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Stieftochter missbraucht? – „Stimmt alles nicht“

Obernkirchen/Bückeburg / Prozess Stieftochter missbraucht? – „Stimmt alles nicht“

Er erzählt und erzählt. Sein halbes Leben breitet der Angeklagte vor der 1. Großen Strafkammer am Bückeburger Landgericht aus. Bloß zur Sache kommt er nicht. Nachdem sich Richterin Birgit Brüninghaus die Familiengeschichte angehört hat, muss die Vorsitzende nachfragen. „Sie haben es jetzt nicht so ausdrücklich gesagt“, beginnt sie. „Die ganzen Vorwürfe – das stimmt also nicht?“ Zur Bestätigung antwortet der Obernkirchener: „Das stimmt alles nicht.“

Obernkirchen/Bückeburg (ly). Wenn es stimmen würde, müsste der 54-Jährige mit mehreren Jahren Haft rechnen. Staatsanwalt André Lüth legt ihm sexuellen Missbrauch, Körperverletzung und sexuelle Nötigung zur Last – insgesamt elf Fälle, ein Teil davon juristisch als Verbrechen eingestuft. Das Opfer soll die Stieftochter des Angeklagten gewesen sein, heute eine junge Frau von Mitte zwanzig. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ist es zu ersten Übergriffen gekommen, als sie in die zweite Klasse ging – das war im Sommer 1994.

Insgesamt erstreckt sich der mutmaßliche Tatzeitraum über sieben Jahre und endet 2005, eine Unterbrechung von vier Jahren bereits abgerechnet. Warum es so lange gedauert hat, bis es zur Anzeige kam, wurde bisher nicht bekannt. Zum Prozessauftakt sagte die junge Frau vorgestern hinter verschlossenen Türen aus.

Der Angeklagte sieht sich offenbar als Opfer eines Komplotts seiner Ex-Frau, von der er zwischenzeitlich geschieden ist. Nach dem Entschluss zur Scheidung sei „der Stress größer“ geworden. Bereits zuvor will der Obernkirchener „gehört“ haben, „dass ich mich an meiner Stieftochter sexuell vergriffen haben soll“. Für das Mädchen will er stets „alles gemacht“ haben. „Wir hatten ein recht gutes Verhältnis.“

Nun muss das Gericht den Fall aufklären. Richterin Brüninghaus hat dafür zunächst drei Sitzungstage anberaumt, vier Zeugen geladen und eine Gutachterin. Die Sachverständige soll beurteilen, ob die belastende Aussage der jungen Frau glaubhaft ist.
Wiederholt soll der Familienvater seine Stieftochter auf den Schoß gezogen und an der Brust oder im Intimbereich berührt haben. Einmal, so heißt es in der Anklageschrift weiter, sei das Mädchen in die Brust gebissen worden.

Zumindest in einem weiteren Fall soll der Stiefvater die Schülerin massiv eingeschüchtert haben. Laut Anklage drückte er diese gegen die Heizung im Keller, würgte sie und drohte: „Ich mache Dich fertig.“ Zu Beginn der Verhandlung hatte es so ausgesehen, als wolle der Angeklagte ein Geständnis ablegen. Ein Rechtsgespräch zwischen Gericht, Staatsanwalt Lüth, Verteidiger Volkmar Wissgott und Dietmar Weyland, dem Anwalt der Nebenklage, blieb jedoch ohne Ergebnis.

Parallel zum Strafprozess verfolgt Weylands Mandantin in einem sogennanten Adhäsionsverfahren einen zivilrechtlichen Anspruch: Sie will „ein angemessenes Schmerzensgeld“.

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