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Stadt will „Schlafhaus" verkaufen

Standort für neue Obdachlosenunterkunft gesucht Stadt will „Schlafhaus" verkaufen

Die Tage des alten „Schlafhauses“ als Obdachlosenunterkunft sind gezählt. Denn aufgrund des stark sanierungsbedürftigen Zustandes des an der Stoevesandtstraße 21 gelegenen Gebäudes hat sich der Rat der Stadt mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass die Stadt Obernkirchen das ihr gehörende Objekt veräußern soll.

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Das als Obdachlosenunterkunft dienende alte „Schlafhaus“ an der Stoevesandtstraße 21 soll verkauft werden. Eine Sanierung sei nach Auskunft von Bürgermeister Oliver Schäfer für die Stadt Obernkirchen „unwirtschaftlich“.

Quelle: Foto: wk

Obernkirchen. Bevor das um 1908 erbaute Anwesen, das ursprünglich der Beherbergung von Arbeitern der Glasfabrik Heye diente, jedoch öffentlich gegen Höchstgebot zum Kauf ausgeschrieben wird, muss die Verwaltung erst noch eine Alternative für die Unterbringung von Obdachlosen finden. Wie andere Kommunen in Deutschland auch ist die Stadt Obernkirchen nämlich gesetzlich verpflichtet, eine bestimmte Anzahl an Notquartieren bereitzuhalten, erklärte Bürgermeister Oliver Schäfer (SPD) bei der Sitzung. Für wie viele Menschen die Verwaltung diesbezüglich Vorsorge treffen soll und in welcher Größenordnung, darüber wurde seitens der Ratsmitglieder kontrovers diskutiert.

 Laut Schäfer beabsichtigt die Stadt, als Ersatz für das „Schlafhaus“ ein bislang noch nicht näher konkretisiertes, alleinstehendes Gebäude anzumieten, das gegebenenfalls eigens für die Verwendung als Notquartier von einem Investor bedarfsgerecht erbaut wird. Dabei soll die neue Obdachlosenunterkunft acht Wohnplätze (jeweils zwischen zehn und zwölf Quadratmeter groß) für Einzelpersonen sowie vier Wohneinheiten für Familien (jeweils zwischen 40 bis 50 Quadratmeter groß) bieten und einfach ausgestattet sein. Solch ein Objekt selbst bauen zu lassen, kommt für die Stadt nicht infrage, da aufgrund der klammen Kasse „keine zusätzlichen Finanzierungsmöglichkeiten“ gegeben sind. Stattdessen soll ein entsprechendes Gebäude zu einem jährlichen Mietzins in Höhe von 20000 bis 30000 Euro angemietet werden.

 Dass die Stadt Obernkirchen eine Obdachlosenunterkunft neu bauen lasse, diese Notwendigkeit sehe er nicht, bekräftigte Horst Sassenberg (CDU). „Aber brauchen wir tatsächlich acht Plätze für Einzelpersonen und vier Wohnungen für Familien?“

 Er jedenfalls erkenne keinen solch großen Bedarf an Notunterkünften in der Bergstadt. Damit verband er die Forderung, seitens der Verwaltung darzulegen, woran diese denn die genannte Anzahl an Wohnplätzen festmacht.

 „Obdachlosigkeit ist nicht planbar“, erwiderte Andreas Grote, der bei der Stadtverwaltung für die Unterbringung von Obdachlosen zuständig ist, hierzu in nachdrücklichem Tonfall. Man spreche bei diesem Thema zudem nicht nur von nicht-sesshaften Menschen, denen man bei Bedarf Schlafgelegenheiten bieten müsse, sondern auch von unfreiwillig obdachlos gewordenen Menschen. So etwa, wenn ein Wohngebäude durch einen Brandschaden unbewohnbar geworden ist und dessen Bewohner plötzlich irgendwo anders unterkommen müssen. Und abgesehen davon, dass das alte „Schlafhaus“ wegen des maroden Zustandes schon für Einzelpersonen eine „völlig menschenunwürdige“ Unterbringungsmöglichkeit sei, habe man für obdachlos gewordene Familien derzeit überhaupt keine Notunterkunft.

 Heinrich Struckmeier, ebenfalls aus dem CDU-Lager, warf hierzu ein, dass man doch keinen vorsorglichen Not-Wohnraum für beispielsweise ein von zwölf Personen bewohntes Mehrfamilienhaus vorhalten könne, dass durch einen Schaden unbewohnbar werde: „Ich bin der Meinung, die Hälfte würde auch ausreichen“, betonte er.

 Rückendeckung erhielt er dabei von seinem Parteikollegen Dirk Rodenbeck, der hinsichtlich der zukünftigen Obdachlosenunterkunft ein „Modul-System“ vorschlug, das an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden könne. Zumal es ja „sehr hochwertige Container“ gebe, die ausdrücklich für behelfsmäßige Wohnzwecke gedacht seien.

 Im Übrigen fand auch Thomas Stübke (Grüne), dass die von der Verwaltung angesetzte Wohnplatz-Anzahl „zu groß“ bemessen sei.

 Am Ende der Sitzung stimmte der Rat mehrheitlich dafür, das offizielle Prozedere für den Verkauf des alten „Schlafhauses“ einzuleiten. Dabei müsse aber erst ein Grundstück in der Stadt gefunden werden, auf dem (orientiert an den Vorstellungen der Verwaltung) durch einen Investor eine neue Obdachlosenunterkunft gebaut wird, die anschließend von der Stadt Obernkirchen angemietet wird – und zwar bevor das alte „Schlafhaus“ als Notquartier entfällt. wk

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