit dem Feuerwerk?„Ich respektiere jeden, der Spaß daran hat. Ich habe ihn nicht.“ Dafür aber hat der MGV-Chef einen Vorsatz für das neue Jahr: „Ein Paar Pfunde abspecken, das wäre schön.“

„Wir feiern Silvester eigentlich immer im Landkreis Schaumburg, reihum bei und mit Freunden“, sagt Christina Louise Steinmann. Die Fraktionschefin von Bündnis 90/Die Grünen: „Das ist mir schon allein wegen meiner drei Windhunde wichtig; die haben bei der Knallerei Stress, da will ich sie nicht allein lassen.“ Steinmann selbst zündet jedes Jahr nur ein oder zwei Leuchtbatterien – als Glücksbringer; was aber nur wirkt, wenn sie selbst das Streichholz dran hält. Gegen Mitternacht geht’s dann meist rauf zur Bismarck-Eiche an der Liethalle, wegen der tollen Aussicht.

Auf den Luhdener Klippenturm zieht es Wolfgang Hein (AAD-Architekten) und seine Frau – zusammen mit vier befreundeten Familien aus der Nachbarschaft, nachdem sie zuvor gemeinsam gespeist haben. „Der Klippenturm“, sagt der Architekt und Stadtplaner, „ist zum ersten Mal unser Ziel, sonst fahren wir meist zum Skiurlaub in die Berge.“ Feste Rituale indes gibt’s so oder so nicht. Es sei denn dieses: „Geknallt“, betont Hein, „wird bei uns nicht. Ich bin ein strikter Gegner von Silvesterfeuerwerk.“ Der Grund leuchtet ein: „Wenn man mal auf einem Berg gestanden und die Luftverschmutzung unten im Tal gesehen hat – dann lässt man’s bleiben.“
„Ich habe Neujahr Dienst in der Jugendanstalt Hameln; deswegen fahre ich nicht weg, sondern feiere Silvester mit meiner Frau zu Hause in unserem Wohnzimmer“, berichtet Heiko Heinz. Der Chef des TSV Krainhagen: „Zum Feiern gehört für uns Raclette sowie im Fernsehen ,Dinner for One‘ und ,Ekel Alfred‘ mit seinem Silvesterpunsch.“ Ein eigenes Feuerwerk brennt das Ehepaar nicht ab, denn: „Ist die Sicht gut, genießen wir den Blick auf die Raketen von unserem Balkon aus.“ Ein Neujahrsspaziergang fällt wegen des Dienstes leider aus, einen guten Vorsatz fürs neue Jahr gibt’s aber: „Etwas weniger organisieren, dafür aber mehr Sport treiben und auch mehr Obst essen.“

Traditionell mit seiner Frau und Freunden zu Hause feiert Werner Hobein den Jahreswechsel. Der Geschäftsführer des Seniorenzentrums „Sonnenhof“: „Es wird richtig gutes Essen geben – und zwar Fondue.“ Davor wird natürlich „Dinner for One“ gesehen. So ganz ohne Feuerzauber geht es bei den Hobeins um Mitternacht nicht ab, wenngleich: „Wir beschränken uns eher auf Tischfeuerwerk.“ Viel falsch gemacht haben kann Hobein in den zurückliegenden Jahren nicht, denn seine Devise für 2013 heißt: „Weiter wie bisher.“

Auf Wunsch der ältesten Tochter verlebt Thomas Stübke mit der vierköpfigen Familie den Jahreswechsel beim Skifahren in Zell am See (Österreich). „Sport, wandern – ausspannen“, heißt die Devise, sagt der Geschäftsführer Bückeberg-Bahn und Grünen-Politiker. „Geböllert“, sagt Stübke, „wird nicht; das lehnen wir grundsätzlich ab.“ Stattdessen gibt die Familie das so Gesparte die Woche drauf den Sternsingern. Für das Essen sorgt diesmal das Hotel, sonst gibt es Silvester jedes Jahr was anderes. Stübkes Vorsatz für 2013: „Regelmäßiger was für die Gesundheit tun und mehr Zeit für die Familie aufbringen.“

Bei Joachim Gotthardt wird Silvester mit einem Spaziergang rund um das Mindener Glacis eingeleitet. Der Marktbereichsleiter Obernkirchen der Sparkasse Schaumburg: „Wir feiern dieses Jahr bei Freunden. Jeder bringt einen Teil des Essens mit. Meine Frau bereitet griechischen Sahnequark mit halbgefrorenen Himbeeren vor. Darüber gibt es eine dicke braune Zuckerschicht.“ Besondere Silvesterrituale gibt es bei Gotthardts nicht. Aber kurz vor 0 Uhr wird dann gemeinsam der Countdown runtergezählt. Der Sparkassenleiter: „Feuerwerk brennen wir nur wenig ab. Jeder der Gäste bringt nur ein oder zwei Stücke mit.“ Dafür ist aber ein Neujahrssparziergang Pflicht. Wo – das wird bei Gotthardts je nach Wetterlage entschieden.

Mit seiner Frau, manchmal mit den Kindern und Enkeln, manchmal mit Freunden, „wie es sich jeweils ergibt“, begeht Pastor Wilhelm Meinberg den Jahreswechsel. „Nach dem Gänseessen mit der ganzen Familie am 2. Weihnachtstag kommt auf jeden Fall etwas Leichtes auf den Tisch“, sagt der Pastor. Um Mitternacht treffen sich die Meinbergs beim Glockengeläut um 0 Uhr auf dem Kirchplatz zum Anstoßen. Feuerwerk gibt’s beim Pastor nicht: „Im Sinne der Aktion ,Brot statt Böller‘ verzichte ich zugunsten von Brot für die Welt.“ Und wie sieht’s beim Pastor mit einem Spaziergang am Neujahrsmorgen aus? „Das hängt vom Wetter ab.“ Seine Vorsätze für das Jahr 2013 lauten: „Mehr Bewegung – und weniger Zeit am Schreibtisch verbringen.“

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