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Obernkirchen Stadt Streit um Abschläge endet vor Gericht
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Streit um Abschläge endet vor Gericht
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06:17 02.04.2012
Stadthagen/Obernkirchen (kle)

Mehr als 100 Euro im Monat hatte der Konzern für den Zwei-Personen-Haushalt von Jo-Christian Herbst verlangt und gedroht, ihm den Strom abzustellen, sollte er die Vorauszahlungen nicht in vollem Umfang leisten. Das Ergebnis: Im Laufe des Prozesses musste der Anwalt von e.on den Irrtum einräumen, die Kosten des Verfahrens wurden vollständig dem Energiekonzern auferlegt.

 Dass es überhaupt so weit kommen musste, ist Friedbert Wittum, Herbsts Anwalt von „Wittum und Partner“ in Obernkirchen, ein völliges Rätsel. Doch der Reihe nach: Ursprünglich ein Haus mit nur einem Stromzähler, wurde das Zuhause von Herbst vor einiger Zeit in ein Drei-Familien-Haus mit je drei eigenen Stromzählern umgewandelt. Anstatt aber die monatlichen Abschläge entsprechend anzugleichen, forderte e.on von Herbst die vollen 185 Euro.

 Er bat um Aufklärung und einigte sich mit e.on darauf, dass er die für einen Zwei-Personen-Haushalt üblichen 45 Euro überweisen werde – Vergleichswerte aus demselben Gebäude gab es schließlich für die neuen Wohneinheiten nicht. So weit, so gut. Doch bald darauf entschied e.on, dass der Abschlag für Herbst doch wesentlich mehr – genauer: 106 Euro – betragen solle, basierend auf den früheren Verbrauchserfahrungen mit dem gesamten Haus.

 Auf Anraten seines Anwalts überwies Herbst trotzdem nur die 45 Euro, solange die Sache nicht vollständig geklärt sei – mit dem Ergebnis, dass von e.on bald die Androhung folgte, sie werde Herbst den Strom komplett abschalten. Wittum brachte die Sache daraufhin vor Gericht: Er reichte Klage gegen e.on ein, die sich aber nach wie vor im Recht sah.

 „Die Abschläge sind nach den uns bekannten Verbräuchen berechnet worden“, heißt es in einer Stellungnahme von Edgar Schrören, Pressesprecher von e.on. Es folgte also prompt eine Gegenklage, mit der e.on erreichen wollte, den Strom bei Herbst abstellen zu dürfen. „Erst im Laufe des Gerichtsverfahrens wurde bekannt, dass inzwischen der ursprüngliche Verbrauch über zwei weitere Zähler im Haus gedrittelt werden sollte“, so Schrören.

 Bei Herbst und Wittum stellt sich die Sache dagegen ganz anders dar: Die Kommunikation sei von Anfang an schiefgelaufen. „Da hatte man wirklich das Gefühl, als wüssten die Mitarbeiter gar nicht, was wir mit unserer Argumentation meinen“, so Wittum. An den Geschäftsführer sei er trotz Nachfrage erst gar nicht herangekommen, stattdessen erreichte Herbst die nächste Mahnung samt Androhung der Stromabstellung.

 Durch eine Ablesung während des Prozesses stellte sich schließlich heraus, dass Herbsts monatlicher Verbrauch tatsächlich bei knapp 45 Euro lag. Ohne das Verfahren hätte er also 2011 mehr als 700 Euro, im Falle der ursprünglich verlangten 185 Euro Abschlag mehr als 1600 Euro zu viel vorstrecken müssen, die er erst 2012 wieder gutgeschrieben bekommen hätte. Das Urteil des Gerichts war entsprechend eindeutig: Trotz einer gegenseitigen Erledigungserklärung wurden die Kosten für Klage und Gegenklage e.on auferlegt. Es sei „unstreitig“, dass „die ehemals über einen Zähler laufende Verbrauchsstelle, die das ganze Haus erfasste, im Jahr 2010 durch den Einbau von nun drei Zählern aufgeteilt worden ist“, so die Begründung von Richter Carsten Knepper. e.on hätte deshalb „nicht einfach den vollen Vorjahresverbrauch für das gesamte Haus als Basis für die Berechnung“ nehmen dürfen, sondern hätte diese „entweder ,dritteln‘ müssen oder den Durchschnitt vergleichbarer Kunden zugrunde legen müssen. Dies hat sie unstreitig nicht getan“. Wittum sieht sich damit nicht nur in Bezug auf das Verfahren bestätigt, sondern ebenso in der Überzeugung, „dass man sich auch von großen Firmen nicht in die Ecke drängen lassen“ sollte.