Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Obernkirchen Stadt Spaghetti essender Luchs erleichtert das Lernen
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Spaghetti essender Luchs erleichtert das Lernen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:26 20.09.2012
Außer jeder Menge kreativer Ideen, wie man den mitunter drögen schulischen Lernstoff in leicht zu merkende „Bilder“ umsetzen kann, hat Gregor Staub auch noch einige Mathetricks im Gepäck. Quelle: wk
Obernkirchen (tw)

In etwa dies ist auch Dörte Worm-Kressin, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Obernkirchen, durch den Kopf gegangen, als sie im Fernsehen einen Auftritt des Schweizer Gedächtnistrainers Gregor Staub gesehen hat.

 Vor laufender Kamera hatte dieser demonstriert, wie man sich selbst die trockenste Materie aneignen kann, ohne viel Zeit fürs Pauken draufgehen zu lassen. Danach war sie so beeindruckt, dass sie ihm eine E-Mail mit der Bitte um Informationen zu den von ihm angebotenen Vorträgen zukommen ließ, worauf dessen Agentur prompt reagierte und die Frage stellte, wann Staub auf seiner Vortragstournee denn mal in Obernkirchen vorbeischauen könne. So kam es, dass der Gedächtnis-Profi im Schulzentrum Am Ochsenbruch aufgetreten ist und seine Methode Schülern der siebten und achten Jahrgangsstufe sowie den eigens angereisten Viertklässlern der Grundschule vorgestellt hat.

 „Ein Gedächtnistraining muss immer aktiv betrieben werden“, erklärte der Experte. Einfach nur ein Buch zu lesen, um etwa Unmengen von geschichtlichen Daten im Kopf zu behalten, nütze wenig. Seine Empfehlung war daher, die auswendig zu lernenden Begriffe, aber auch Vokabeln, Zahlenkolonnen oder was auch immer für einen Lernstoff zukünftig mit „Bildern“ zu verknüpfen beziehungsweise diesen in eine erdachte Bildergeschichte einzubetten. Auf diese Weise könne das Gehirn den Stoff nämlich leichter speichern.

 Wie diese Lernmethode in der Praxis aussieht, verdeutlichte er anhand eines zehn Positionen umfassenden Einkaufszettels, den er mit seinen Zuhörern (in diesem Fall den Grundschülern) einstudierte. Dabei ordnete er jedes zu kaufende Produkt einem bestimmten Körperteil oder irgendwelchen – damit an sich nichts zu tun habenden – Gegenständen im Raum zu. Die „Eier“ beispielsweise passten zu den Füßen, weil man damit in am Boden liegende Eier treten könne. Eine gelb gestrichene Wand erinnerte an „Bananen“ und ein Metallgeländer an „Gurken“, während ein Kopf wiederum die Assoziation mit einer „Kartoffel“ erlaubte. Erstaunlicherweise hatten die Kinder den Einkaufszettel tatsächlich ruckzuck drauf und konnten diesen sogar vorwärts und rückwärts „herunter beten“. Auf ähnliche Weise übte er dann die Nachnamen der in den Jahren von 1953 bis heute in den USA regierenden zehn Präsidenten ein, was ebenfalls problemlos vonstatten ging. Man musste sich nur merken, dass „Eisenhower“ auch eine Metalltafel sein könnte, auf die man draufhauen kann, Nixon eine „Nixe“, Carter eine „männliche Katze“, dass es bei Reagen „regnet“ und dass etwa George W. Bush junior eben ein „kleiner Busch“ sei.

 Noch doller wurde es, als Staub danach alle 27 Länder der Europäischen Union in eine aberwitzige Geschichte integrierte, bei der unter anderem eine Nachtigall zum Eiffelturm (Frankreich) fliegt und von dort aus nach Dänemark sieht, wo ein Luchs (Luxemburg) nach Deutschland rennt und dort einen Österreicher trifft, um mit diesem Spaghetti (Italien) zu essen. Aber auch diesen Lernstoff hatten die Grundschüler bereits nach wenigen Wiederholungen dieser Geschichte tatsächlich im Kopf. Einige Mathetricks für schnelles Kopfrechnen hatte er übrigens auch noch parat.

 „Die Chance, dass Ihr ein Lernziel erreicht, ist, wenn Ihr an Euch glaubt, dramatisch höher, als wenn Ihr Zweifel habt“, gab Staub den jungen Leuten als Rat mit auf den Weg. Insofern sei es auch sinnvoll, sich an den eigenen Erfolgen zu orientieren und nicht an den Misserfolgen. Selbstbewusst zu sein, sei immens wichtig. Und auf die von ihm gepriesene Lernmethode gemünzt: „Die Bilder muss man lernen wie ein Alphabet.“ Und wenn man dabei Fehler macht, sei das egal – frei nach der Devise: „Ich gebe einfach weiter Gas.“ Denn Leidenschaft – so der Referent – sei ein weiterer Faktor, der das Lernen erleichtere.

 Zur Erheiterung der Schüler verriet Staub, der mit seinem Lern-Konzept nach eigenen Angaben seit mittlerweile 22 Jahren durch alle deutschsprachigen Länder tourt, dass er mit 16 Jahren vom Gymnasium geflogen war, weil er „nicht lernen konnte“. In einigen Fächer sei er damals zwar „Schulbester“ gewesen, in einigen allerdings „Schulschlechtester“. Demgegenüber berichtete er über eine seiner beiden Töchter, dass diese unbedingt in Schanghai studieren wollte und mithilfe seiner Lernmethode plus einer großen Portion Leidenschaft und Selbstbewusstsein innerhalb von nur drei Monaten so gut Chinesisch gelernt habe, dass sie es schon nach dieser kurzen Zeit habe „fließend“ sprechen können. Zu seiner Person erklärte er noch, dass er – bezogen auf seine auf CD erhältlichen Schulungsmaterialien – „mehr CD als alle Popstars in Deutschland“ verkaufe, aber „kein Star, sondern nur ein Trainer“ sei. Und: „30 Stunden brauche ich die Leute im Coaching, dann haben die ein perfektes Gedächtnis.“

 Ein Raunen lief durch den Saal, als Staub anmerkte, dass er für seine Vorträge üblicherweise ein Honorar von 6500 Euro kassiere. Für Schulen biete er sie aber gratis an. Gänzlich ohne Eigennutz war sein Einsatz in Obernkirchen jedoch nicht, denn am Abend stand noch ein Extra-Vortrag für Eltern auf dem Programm, bei dem der Schweizer darauf setzte, seine Schulungs-CD in ausreichender Zahl verkaufen zu können. Das für diese Veranstaltung (rund 200 Zuhörer) erhobene Eintrittsgeld diente laut Worm-Kressin dazu, die Kosten für die Übernachtung des Referenten in Obernkirchen zu begleichen und dem Schulzentrum einen kostendeckenden Betrag für die Nutzung der Aula zur Verfügung zu stellen.