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„Sprache ist überall – und kann überall gefördert werden“

Obernkirchen / Vortrag „Sprache ist überall – und kann überall gefördert werden“

Wenn Ursula Büthe den Wandel zum Schlechteren in der frühkindlichen Sprachbildung erklären will, greift die Fachberaterin des Landkreises für die Kindertagesstätten auf ein Bild zurück: Früher hätten die Mütter ihre Babys gewindelt und dabei mit ihnen gesprochen: „Butsi, butsi, butsi, hier ist der schöne Strampler, und den ziehen wir Dir jetzt an.

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Rhetorisch reich gesegnet: Ursula Büthe, Fachberaterin des Landkreises für die Kindertagesstätten, darf in einer Sitzung darlegen, warum der Landkreis die Sprachförderung früher greifen lassen und breiter aufstellen möchte. Widerspruch gibt es nicht allzu

Quelle: rnk

Obernkirchen (rnk). “Heute würde die Mutter bei der gleichen Tätigkeit nebenbei mit dem Handy telefonieren oder Fernsehen gucken. Und würde man sie fragen, wäre ihre Antwort diese: „Warum soll ich mit dem Baby sprechen? Es spricht ja auch nicht mit mir.“ Ihre Botschaft: Kinder würden schon als Baby abgewickelt, daher muss die Sprachförderung in den Kindertagesstätten früher greifen.

 Der Landkreis schlägt ein vom Land gefördertes Modell vor, dass zunächst bis 2013 laufen wird, aber um zwei weitere Jahre verlängert werden soll. Bislang kümmerten sich 14 Sprachförderkräfte in sieben Gemeinden mit insgesamt 21 Kindertagesstätten um die zusätzliche und systematische Sprachförderung von 447 beteiligten Kindern im Alter zwischen drei und fünf Jahren. Künftig sind die Sprachförderkräfte in einem oder mehreren Kindergärten tätig, die Arbeit mit den Kindern in den Kleingruppen soll fortgesetzt werden, aber sie soll vermindert werden: „Alle Sprachförderkräfte werden verstärkt die Multiplikation der interessierten weiteren Teams vorsehen“, heißt es im Konzept. Es ist der Punkt, der die Leiterinnen der Kindertagesstätten in Obernkirchen in der vorigen Sitzung des Ausschusses protestieren ließ: Immer mehr Aufgaben würden von den Erzieherinnen verlangt werden. Denn gemeint ist, dass künftig Sprachförderung von allen Erzieherinnen geleistet werden soll. Ursula Büthe erklärt es so: Wenn die Sprachförderkraft einmal in der Woche am Beispiel der Schuh und die Schuhe mit dem Kind die Pluralbildung übe, reiche dies nicht. Dies müsse stets geübt werden, jeden Tag, jeden Moment, und zwar von den Erzieherinnen: „Nimm bitte Deine Schuhe und zieh sie an, wir gehen nach draußen.“ Nicht jede Leitung, nicht jede Erzieherin sei offen dafür, erklärt Büthe, dabei sei Sprache eine „Querschnittsaufgabe, denn drinnen oder draußen – überall ist Sprache, überall kann Sprache gelernt werden“.

 Oliver Keller (SPD) wies auf generelles Problem hin: Die Kommune bekomme immer mehr Aufgaben übertragen, ohne dass die Kosten erstattet würden. Man baue auf, und dann laufe ein Programm aus – „das klingt eher nach einem Sparprogramm“. Büthe konterte mit einem Hinweis: Niemand zwinge eine Kommune, eine Gruppe mit 25 Kindern anzubieten, man könne sie auch verkleinern – und damit, so war es wohl gemeint, die Erzieherinnen entlasten. Die Fachbearbeiterin argumentierte generell: „Ich kann die Richtlinien nicht ändern, also versuche ich, das Beste daraus zu machen.“ Und: Mit dem neuen Konzept würden auch die Kindertagesstätten in Obernkirchen, die bislang nicht an der Sprachförderung beteiligt waren wie der Spielkreis oder die „Rasselbande“, wohl auch versuchen, ein Stück vom Kuchen zu bekommen. Am neuen Konzept führe kein Weg vorbei, erklärte Ursula Büthe: „Wenn wir das Alte machen, dann kriegen wir kein Geld vom Land. Dann schreibe ich Konzepte, die gebe ich Euch, und Ihr setzt sie um.“

 Die rhetorisch begabte Ursula Büthe argumentiert, diskutiert und empfiehlt, Widerstand gibt es wenig, zumal mit Waltraud Denocke als Leiterin der Kindertagesstätte Kammweg die entschiedenste Gegnerin der Änderung der Sprachförderung in dieser Sitzung fehlt. Eine so positive und erfolgreiche Unterstützung für die Kinder könne es bei der Vielfalt der zu bewältigenden Aufgaben einer Erzieherin künftig nicht geben, hatte sie in der vorletzten Sitzung argumentiert.

 In die gleiche Richtung ging in der vorletzten Sitzung die Debatte über den Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung (wir berichteten), die Vereinbarung zwischen dem Landkreis Schaumburg und Trägern von Einrichtungen und Diensten für den Bereich von Tageseinrichtungen für Kinder ist von der Stadt noch zu unterzeichnen. Waltraud Denocke hatte im Rahmen der diesbezüglichen Diskussion befürchtet, dass die neue und ausgeweitete Aufgabenstellung personelle Aufwendungen mit sich bringe. „Nichts ändert sich“, erklärt Ursula Büthe kategorisch: Die Eltern würden bei einem Verdacht angesprochen, etwa wenn das Kind mit blauen Flecken in den Kindergarten kommt. Es würden den Eltern Vorschläge unterbreitet, wie das abgestellt werden könnte, eine erfahrene Fachkraft würde eingeschaltet, es würde abgesprochen und abgeschätzt, ob eine akute Gefährdung vorliege, dann werden das Jugendamt eingeschaltet, das wiederum auf eine im Kindergarten erstellte Dokumentation zurückgreifen könne.

 Zwar sah Oliver Keller (SPD) einen erheblichen Zeitaufwand für die Dokumentation, der natürlich zulasten der Arbeit am Kind gehe, aber schon nach gut zehn Minuten war deutlich erkennbar, welche Beschlussempfehlungen am Ende der Sitzung erfolgen werden.

 Zwei Stunden später war es so weit: Das neue Kreiskonzept zur Sprachförderung wird zustimmend zur Kenntnis genommen, die Vereinbarung zum Kindeswohl soll von der Stadt ebenfalls unterschrieben werden.

 Die Stadt wird sich auch der – für sie kostenneutralen – Fachkraft des Landkreises bedienen. Am 14. März tagt der Verwaltungsausschuss, er wird sich diesen Empfehlungen wohl anschließen.

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